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Es wird gepinselt und gestrichen

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Von: Uli Kellner, Ludwig Krammer

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Photoshop-Affäre und stark gekürzter Etat sorgen für neuen 1860-Verdruss.

München – Eine Woche ohne Skandälchen? Schwer vorstellbar bei 1860. Selbst jetzt, nach der Endorphin-Eruption beim Heimspiel gegen Aalen (2:1 nach 0:1), gibt es einen Vorgang, der das Sportliche in den Schatten stellt. Weil eine Aktion, die der Konfliktvermeidung, dienen sollte, komplett entgleist ist.

Es geht um ein Foto auf der Homepage des Drittligisten (tsv1860.de), das zeigt, wie nach dem Aalen-Sieg Profis und Fans zusammen feiern. Doch nicht nur die kollektive Jubelstimmung wurde eingefangen, sondern auch ein Anhänger mit einem Plakat, das an den größten (einzigen) Hit von Matthias Reim erinnert. Im oberen Bereich steht neben dem 1860-Logo: „Verdammt, ich lieb’ dich!“. Und darunter: „Ich lieb’ dich nicht!“ Neben dem Konterfei von Hasan Ismaik, das zudem durchgestrichen ist.

So weit, so gut und durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Problematisch ist allerdings, dass besagtes Foto nur in der Bildergalerie in unverändertem Zustand zu sehen ist, während es auf der Startseite ohne das investorkritische Detail abgebildet wurde. Die einen schreien prompt: Zensur! Die anderen: Hat der Verein nicht andere Sorgen?

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen, denn dem Vernehmen nach steckt keine Auftragsarbeit der Investorenseite dahinter – sondern ein übereifriger Mitarbeiter, der in vorauseilendem Gehorsam den unliebsamen Schriftzug mit Photoshop wegretuschiert hat.

Andere Sorgen hat der Verein natürlich trotzdem, und keine geringen. Das „kranke Unternehmen“, als das Geschäftsführer Michael Scharold die Profi-KGaA angesichts des strukturellen Defizits unlängst bezeichnete, wird sich einem harten Konsolidierungskurs unterwerfen müssen. Die Sitzung des Aufsichtsrates am vergangenen Sonntag brachte nach Informationen der „tz“ keine Annäherung der Gesellschafter, sondern das Gegenteil.

Die Ismaik-Seite lehnte den Vorschlag des e.V. ab, das Jugendinternat und die U 19 temporär zu übernehmen, neue Darlehen auf Basis von Genussscheinen wird es nicht geben. Sportgeschäftsführer Günther Gorenzel wird für die kommende Saison also mit einem überschaubaren Budget von etwa 3,5 Millionen Euro planen müssen (zwei Millionen weniger als bisher) – mehr als der Klassenerhalt ist da kein realistisches Saisonziel mehr.

„Schmerzhafte Einschnitte im Nachwuchsbereich“ und eine „absolute Fokussierung auf die erste Mannschaft“ hat KGaA-Chef Scharold angekündigt. Nichts damit zu tun hat die Demission von Jugendleiter Dieter Märkle, 56. Der Schwabe wird ab der neuen Saison das Nachwuchsleistungszentrum des Süd-Regionalligisten SSV Ulm leiten. Märkle wohnt in Wiblingen bei Ulm. Wer seine Nachfolge in Giesing antreten wird, ist noch nicht entschieden.

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