Aaron Berzel niedergeschlagen: Der Löwen-Profi muss gehen.
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„Es tut unglaublich weh!“ Aaron Berzel. 

„Will es gar nicht wahrhaben“

1860 München: Bitterer Abgang von Aaron Berzel - Neustart wohl bei Türkgücü

  • Uli Kellner
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Aaron Berzel muss die Löwen verlassen. Er will das nicht, 1860 will das nicht, aber es fehlt das Geld. Jetzt kommt der Neustart wohl bei Türkgücü.

München – Es sind bewegte Tage im Leben von Aaron Berzel, bewegte und bewegende. Wie die meisten 1860-Profis nutzte der Verteidiger die ersten Tage nach dem Saisonfinale für einen Kurztrip. Heute geht es dann in den richtigen Urlaub nach Kreta. Doch zu Berzels Leidwesen muss er vorher noch seinen Abschied von den Löwen verkünden. Nach Informationen unserer Zeitung wechselt der populäre 1860-Profi zu Drittliga-Aufsteiger Türkgücü. Auch der Blog dieblaue24hatte das gestern Abend angedeutet.

Seit einem finalen Gespräch am Freitag steht fest: 1860 hat kein Geld, um dem Liebling der Westkurve ein neues Angebot zu machen. „Es tut unglaublich weh“, gibt Berzel, 28, zu: „Sechzig ist für mich definitiv mehr gewesen als ein Job. Ich kann es immer noch nicht fassen und will es auch gar nicht wahrhaben.“ War 1860 für den leidenschaftlichen Profi eine Herzensangelegenheit, so folgt er nun eher seinem Bauch. „Es ist eine vernünftige Entscheidung für meine Familie“, sagt er, ohne den Namen des neuen Vereins zu bestätigen: „Meine Frau hat einen guten Job in München. Außerdem erwarten wir ja ein Baby. So hat meine wachsende Familie Sicherheit für die nächsten Jahre.“

Was den Kultverteidiger besonders schmerzt, sind die Umstände seines Abschieds: Über seinen Berater hatte er den Löwen mitteilen lassen, dass die Zeit bei ihm dränge. Ende voriger Woche habe er noch einmal nachgehakt, ob sich an der finanziellen Situation des Vereins etwas geändert habe. Die Antwort erhielt er per Sprachnachricht. Man nehme seine Entscheidung, sich anderweitig zu orientieren, „zur Kenntnis“, habe es geheißen. Dass kein Geld da ist, akzeptiert Berzel. Dass man nicht um ihn gekämpft habe, frustriert ihn.

Mit einer starken Saison (28 Einsätze, zwei Tore) im Rücken hatte es sich Berzel zuletzt erlaubt, andere Optionen als 1860 zu prüfen – und den Verein frühzeitig darüber in Kenntnis gesetzt. „Leider läuft mir jetzt die Zeit davon“, sagte er noch vorige Woche: „Andere Vereine warten auch nicht ewig.“ Sein Gefühl sagt, dass es seitens des TSV weder vor noch nach der Corona-Pause ernsthafte Bemühungen gegeben habe, ihn an der Grünwalder Straße zu halten. Am Ende, so Berzel, habe „der kleine Strohhalm gefehlt, der wohl wieder gereicht hätte, um mich zum Warten zu animieren“. Wie vor einem Jahr, als er so lange ausgeharrt hatte, bis Daniel Bierofka genug Geld erbettelt hatte, um den Allrounder doch zu halten.

1860-Sportchef Günther Gorenzel wollte auf Anfrage unserer Zeitung nicht im Detail auf Berzels Vorwürfe eingehen. Die Darstellung des Spielers entspreche „keinesfalls der Faktenlage!!!“, schrieb der Österreicher per WhatsApp. Fakt ist: Das Gesicht des auf Platz 8 gelandeten Teams wird sich grundlegend verändern, denn weiterhin ist ja auch höchst ungewiss, ob die Löwen Sascha Mölders zum Bleiben bewegen können (oder wollen).

Im Urlaub auf Kreta will sich Berzel nun sammeln. Nicht nur er, sondern auch seine schwangere Ehefrau Carina, die wie er selbst „ein richtiger Sechzig-Fan“ geworden sei. Der Abschied von seinen Löwen geht Berzel spürbar unter die Haut. „1860 wird immer tief in meinem Herzen verankert bleiben, weil ich diese wunderbaren drei Jahre nie vergessen werde“, sagt er voller Wehmut: „Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich für solch einen Verein spielen durfte – und für Fans, die immer hinter mir gestanden sind. Ich hätte mich gerne anders verabschiedet als mit einem Geisterspiel.“ Wiedersehen wird man sich ja – nur eben als Drittligarivalen. ULI KELLNER

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