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Löwe Linsbichler: Ein Tor mit quälend langem Anlauf

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Von: Uli Kellner

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Tim Linsbichler setzt eine Austria-Tradition fort
Tim Linsbichler setzt eine Austria-Tradition fort © Mladen Lackovic via www.imago-images.de

Tim Linsbichler kam aufgrund einer Schambeinentzündung letztes Jahr nicht zum Einsatz. Im Test gegen Aalen konnte der „gefühlte Neuzugang“ sein erstes Tor erzielen.

München – Als NLZ-Talent Marius Wörl, 17, im Strafraum zu Boden ging, ertönte ein schriller Pfiff – gefolgt von suchenden Blicken. Im Test der B-Löwen gegen Aalen war kein Sascha Mölders greifbar, kein Phillipp Steinhart, nicht mal ein Spieler aus dem erweiterten Kreis der im Totopokal erprobten Elfmeterschützen. Erfahrenster Spieler auf dem Platz war Marco Hiller, 24, der Matchpraxis erhielt, um während seiner Rotsperre nicht einzurosten.

Es fand sich aber relativ schnell ein Spieler, der bereit war, Verantwortung zu übernehmen: Tim Linsbichler ließ sich nicht lange bitten. Der 21 Jahre alte Wiener lief an – und rettete Michael Köllners Junglöwen-Auswahl ein spätes Unentschieden (Endstand 1:1/89. Minute).

Tim Linsbichler: Schambeinentzündung zwingt ihn zu einjähriger Pause

Aus elf Metern erzielte Linsbichler also sein erstes Tor im 1860-Trikot – ein Treffer mit rekordverdächtigem Anlauf. Zur Erinnerung: Der Österreicher war am Ende der Sommertransferperiode 2020 zu den Löwen gestoßen – im Doppelpack mit Landsmann Martin Pusic, 33, der fast schon vergessen ist. Pusic war 1860 keine große Hilfe; aus privaten, weiterhin nicht bekannten Gründen bat er drei Monate später um Vertragsauflösung – ohne ein Tor zu hinterlassen.

Bei Linsbichler lag der Fall anders. Bei ihm waren es handfeste gesundheitliche Probleme, die ihn in seinem ersten Jahr in München zur Untätigkeit zwangen. Eine Schambeinentzündung setzte ihn schachmatt – der Horror für jeden Sportler. Marius Willsch, 30, aktueller Schambeinpatient der Löwen, sagte kürzlich sinngemäß: Bei Knochenbrüchen oder Bänderrissen weiß man in etwa, wie lange das OP-Reha-Programm dauern wird: „Beim Schambein ist alles drin – von einem Monat bis zu einem Jahr.“

„Es war wichtig, dass er wieder auf den Platz kommt, das Trikot mit dem Löwen auf der Brust trägt.“

Coach Michael Köllner freut sich über das Erfolserlebnis von Linsbichler

Bei Linsbichler war es tatsächlich ein Jahr, das ihn die heimtückische Verletzung gekostet hat. Umso glücklicher wirkte er am Sonntag, als er sein Seuchenjahr nun auch offiziell hinter sich gelassen hatte. Köllner glaubt, dass dem Sturmtalent aus Hoffenheims Nachwuchs der erfolgreiche Schuss vom Kreidepunkt Auftrieb geben wird. „Er hat eine lange Leidenszeit hinter sich“, sagte der 1860-Coach mitfühlend: „Es war wichtig, dass er wieder auf den Platz kommt, das Trikot mit dem Löwen auf der Brust trägt. Unabhängig davon, ob das Tor durch einen Elfmeter fiel – für ihn als Stürmer ist es überhaupt wichtig, dass er getroffen hat. Dafür haben wir ihn verpflichtet.“

Wie lange es dauern wird, bis Linsbichler auch für das A-Team Tore schießen wird, steht in den Sternen. Psychologisch geht es für den Rückkehrer nun darum, nicht zurückzublicken – höchstens, um den Euphoriefaden aufzunehmen, dem er einst von Wien über Hoffenheim nach Giesing gefolgt war – zum Verein früherer Austria-Idole wie Cerny, Stranzl, Prosenik, Pürk, Weißenberger. Nach seiner Verpflichtung im September 2020 sagte Linsbichler: „Mit der Vertragsunterzeichnung beim TSV 1860 ist einer meiner Kindheitsträume wahr geworden.“ Sein Anliegen ist es, die Austria-Tradition beim TSV 1860 fortzusetzen – jetzt eben mit einem Jahr Verspätung. (Ulli Kellner)

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