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Wenn’s auf Anhieb passt

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Von: Uli Kellner

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Eingekleidet und schon integriert: Augsburg-Leihgabe Tim Rieder (l.) bei der offiziellen Wiesn-Einkleidung mit Spielgestalter Efkan Bekiroglu.
Eingekleidet und schon integriert: Augsburg-Leihgabe Tim Rieder (l.) bei der offiziellen Wiesn-Einkleidung mit Spielgestalter Efkan Bekiroglu. © Rauchensteiner

Bierofka ist begeistert von Tim Rieder, der sich vorstellen kann, länger bei 1860 zu bleiben.

Es dauerte ein Weilchen, bis Tim Rieder bei der Wiesn-Einkleidung die richtige Lederhose gefunden hatte. Die 52er war zu groß, die 48er spannte am Hintern – erst mit der 50er war der schlanke Verteidiger rundherum zufrieden. „Sitzt gut“, sagte der Neulöwe mit gewisser Vorfreude auf den Praxistest an der Seite seiner neuen Teamgefährten. Obwohl aus Dachau stammend, ist Rieder, 26, in einem Punkt schon jetzt ein echter Münchner. Sein Lieblingsvolksfest? „Ganz klar die echte Wiesn“, sagte er und lächelte. Seine Heimatstadt, die stolz auf ihr traditionsreiches Volksfest ist, möge es ihm verzeihen.

Seit drei Wochen ist Rieder zurück in der Landeshauptstadt, die er seit der U 7 gut kennt. Damals wechselte er in die Jugend des FC Bayern, wo er zehn Jahre lang seine fußballerische Grundausbildung genoss. Seitdem ist er viel rumgekommen: Augsburg, Breslau in Polen, zuletzt ein Jahr Darmstadt. Sesshaft ist er nirgends geworden, doch was für die Wahl der richtigen Lederhose oder das Lieblingsvolksfest gilt, das gilt vielleicht auch für die Vereinssuche: Es dauert ein Weilchen, bis man das Gefühl hat, dass alles passt; dass man angekommen ist. 26 Jahre ist Rieder jetzt alt, und er sehnt sich danach, sein Leben als Wandervogel zu beenden.

Die Tatsache, dass er nur für ein Jahr ausgeliehen ist, müsse daher nichts heißen, betonte er zwischen den Kleiderständern beim Trachten-Angermaier. „Ich bin jetzt ein Jahr hier, will mich zerreißen für die Mannschaft“, sagte er: „Im Sommer ist es dann wieder eine neue Situation, aber wenn alles passt, kann ich mir vorstellen, auch länger zu bleiben. Ist ja schließlich meine Heimat hier.“ Dafür nimmt der fünfmalige Erstligaspieler sogar einen finanziell überschaubaren Leihvertrag in Kauf. „Letztendlich war es ein sportlicher Schritt für mich“, sagt er: „Dass ich mich weiterentwickele, eine andere Rolle einnehme – die eines Führungsspielers.“ Kurzum: „Das Gesamtpaket hat einfach gestimmt.“ Als Daniel Bierofka kurz vor Transferschluss anklopfte, musste Rieder jedenfalls nicht lange nachdenken. Sein Entschluss steht fest, „dass ich jetzt bei 1860 meine Qualität und meine Erfahrung in die Waagschale werfe“.

Der Anfang war diesbezüglich schon mal recht vielversprechend. Rieder stand beim 3:1-Sieg gegen Jena in der Startelf, harmonierte bestens mit Felix Weber, den er noch von vielen Derbys in den U-Mannschaften kennt. Zwar schoss sich Weber am Samstag mit zwei Treffern in den Mittelpunkt und wurde dafür zurecht gelobt. Rieder jedoch hatte ebenfalls großen Anteil am zweiten Löwen-Sieg in Folge. „Er ist ein echter Glücksgriff“, sagte Bierofka über den Abwehrallrounder, den er schon seit zwei Jahren auf dem Radar hatte. „Seine Ruhe am Ball, sein Spieleröffnung, seine Klarheit im Spiel nach vorne“ – all das werde seinem Team noch sehr weiterhelfen in dieser Saison.

Rieder selbst ist gewillt, seine Zeit bei 1860 nicht nur zur Weiterentwicklung zu nutzen, sondern auch sonst alles aufzusaugen, das ihm in der Vergangenheit häufig verwehrt geblieben war. Das Gefühl, gebraucht zu werden – bei 1860 bekommt er es. Und jede Menge Emotionen gratis mit dazu. „Es ist das erste Mal, das ich im ausverkauften Grünwalder gespielt habe“, sagte er am Samstag: „Schon beim Einlaufen hatte ich Gänsehaut.“ Zu toppen wäre die wohl nur gewesen, wenn sein Schuss nach 28 Minuten im Tor statt am linken Außenpfosten gelandet wäre.

Dass sein neuer Club in der 3. Liga bestehen kann – daran hat Rieder nicht den geringsten Zweifel. „Jeder in der Mannschaft kann kicken“, hat er festgestellt: „Wir haben gezeigt, dass wir von hinten heraus Fußball spielen, dass wir variabel sind – wir müssen es nur auf den Platz bringen.“ Er jedenfalls sieht „keine großen Unterschiede“ zum Erstligakader, mit der er beim FCA regelmäßig trainiert hat. Rechtzeitig ihm aber noch eingefallen, dass er jetzt ja Führungsspieler ist – und als solcher fügte er mahnend hinzu: „Wir dürfen uns nicht ausruhen und den Sieg gegen Jena zu hoch pushen. Klar haben wir jetzt einen gewissen Abstand nach unten – aber schon am Samstag in Duisburg erwartet  uns das nächste dicke Brett.“

Die Löwen und Rieder – das scheint zu passen. Wobei es sein kann, dass Bierofka mit seinem Wunschspieler weiter rumtüfteln will, um ihn noch besser zur Geltung zu bringen: „Ich kann mir gut vorstellen, dass ich ihn auch mal als Sechser ausprobiere.“

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