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Die Antwort steht auf Bédas Rücken

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Mathieu Béda erfährt eine nicht erwartete Aufwertung zum Anführer. © sampics

München - Auch der Montag nach dem an sich erlösenden Heimsieg gegen Fürth stand beim TSV 1860 unter dem Eindruck der schweren Knieverletzung von Mittelfeld-Ass Florin Lovin.

Sportchef Miki Stevic war offensichtlich auf Achse (Spielersuche?), sein Handy läutete durch. Und Ewald Lienen war gedanklich in der Gräfelfinger Wolfartklinik, wo der operierte Rumäne bis Freitag liegen muss. „Je nachdem, wie er sich fühlt“, soll(te) ein Krankenbesuch gestern oder heute stattfinden. Lienen: „So kurz nach einer Operation ist das ja eine schwierige Angelegenheit.“

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Schwierig könnte sich auch die Fahndung nach einem geeigneten Nachfolger gestalten. Die Suche in den vorhandenen Beständen beginnt und endet bei Mathieu Béda, dem einzig tauglichen Kandidaten. Doch es gibt durchaus Bedenken, ob man dem Franzosen die Rolle langfristig anvertrauen soll. Erstens: Béda interpretiert den Job vor der Abwehr weniger lauf- und einsatzfreudig als Lovin, weil er ja „gelernter Abwehrspieler“ ist, wie Lienen stets betont. Zweitens: Unter normalen Umständen wäre Béda gar nicht mehr hier. Der Franzose hatte im Sommer die Freiheit bzw. den Auftrag, sich einen neuen Verein zu suchen. Doch wie Antonio di Salvo, so erwies sich auch Béda, 28, als schwer vermittelbar. Zum einen, weil er die Vorzüge seines fürstlichen und bis 2011 vertraglich zugesicherten Gehalts bei 1860 (300 000 Euro) durchaus zu schätzen weiß. Zum anderen, weil er den Nachweis, eine ambitionierte Mannschaft nach vorne bringen zu können, sowohl beim 1. FC Kaiserslautern als auch in seinem ersten Münchner Jahr schuldig geblieben ist.

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Irgendetwas werden sich Lienen und Stevic einfallen lassen müssen, denn streng genommen fehlen bereits drei Fixgrößen, mit denen das Projekt Aufstieg 2010 angegangen werden sollte: Daniel Bierofka , der nach einer erneuten Adduktoren-OP noch an Krücken geht. Lars Bender , der jetzt als Reservist mit Bayer Leverkusen Erstliga-Höhenluft schnuppert. Und eben Lovin, Lienens verlängerter Arm auf dem Platz. „Der Dreh- und Angelpunkt in unserem Spiel“, wie ihn der Coach nannte.

Wird es also noch zu einer Nachverpflichtung kommen? Lienen hielt sich auch gestern bedeckt. „Vom Grundsatz her vertrauen wir den Spielern, die wir haben“, sagt er. Angeboten wurden zwar bereits etliche Kandidaten – über Anrufe von Spielervermittlern („Es geht langsam los“) und Spekulationslisten von Presse und Fanforen. Doch weder zu Ex-Löwe Remo Meyer noch zu Didi Hamann oder zum Schweizer Johann Vogel, die als vertragslose Profis zu haben wären, will sich Lienen äußern. „Ich halte nichts davon, Namen zu kommentieren, wenn ich nicht mal weiß, in welcher körperlichen Verfassung die Spieler sind.“ Was er aber indirekt zugibt: Man macht sich schon Gedanken. „Wir werden allerdings nur etwas tun, wenn wir hundertprozentig davon überzeugt sind, dass uns der jeweilige Spieler weiterbringt. Einfach so einen Schnellschuss zu machen, ergibt keinen Sinn.“

Einziger Gewinner der Misere ist Mathieu Béda. Für einen, der eigentlich schon weg sein sollte, erfährt er gerade eine beachtliche Aufwertung. Es ist Ironie des Schicksals, dass auf seinem Rücken exakt jene Position beschrieben ist, die den Löwen nach dem Wegfall des Paradeduos Lovin/Bender nun fehlt: eine 6.

Uli Kellner

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