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Vorsicht, bissiger Löwe: Felix Webers emotionaler Jubel nach seinen ersten Doppelpack als 1860-Profi.

3:1-Heimerfolg über Schlusslicht Jena

Tore für den Trainer

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Kapitän Weber führt Bierofkas Löwen nach irritierenden Tagen zum Heimsieg.

Felix Weber hatte seine Löwen mit zwei schönen Kopfballtoren auf die Siegerstraße gebracht. Es sah ganz danach aus, als sollte er deswegen die obligatorische Sonderbehandlung erfahren: Vorzeitiger Feierabend, Abmarsch zum Duschen unter dem Applaus der Fans. Das jedoch erwies sich in zweierlei Hinsicht als Irrtum: Zum einen war das Spiel mitnichten entschieden, als der Kapitän von Bord ging, im Gegenteil. Zum anderen war Webers Auswechslung kein freundlicher Akt des Trainers, sondern eine medizinische Notwendigkeit. „Felix hatte eine Verhärtung in der Wade“, klärte Daniel Bierofka hinterher auf: „Er ist blöd aufgekommen und hat angezeigt, dass er raus will, damit nichts Schlimmeres daraus wird.“

Am Ende blieb allen Löwen Schlimmeres erspart. Weber gab unmittelbar nach dem Schlusspfiff Entwarnung: „Nichts Dramatisches.“ Der Rest des Teams – ohne den Kapitän – mussten noch ein paar bange Minuten durchstehen, ehe der wertvolle 3:1 (2:0)-Heimsieg amtlich war.

Der Tabellenletzte aus Jena, der sich lange wie ein Absteiger präsentierte, war mit dem ersten Angriff nach Webers Auswechslung zum Anschluss (68.) gekommen. Unerklärlicherweise hatten sich die Löwen nach ihrer mitreißendsten Halbzeit der Saison zu passiv verhalten. Die Thüringer schöpften neue Hoffnung. Bis Geburtstagskind Efkan Bekiroglu, 24, aus der Tiefe des Raumes angeflitzt kam, den Ball geschmeidig an den letzten blaugelben Statisten vorbei legte und seinen Konter souverän ins Ziel brachte. Unter dem Strich ein „hochverdienter Sieg“, wie Weber befand, als er nach dem Spiel unversehrt in der Interviewzone aufkreuzte.

Als sportliches Fazit wäre festzuhalten, dass Tim Rieder auf Anhieb für Stabilität in der blauen Defensive sorgte. Prince Owusu dagegen, der zweite Last-Minute-Zugang, blieb als taktisches Opfer 90 Minuten auf der Bank. Auch Bierofkas Maßnahme, auf zwei echte Stürmer zu setzen (Ziereis, Mölders), erwies sich als hilfreich. Doch es gab am Samstag auch noch eine andere wesentliche Erkenntnis – eine, die viel mit den Geschehnissen der zurückliegenden Woche zu tun hat.

Nach seinem besten Spiel im Löwen-Trikot stellte sich Felix Weber hin und sagte, angesprochen auf das kühle Frage-Antwort-Spiel des Präsidiums in Bezug auf den Trainer: „Natürlich irritiert das einen. Das darf man einfach nicht ernst nehmen. Von dem her ist es wurscht, wer’s geschrieben hat.“ Bierofka lobte später zuerst seinen vorbildlichen Kapitän: „Felix und ich arbeiten fast sechs Jahre zusammen. Er war einer meiner ersten Spieler, die ich betreuen durfte. Ich weiß, dass ich mich immer auf ihn verlassen kann.“ Danach wandte er sich an den Rest des Teams, als er auf die Nebengeräusche vor dem wichtigen Spiel zu sprechen kam: „Ich bin stolz auf die Mannschaft, dass sie sich davon nicht hat irritieren lassen.“

Die Erkenntnis des Tages lautet daher: Obwohl der Richtungsstreit der Gesellschafter weite Teile des Vereins lähmt – Mannschaft und Trainer scheinen nicht willens zu sein, sich davon anstecken zu lassen. Mit Blick auf die Zukunft sagte Weber: „Duisburg wird wieder ein knackiges Spiel. Und danach wollen wir natürlich das Wiesn-Heimspiel gegen Lautern gewinnen.“ Sollte das gelingen, könnten die Löwen in Gefilden auftauchen, die ihn lange keiner zugetraut hat.

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