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Wenn plötzlich auch Fouls klappen

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Von: Uli Kellner

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Vollversammlung: Nicht nur Jan Mauersberger behielt in umkämpften Situationen einen kühlen Kopf.
Vollversammlung: Nicht nur Jan Mauersberger behielt in umkämpften Situationen einen kühlen Kopf. © Imago

Die Löwen werten den 2:1-Sieg in Cottbus als Beweis für einen Reifeprozess.

Cottbus – Ein eisiger Wind pfiff durch das Stadion der Freundschaft, das seinem freundlichen Namen in der Schlussphase nur zum Teil gerecht wurde. Nur Lauzi, das dauerlächelnde Maskottchen des FC Energie, tänzelte arglos an der Seitenlinie. Hinter ihm tobte der laute, rotweiße Fanpulk – und auch auf dem Platz ging es hitzig zur Sache. Dafür ist Cottbus bekannt. Die vorletzte Chance der wütenden Lausitzer landete zum 1:2 im Löwen-Tor (durch Marco Hillers Beine), die letzte im Fangzaun. Lauzi fasste sich ans Herz, die Gäste atmeten durch – damit war er amtlich, der erste Auswärtssieg seit einem halben Jahr.

Claus-Dieter Wollitz trat umgehend die Flucht in die Katakomben an. Sein Weg war etwas weiter als sonst, denn nach dem Führungstreffer der Löwen war er auf die Tribüne geschickt worden, um seinen Frust inmitten der Cottbuser Fans auszuleben. Vor dem 0:1 durch Stefan Lex (63.) hatte der Cottbuser Coach einen Freistoß eingeklagt, der nicht gegeben wurde. Das 0:2 ärgerte ihn fast genauso, denn vorausgegangen war ein ähnlich gestrickter Konter, den Prince Osei Owusu auf Zuspiel von Nico Karger einschob (87.). Daniel Bierofka und die Seinen hatten es nicht ganz so eilig, das „schönste Stadion der 3. Liga“ (Energie-PR) zu verlassen. So unwirtlich dieser Ort sein kann, wenn die Gastgeber ihre Wucht in Siege ummünzen (was lange nicht mehr vorkam), so sehr genossen es die Löwen jetzt, in diesen Hexenkessel bestanden zu haben – und als Liganeulinge weitergekommen zu sein in ihrer Entwicklung.

„In den ersten 19 Spielen hätten wir’s noch verkackt, sag ich mal“, urteilte Kapitän Felix Weber und freute sich, dass das alte Strickmuster – „Ausgleich durch irgend so’n Ei hinten raus“ – diesmal ausgeblieben war: „Daran sieht man, dass wir reifer geworden sind.“ Lex, der Torschütze, pflichtete bei – mit einer kleinen Einschränkung: „Bis auf die letzten vier Minuten haben wir es gut gemacht. Cottbus hatte über 90 Minuten keine großen Chancen. Dann kriegen wir aus dem Nichts heraus ein Tor und müssen noch mal zittern, was keiner gebraucht hat.“ In der Hinrunde, meinte aber auch Lex, „hätten wir so ein Spiel noch verloren. Da sind wir jetzt einen Schritt weiter – auch weil wir ein Spiel wie Aalen am Montag noch drehen können (2:1 nach 0:1).“

Lex leitet daraus ab, „dass wir uns langsam an die Liga gewöhnt haben“. Er nannte ein Beispiel, um diesen Prozess des Erwachsenwerdens zu dokumentieren: „Wir wissen jetzt, dass ein kleines Foul in der Umschaltbewegung vielleicht mal nicht verkehrt ist.“ Oder ein Foul in einer Angriffsbewegung des Gegners. Nachzufragen bei Wollitz, der ein bisschen fassungslos war, wie eine Szene in der 63. Minute den ganzen Cottbuser Aufwand verpuffen ließ. Aaron Berzel habe Lasse Schlüter vor dem 0:1 „klar mit zwei ausgestreckten Armen“ gefoult, echauffierte sich Wollitz. Doch damit nicht genug: „Wir wollen danach ein taktisches Foul machen, kriegen’s aber leider nicht hin . . .“ Weil Lex geschickt dem ausgestreckten Cottbuser Bein entwischte.

In punkto Cleverness haben die Löwen tatsächlich dazugelernt. Fouls klappten am Samstag genauso gut wie Konter und taktische Umstellungen. Die Viererkette stand mit Jan Mauersberger noch etwas sicherer als gegen Aalen. Und als Simon Lorenz nach einem blutigen Kopfballduell mit Viteritti runter musste (der Cut wurde in der Pause genäht), rückte eben der Aushilfs-Rechtsverteidiger Berzel auf die Sechs – und spielte dort den furchtlosen Wellenbrecher. „War ja klar, dass es in Cottbus hitzig zugeht“, sagte Kapitän Weber und zog ein zufriedenes Fazit: „Bei denen geht’s noch um viel mehr. Das hat man natürlich gemerkt. Also, mir machen solche Spiele Spaß.“

Genauso wie die aktuelle Tabelle. Ist 1860 bei acht Punkten auf Platz 17 aus dem Gröbsten raus? „Naa“, sagte Lex, musste aber ein kleines Lächeln unterdrücken. Pflichtgetreu schob er hinterher: „Wir müssen schon noch Punkte holen, um die Klasse zu halten – das werden wir aber auch, wenn wir so weitermachen.“ Der Rat des erfahrenen Stürmers: „Ruhig bleiben. Freuen, dass wir die beiden Spiele gewonnen haben. Jetzt können wir positiv und ohne Stress nach vorne schauen.“ Auf das Heimspiel gegen Rostock (Sonntag, 13 Uhr), das nach einer perfekten Löwen-Woche deutlich an Schrecken verloren hat.

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