Abheben und aufsteigen: Marius Wilsch gibt zu, nicht „mit aller Macht Vierter“ werden zu wollen. 
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Abheben und aufsteigen: Marius Wilsch gibt zu, ni cht „mit aller Macht Vierter“ werden zu wollen.  Jeder will, dass der Bart noch mindestens vier Wochen weiterwächst. Marius Willsch über das an die Erfolgsserie geknüpfteGestrüpp im Gesicht von1860-Trainer Michael Köllner.

Dauerbrenner im Interview über den möglichen Aufstieg

1860: Marius Willsch - „Wollen nicht mit aller Macht Vierter werden“

  • Ludwig Krammer
    vonLudwig Krammer
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Marius Willsch und der TSV 1860 München mischen in der 3. Liga weiter im Aufstiegskampf mit. Im Interview spricht der Dauerbrenner über die restliche Saison.

München– Nimmermüder Dauerrenner, passionierter Schafkopfer, Mitglied der blauen Dialekt-Fraktion – Marius Willsch, gebürtiger Passauer, ist eine der Identifikationsfiguren beim TSV 1860. „Ich fühl mich einfach sauwohl hier bei Sechzig“, sagt der 30-jährige Rechtsverteidiger vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern, in dem sich für den Rechtsverteidiger ein Kreis schließen könnte. Unser Interview mit dem zum Verteidiger umgeschulten Außenstürmer.

Marius Willsch, erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Scorerpunkt?

Gute Frage, das müsste gegen Kaiserslautern gewesen sein . . . Die Vorlage für’n Sascha zum 3:0?

Bingo.

Ja, da wird’s Zeit, dass mal wieder was passiert (lacht). Wär ned verkehrt, wenn ich das am Dienstag wiederholen könnte.

Ihr Ex-Kollege Tim Rieder hat im Interview vergangene Woche angemahnt, die Lauterer Mannschaft von heute sei mit der vom Dezember 2020 nicht mehr zu vergleichen.

Ich hab’s gelesen. Und wenn ich auf die Ergebnisse schau – sechs Spiele ungeschlagen, drei Siege – dann ist schon klar, was da auf uns zukommt. Die Lauterer haben Wut im Bauch vom Hinspiel, gleichzeitig steht ihnen das Wasser immer noch bis zum Hals. Wir sind auf alles vorbereitet.

Marius Willsch: „Vom Reden ist noch keiner aufgestiegen“

Dresden ist mit sechs Punkten aus den beiden Nachholspielen gegen Duisburg und Uerdingen wieder an 1860 vorbeigezogen. Inwiefern verändert das die Lage im Kopf?

Gar nicht. Ich hab kurz mal reingeschaut beim 1:0 gegen Duisburg und dann gleich wieder ausgemacht, weil ich mir gedacht hab: Warum schau ich mir das jetzt eigentlich an? Wir spielen gegen beide Vereine nicht mehr, von daher ist es völlig wurscht, was da passiert.

Das wird Ihr Trainer gerne lesen.

Er lebt es uns jeden Tag vor mit seiner Vorbereitung auf den nächsten Gegner. Ein Spiel nach dem anderen, so geht’s – alles andere stört nur die Konzentration.

Trotzdem wirkt es unfreiwillig komisch, wenn sich ein Richy Neudecker nach dem Sieg in Mannheim hinstellt und erzählt, der Aufstieg sei „im Moment nicht interessant“.

Nix für ungut, aber diese Fragerei ist doch wirklich banal. Wir haben jetzt noch vier Spiele zu spielen (Lautern, Wehen, Bayern II, Ingolstadt/d. Red.) , wir sind oben mit dabei – ja natürlich wollen wir jetzt nicht mit aller Macht Vierter werden! Wenn ich dann les, wir hätten einen Maulkorb bekommen – was für ein Schmarrn . . . Jeder weiß doch: Vom Reden ist noch keiner aufgestiegen.

„Ruhe – das kann man bei 1860 gar nicht wichtig genug einschätzen“

Ein Blick zurück. Anders als in der Vorsaison herrscht Ruhe in Sachen Finanzplanung. Ist das der entscheidende Unterschied?

Entscheidend, das wird sich zeigen. Es ist jedenfalls ein ganz wichtiger Faktor für unsere Leistung. Jeder Spieler weiß, wie er vertraglich dran ist, es gibt auch keine öffentlichen Diskussionen ums Budget. Die Ruhe im Umfeld, die interne Sicherheit – das kann man bei 1860 gar nicht wichtig genug einschätzen.

Viel war zuletzt auch vom psychologischen Vorteil die Rede, der angeblich beim Jäger liege. Wie sehen Sie’s?

Das ist kein Thema in der Kabine. Wir wissen, dass wir im Februar eine schlechte Phase hatten, wo uns die meisten Beobachter abgeschrieben haben. Vielleicht haben das andere Vereine ja noch vor sich. Unsere Energie kommt aus der Serie. Wir haben nicht aufgesteckt, im Gegenteil. Und jetzt haben wir dieses Selbstvertrauen und Selbstverständnis, dass du brauchst, wenn’s drauf ankommt.

Welche Rolle hat Trainer Michael Köllner gespielt?

Er hat uns bei der Besprechung vor dem 4:0 in Halle gefragt, was wir mit der Saison noch anfangen wollen, ob wir’s jetzt austrudeln lassen. Das hat beim einen oder anderen sicher noch mal für eine Trotzreaktion gesorgt.

Bart ab bei Köllner? „Sascha wird in diesem speziellen Fall ganz vorn mit dabei sein“

Köllners Reaktion bestand darin, dass er sich seit dem 0:1 in Duisburg nicht mehr rasiert hat. Ein Thema in der Mannschaft?

Freilich, wir sehen ihn ja jeden Tag(lacht). Und jeder will, dass der Bart noch mindestens vier Wochen weiterwächst.

Wer wird die Ehre haben, im Fall der Fälle den Langhaarschneider anzuschmeißen?

Das steht – natürlich – noch nicht fest, aber ich geh jetzt mal schwer davon aus, dass der Sascha in diesem speziellen Fall ganz vorn mit dabei sein wird.

Was würde Ihnen ein Aufstieg persönlich bedeuten?

Es wäre – nicht nur für mich – der größte sportliche Erfolg der Karriere. Die Zweite Liga wird nächste Saison ja nicht komplett unattraktiv besetzt sein, so wie’s momentan ausschaut. Aber jetzt reden wir schon wieder von ungelegten Eiern. Wichtig ist der Dienstagabend, 19 Uhr, Kaiserslautern. Darum geht’s jetzt – und sonst um gar nix.

(Interview: Ludwig Krammer)

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