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Torben Hoffmann: Blond und bissig

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Fast 35 und kein bisschen leise: Torben Hoffmann will auf dem Platz „viel reden“ und die Defensive dirigieren.
Fast 35 und kein bisschen leise: Torben Hoffmann will auf dem Platz „viel reden“ und die Defensive dirigieren. © sampics

Beim wegweisenden Auswärtsspiel in Ahlen vertraut Löwen-Coach Ewald Lienen drei neuen Kräften: Aigner, Rösler und Hoffmann rücken für Ludwig, Kaiser und Ghvinianidze in die Mannschaft.

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Dem 1860-Profi mit den bunten Schuhen stand die schlechte Laune ins Gesicht geschrieben. Während die Kollegen ihre Rollkoffer zum Bus zogen, drückte Alexander Ludwig missmutig auf seinem Handy herum, und wenn es eine SMS war, die er da schrieb, könnte der Inhalt wie folgt gelautet haben: „Stammplatz weg. Gegen Ahlen wohl nur auf der Bank. Warum checkt hier keiner, dass ich ein Spielmacher bin? Alles blöd!“

Dabei ist Ludwig noch vergleichsweise gut dran. Was soll erst Sandro Kaiser sagen? Er zählte noch zu den auffälligsten Löwen beim 1:3 gegen Karlsruhe, wurde sogar vom Publikum gefeiert. Und trotzdem wusste er, dass die Thermobox voller Teigwaren, die er im Auftrag der Mannschaft vom Italiener um die Ecke abholte, wohl der einzige Beitrag sein wird, den er zum Gelingen der Ahlen-Mission beitragen kann. Ganz zu schweigen von Mate Ghvinianidze. Der Georgier konnte gar nicht erst mit nach Ostwestfalen fahren. Die Wade zwickt. Auch sein Posten in der Innenverteidigung wird bis auf Weiteres neu besetzt.

Aber wie das so ist im Fußball: Wo Verlierer sind, sind auch Gewinner. Wo es Enttäuschte gibt, gibt es Profiteure, und deswegen sahen die Fans am Trainingsgelände auch drei glückliche Gesichter im Bus verschwinden: Das von Stefan Aigner, dem blonden Flügelflitzer. Das von Sascha Rösler, dem blonden Angreifer. Und das von Torben Hoffmann, der blonden Defensiv-Allzweckwaffe. Offiziell hat sich Ewald Lienen noch nicht festgelegt, aber nach den Eindrücken des Abschlusstrainings werden die drei Blonden ihr Saisondebüt in der Startelf feiern.

Was sich Lienen von seinem neuen Trio verspricht, hat er bereits kund getan: Frischen Schwung über die Flügel (Aigner, Rösler) und mehr Biss im Abwehrzentrum (Hoffmann). Rechtsaußen Stefan Aigner, der nach einer Reihe lästiger Verletzungen wieder vor Tatendrang strotzt, bringt sogar noch einen Schuss bajuwarisches Selbstbewusstsein mit ein. „Wenn man oben mitspielen will“, sagt der Ur-Giesinger, „muss man einen Gegner wie Ahlen einfach schlagen.“

Und Rösler? Ist die Aufgabe auf der linken Seite nicht ungewohnt für ihn? „Nein“, sagt er, „das ist genau die Chance, auf die ich gewartet habe. Ich hab ja einen starken linken Fuß.“ Außerdem: „Der Trainer will ja nicht, dass wir am Flügel kleben, sondern nach innen ziehen und Platz für die Außenverteidiger schaffen.“ Hoffmann schließlich sagt: „Ich bin fit und bereit, aber eine Kampfansage wird’s von mir nicht geben.“ Stattdessen will er auf dem Platz „viel reden“ und dafür sorgen, „dass wir das Spiel enger machen als zuletzt“.

Motiviert sind sie, die drei Blonden, und es klingt, als wären sie sich bewusst, dass heute ein wichtiges Spiel ansteht – nicht nur für ihre persönlichen Ambitionen, sondern auch für die der Mannschaft. „Wir müssen unbedingt gewinnen“, sagt Rösler, „sonst kann die Länderspielpause sehr lang werden.“ Die Zahl der Sauertopfmienen nähme dann schnell zu.

Von Uli Kellner

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