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Es geht auch um die Zukunft von Pereira

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Von: Armin Gibis

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17.05.2017, Fussball 2.Liga: 1860 München Trainingslager Bad Wörishofen
17.05.2017, Fussball 2.Liga: 1860 München Trainingslager Bad Wörishofen © MIS

Zuallererst einmal geht es beim Löwen-Spiel am Sonntag in Heidenheim um den Klassenerhalt. Aber auch um die Zukunft von Trainer Vitor Pereira.

Bad Wörishofen – Ach ja, die „criticos“. Die Kritiker. Vitor Pereira hat charmant geschmunzelt, als er dieses Wort aussprach. „Als Fußballtrainer muss man mit den criticos leben können“, sagte der Portugiese: „Ich akzeptiere ihre Kritik – ich muss sie aber nicht annehmen.“ Pereira blieb betont gelassen, als er am Freitag bei der Pressekonferenz in einem Bad Wörishofener Nobelhotel danach gefragt wurde, was er denn von dem Vorwurf halte, er, der Meistermacher, sei nicht der richtige Trainer für den Zweitliga-Abstiegskampf.

Allerdings gab es zuletzt Wortmeldungen, die doch etwas schwerer wogen als jene der üblichen „criticos“. Hasan Ismaik, der allmächtige Investor, ließ vor dem Schicksalsspiel in Heidenheim (Sonntag, 15.30 Uhr, bei uns im Live-Ticker) wissen, er erwarte nun „auch vom Trainerteam eine Trotzreaktion“. Eine Münchner Tageszeitung titelte daraufhin: „Ismaik zählt Trainer Pereira an.“ Und 1860-Präsident Peter Cassalette erklärte nach dem schwer frustrierenden 1:2 gegen Bochum: „Vor allem die Einstellung ist wichtig. Und da ist eben der Trainer gefordert.“ Man kann diese Anmerkung durchaus als Seitenhieb werten.

So lassen Pereira und Bierofka die Löwen im Trainingslager schwitzen

Und es genügt bereits ein Blick auf die Zweitliga-Tabelle, um an Pereira zu zweifeln. Drittletzter sind die mit teurem Personal bestückten Sechziger, vor dem letzten Spieltag ist alles möglich: direkter Abstieg, Relegation – auch die Rettung. Es gehört zu den Automatismen der Fußball-Branche, in solch einer Situation einen besonders kritischen Blick auf den Trainer zu richten. Anders ausgedrückt: In Heidenheim steht auch die Zukunft von Vitor Pereira auf dem Spiel.

Damit war vor einigen Monaten nicht zu rechnen. Als Pereira, der den FC Porto und Olympiakos Piräus zur nationalen Meisterschaft führte, im Januar den Trainerposten bei den Blauen übernahm, wurde ihm ein stürmischer Empfang bereitet. „To the top“, an die Spitze wolle er die Sechziger führen, hatte er bei seinem Amtsantritt verkündet. Und die Fans glaubten es ihm aufs Wort. Auch weil es Pereira alsbald gelang, den Eindruck zu vermitteln, nach dem legendären Werner Lorant (1992 bis 2001 bei 1860) sei da endlich wieder ein Coach am Werke, der mit harter, konsequenter Hand den Löwen auf die Sprünge helfe. Die kantige, uneitle, südländisch temperierte Art des Portugiesen kam an. Und drei Siege in den ersten vier Zweitliga-Spielen schien die Hoffnung zu bestätigen, man habe es hier mit einem wahren Heilsbringer zu tun.

Doch inzwischen ist die Euphorie verflogen. Und auch die gute Laune von Pereira. Beim 0:1 gegen Braunschweig beschimpfte er den Gästetrainer Torsten Lieberknecht und handelte sich für seinen Zornausbruch eine Verwarnung seitens des DFB ein. Der Abstiegskampf, mit dem bei den Sechzigern vor der Saison niemand rechnete, hat ganz offensichtlich auch beim – normalerweise – so coolen Pereira Spuren hinterlassen.

Die Nervosität im Lager der Blauen hat handfeste Gründe. Schließlich ist eine fast schon paradoxe Situation eingekehrt: Die Planungen der Löwen zielen schon seit geraumer Zeit auf die Erste Liga. Weswegen mit Ian Ayre (zuvor Vorstand des FC Liverpool) ein hochqualifizierter Manager geholt wurde, Ismaik soll für die kommende Saison bereits einen Aufstiegsetat (angeblich 50 Millionen Euro) fest zugesichert haben, auch der renommierte Pereira zählt zu den Fixpunkten des Projekts Wiederaufstieg. Doch die aktuelle sportliche Entwicklung weist in die entgegengesetzte Richtung: Es droht der Absturz in die Drittklassigkeit. Präsident Cassalette erklärte bereits: „Das wäre der Ober-Gau.“ Kein Wunder also, dass sich Ismaik auch vom Trainer eine Trotzreaktion wünscht.

Pereira, das ließ er auch am Freitag erkennen, ist offenbar bereit, im Zweifelsfall den Kopf hinzuhalten. Auf die indirekte Ismaik-Rüge angesprochen, meinte er: „Ich bin natürlich verantwortlich für diese Situation und für alles, was hier passiert. Meine Verantwortung ist es, als wahrer Leader aufzutreten. Ich bin dafür verantwortlich, dass wir unser Leben für diesen Verein geben.“

Seit Dienstag nun weilt Pereira mit seinen Profis im beschaulichen Kurort Bad Wörishofen, um sie für das Saisonfinale zu trimmen. „Wir arbeiten an allen Fronten“, sagte der 48-Jährige: „Mir ist wichtig, dass die Spieler bereit sind für den Kampf.“ Wie er die Chancen zur Rettung sehe? „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir es schaffen werden. Wir glauben an unsere Arbeit und werden das mit Kampf und Leidenschaft hinbekommen.“ Andernfalls dürften nicht nur die „criticos“ kein gutes Haar mehr an ihm lassen.

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