Innenverteidiger hat große Zukunft vor sich

Uduokhai: Musterprofi mit Karriereplan

  • Uli Kellner
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Troia - Felix Uduokhai ist der nächste einer langen Reihe vielversprechender Spieler, die die Löwen-Jugendabteilung hervorgebracht hat. Der Verteidiger hat einen Plan.

Doch, sagt Felix Uduokhai, es ist auszuhalten auf der Halbinsel Tróia, wo die Löwen seit fünf Tagen ihr Wintertrainingslager abhalten. „Ich find’s herrlich“, sagt der junge Innenverteidiger und schwärmt von der Landschaft an der Atlantikküste Portugals, „die mal was ganz anderes ist“. Auch die Tatsache, dass das 16-Tage-Camp (Wir begleiten das Trainingslager der Löwen im Ticker) gerade erst angefangen hat, schreckt den 19-Jährigen nicht: Er hat ein Buch dabei (Forrest Gump), ein Notebook dazu: „Manchmal schreibe ich ein paar Sätze raus, die ich schön finde.“ Für einen aus der Generation Smartphone wirkt Uduokhai ungewöhnlich ruhig, reflektiert, in sich gekehrt. Michael Koppold, sein Berater, bestätigt das: „Er ist sehr bodenständig, lernwillig, hört gut zu. Aus meiner Sicht hat er einen absoluten Topcharakter.“

Musterprofi nennt man solche Spieler gemeinhin. Dazu kommt, dass Uduokhai auch sportlich vieles von dem mitbringt, was ein Talent seines Alters so wertvoll macht. Ex-Trainer Kosta Runjaic verglich den 1,88-Meter-Hünen mit Willi Orban, dem aufstrebenden Abwehrjuwel von Aufsteiger Leipzig. Uduokhai selber nennt als Vorbild Zé Roberto: „Mir hat schon als kleiner Junge gefallen, mit welcher Freude er gespielt hat“ Auch von Boateng, Ramos, Hummels schaut er sich gerne was ab. In acht Zweitligaspielen hat der U 20-Nationalspieler bewiesen, dass er über ein herausragendes Stellungsspiel verfügt, kopfballstark ist, Übersicht hat. Als früherer Linksaußen (bis zur C-Jugend) kann er auch offensiv mit dem Ball was anfangen. Ein Tor ist ihm bereits gelungen. Koppold glaubt zu wissen: „Er hat alle Anlagen, um mal ein ganz Großer zu werden.“

Ist Uduokhai das nächste Juwel, was die Löwen verlässt?

Sportlich ist Uduokhai für 1860-Verhältnisse schon jetzt so groß, dass viele fürchten, er könnte das nächste Eigengewächs sein, das dem Verein vorzeitig verloren geht. Als Oliver Kreuzer noch Sportchef war, hat Uduokhai einen Vertrag bis 2019 unterschrieben, einen ohne Ausstiegsklausel, wie Koppold betont. „So was gibt’s bei mir nicht“, sagt der Berater, dem es ein Anliegen ist, Uduokhais Vorbereitung nicht durch aufkommende Wechselgerüchte zu belasten. Die Marschroute, auf die sich beide geeinigt haben, lautet: „Es wäre schön, wenn er seinen Stammplatz auch unter dem neuen Trainer behalten könnte.“ Ein erstes Gespräch mit Vitor Pereira empfand Uduokhai als durchaus positiv.

Dem hoch veranlagten Talent ist natürlich nicht verborgen geblieben, dass sein Name in der Branche heiß gehandelt wird: „Das geht nicht spurlos an einem vorüber.“ Uduokhai sieht es „als Bestätigung“ an, in seinen sechs Jahren bei 1860 nicht allzu viel falsch gemacht zu haben. Damals, als er mit seinen Eltern aus Sachsen nach München zog, luden ihn alle drei Profiklubs zum Casting ein. 1860 hat er gegenüber den Bayern den Vorzug gegeben, „weil es hier etwas familiärer zugeht“. Daraus übertriebene Loyalität abzuleiten, wäre aus Sicht der Löwen-Bosse trotzdem naiv. Uduokhai sagt: „Man kann im Fußball nicht sagen: Ich bleibe bis 2022. Das ist auch nicht glaubwürdig. Ich konzentriere mich jetzt völlig auf die Rückrunde. Was danach kommt, wird man sehen. Natürlich spielt man Fußball, um aufs höchste Niveau zu kommen.“

Uduokhais Berater: Löwen bleiben Option

Koppold hört es nicht gerne, dass sein Schützling auch im Beisein des Boulevards die Tür zu Spekulationen geöffnet hat. Er sagt: „Dieses Wort würde ich dem Felix gerne entziehen.“ Andererseits weiß auch der 60-Jährige, den Uduokhai als „Freund und Opa-Figur“ ansieht: Im Fußball ist es schwer, weit voraus zu planen, zumal bei einem Verein wie 1860. „Felix fühlt sich wohl im Verein – trotz alledem“, sagt Koppold, was wohl bedeutet: Trotz der ganzen Turbulenzen. Die Gerüchte, dass einige Topklubs seinen jungen Klienten auf dem Zettel stehen haben, quittiert er mit einem Lächeln – und mit dem vielsagenden Satz: „Andere Klubs schlafen natürlich nicht.“ Im Moment sei aber „alles im grünen Bereich. Wenn einer was will, wird er sich schon melden.“ Ganz bestimmt.

Mit Band und Völkerball: Die Löwen schwitzen beim Training

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