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Der zwölfte Mann

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Von: Uli Kellner

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Das Highlight seiner jungen Karriere: Eric Weeger (inzwischen 22) inmitten glückseliger Löwen-Fans nach dem erfolgreichen Relegationskrimi.
Das Highlight seiner jungen Karriere: Eric Weeger (inzwischen 22) inmitten glückseliger Löwen-Fans nach dem erfolgreichen Relegationskrimi. © Foto: Imago

Eric Weeger ist für 1860-Coach Bierofka der perfekte Ergänzungsspieler.

München – Über Eric Weegers Auftritt im Testspiel gegen Ulm (1:0) kann einer nur Gutes sagen: Eric Weeger selbst. „Ich hatte gleich am Anfang eine Eins-gegen-eins-Aktion in der Offensive. Defensiv hab ich auch gut abgeräumt. Also ich war zufrieden“, sagt der junge Rechtsverteidiger. Diesmal kann sich Weeger, 22, einigermaßen sicher sein, dass sich sein Einsatz gelohnt hat – und er auch am Montag im Drittligaduell mit Aalen spielen darf. Er, der zwölfte Löwe, wenn man so will. Der Mann, der immer ganz nah dran ist an der Startelf. Der dann aber doch meistens auf der Bank Platz nehmen muss.

Weegers Glück ist, dass sich Herbert Paul erneut selbst aus dem Team genommen hat – wie schon beim 1:3 gegen Jena sah er Gelb-Rot und machte die rechte Seite frei für seinen Konkurrenten. Wäre dieser Paul nicht gesetzt, würde Weeger wohl häufiger spielen, denn es gibt noch jemanden im Verein, der viel Gutes über Weeger sagt: Daniel Bierofka. „Eric hat eine super Einstellung“, schwärmt der Coach: „Er ist ein Junge, dem nicht alles in den Schoß gefallen ist, sondern der sich alles knallhart erarbeitet hat. Er gibt immer Gas, versucht sich in jeder Einheit zu verbessern. Man sieht das ja auch am Kader: Eric war immer dabei. Ich bin mir ganz sicher, dass er seinen Weg machen wird.“

Ein schönes Lob, einerseits. Andererseits ist genau das Weegers Problem. Immer im Kader zu sein ist ja nicht gleichbedeutend mit: immer in der Startelf zu stehen. Hatte Weeger im Aufstiegsjahr den Status eines Stammspielers, der auch in der Relegation gegen Saarbrücken seinen Mann stehen durfte, so muss er sich aktuell mit weniger zufrieden geben: In 22 von 23 Spielen gehörte er dem Aufgebot an, viermal lief er von Beginn an auf, dazu kommen zwei Einwechselungen. Es ist die Statistik eines Spielers, dem nur eine Winzigkeit zu fehlen scheint. Ein bisschen Erfahrung, sagt der Trainer. Ein bisschen Offensivpower, sagt er selbst. Trotzdem ist Weeger mit seiner Rolle als 12. Mann zufrieden. Er sagt: „Wenn man nicht spielt, ist es immer schwer. Aber als ich mit 14 nach München bin, hatte ich das Ziel, Profifußball zu spielen. Das habe ich geschafft – und weiß es zu schätzen. Auch wenn ich jetzt nicht immer spiele.“

Es könnte Weeger auch trösten, dass es anderen aus dem Aufstiegsteam noch schlechter ergeht. Christian Köppel zum Beispiel (eine Einwechslung) oder Markus Ziereis (fünfmal ohne Einsatz im Kader). Seinen Weggefährten, die er teilweise seit Jahren kennt, fühlt sich Weeger tief verbunden – und er streicht ihren Wert für die Mannschaft heraus. „Weber, Köppi, Markus, ich: Was wir als Kern mit 1860 geschafft haben, kann uns keiner mehr nehmen. Dieser Aufstiegsgeist ist nicht aus der Mannschaft rauszukriegen. Speziell Köppi ist auch einer, der in jedem Training alles gibt.“

So versteht auch Weeger seine Rolle: Von hinten anschieben, wie man so schön sagt, das Trainingsniveau steigern – und positiv sein. „Jede Mannschaft ist immer nur so gut wie sein schwächstes Glied“, sagt Weeger etwas altklug: „Auch am Spieltag kannst du von außen ganz viel pushen, kannst gute Laune verbreiten – das gehört alles dazu.“ Weder das eine (Gas geben) noch das andere (positiv sein) scheint dem einsatzfreudigen Jungprofi schwerzufallen. „Wahrscheinlich ist das meine mittelfränkische Mentalität“, gibt er Einblicke in seine Herkunft: „Auf dem Land sind wir alle so.“ Und was seinen Job als Rechtsverteidiger angeht: „Das ist genau die richtige Position für mich: Einen Gegner aufzufressen – das ist das, was mir am besten liegt.“

Loyal, fleißig, bescheiden. Es klingt, als wäre das Talent aus dem 3000-Seelen-Dorf Wolframs-Eschenbach der Traum eines jeden Trainers. So hört es sich auch bei Bieroka an, als er sein Loblieb auf Weeger in einem Satz bündelt: „Den Jungen abzugeben oder auszuleihen, käme für mich nie in Frage.“ Damit ist viel gesagt – wohl auch über die Besetzung der rechten Abwehrseite gegen Aalen.

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