1860-Trainer Michael Köllner und Sportchef Günther Gorenzel stehen ratlos auf dem Rasen.
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Ergebniskrise als Beziehungstest: Trainer Michael Köllner, Sportchef Günther Gorenzel.

TSV 1860: Trendwende in Saarbrücken?

Köllner bedauert Waldhof-Absage: „Dann hätten sich viele Fragen pulverisiert“

  • Uli Kellner
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Cool, cooler, Köllner. Platz 15, Druck durch den Sportchef – doch der Löwen-Coach bleibt gelassen und will sich am Sonntag auch auf der Versammlung zeigen.

Am Ende der Pressekonferenz zückt Michael Köllner eine grüngoldene Plastikkarte, die sich bei genauem Hinsehen als Mitgliedsausweis entpuppt (Nr. 100138503). Der 1860-Coach, Anfang November zwei Jahre im Amt, fühlt sich nicht nur seinen Profifußballern verbunden, sondern auch dem Gesamtverein – und natürlich, betont er, werde er am Sonntag seine Rechte wahrnehmen und sich auf der Mitgliederversammlung des TSV 1860 e.V. blicken lassen (ab 10 Uhr, Zenith-Halle). „Ergebnisunabhängig“, stellt Köllner auf Nachfrage klar und zeigt lachend auf seinen Mitgliedsausweis „Hier steht nicht drauf: Hat in Saarbrücken gewonnen – darf kommen. Hat in Saarbrücken leider wieder nur 1:1 gespielt – darf nicht kommen.“

Das Spiel am Samstag beim 1. FC Saarbrücken (14 Uhr) – trotz seiner demonstrativ guten Laune weiß Köllner, dass er es nicht verlieren sollte, wenn er sich und dem Verein eine halbwegs entspannte Versammlung bescheren will. Seit sechs Ligaspielen sind seine Löwen sieglos. Gerne hätte Köllner den Schwung aus dem Totopokal (3:2 in Buchbach) mitgenommen, um die Ergebnis-Durststrecke gegen den SV Waldhof zu beenden, aber wie das so ist, wenn es nicht läuft: Erst fiel das Spiel der Mannheimer Corona-Welle zum Opfer, dann zogen weitere Hinterbänkler in der Tabelle vorbei, weswegen die Löwen von Position 15 ins Saarland reisen. „Für uns war’s schade, dass wir nicht spielen durften“, sagte Köllner: „Wir hätten gerne gegen Mannheim gewonnen. Dann hätten sich viele Fragen pulverisiert.“

Mich beeinflusst das keineswegs. Ich fühle mich in meiner Arbeit nicht eingeschränkt. Wir haben wichtige Spiele vor der Brust. Manchmal wird so ein Thema medial auch größer gemacht, als es ist.

Köllner zum Thema Jobgarantie, die zuletzt von Gorenzel verweigert wurde.

Zum Beispiel die Frage, wie es bei ihm angekommen ist, was sein Vorgesetzter eine Woche zuvor im Bayerischen Landtag geäußert hatte. Zur Erinnerung: Bei einer Fragestunde, organisiert vom weiß-blauen Politiker-Stammtisch, hatte Sportchef Günther Gorenzel offengelassen, wie viel Kredit der lange als Erfolgstrainer gefeierte Köllner noch genießt. Stichwort Jobgarantie. Köllner hatte eine Woche Zeit, sich eine Reaktion zurechtzulegen. Gelassen sagte er gestern, während Gorenzel neben ihm keine Miene verzog: „Mich beeinflusst das keineswegs. Ich fühle mich in meiner Arbeit nicht eingeschränkt. Wir haben wichtige Spiele vor der Brust. Manchmal wird so ein Thema medial auch größer gemacht, als es ist.“

Kein erhöhter Druck also? „Der Druck bei 1860 ist immer hoch“, wiegelte Köllner ab. Lieber sprach er über das, „was wir beeinflussen können“ – den bevorstehenden Auftritt in Saarbrücken. Im Corona-positiven Richard Neudecker fällt ein Spieler sicher aus, Tim Linsbichler und Stefan Lex mussten unter der Woche kürzertreten, weil die Grippewelle „leider nicht vor unserer Kabinentür haltmacht“. Unabhängig davon, wer am Ende aufläuft, kündigt Köllner „aktiven, aggressiven Fußball“ an – ohne sich auf eine taktische Grundordnung „festnageln“ zu wollen.

Köllner als Psycholohe gefragt - wegen der Teufelchen auf den Schultern

Als wichtigste Aufgabe sieht er es an, seiner Mannschaft wieder eine gewisse Leichtigkeit zu vermitteln. „Der Kopf spielt einem immer Streiche“, räsonierte der Trainer. Dafür sorge schon das berühmte „Teufelchen auf der Schulter“. Sein Rat: „Du musst schauen, dass du dem Männchen auf der Schulter Redeverbot erteilst.“ Am besten, weiß er, geht das mit Siegen. Damit die Teufelchen auch auf der Mitgliederversammlung schweigen.

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