1. Startseite
  2. Sport
  3. TSV 1860

Verbots-Streit bei 1860: Ordner beschlagnahmen Fan-Artikel im Grünwalder - Präsidium reagiert

Erstellt:

Von: Moritz Bletzinger

Kommentare

Dunkle Wolken über Giesing: Die Diskussion um eine Flagge und freie Meinungsäußerung führt beim TSV 1860 München zu großem Streit - auch zwischen den Fans.
Dunkle Wolken über Giesing: Die Diskussion um eine Flagge und freie Meinungsäußerung führt beim TSV 1860 München zu großem Streit - auch zwischen den Fans. © Imago/Sven Leifer

Keine Banner mehr gegen Ismaik und Power. Was sich Geschäftsführung und Investor wünschen, wurde bei 1860 München wohl knallhart durchgedrückt. Das Präsidium reagiert erbost.

München - Die Welt in Giesing könnte so rosarot sein. Alle neun Punkte holte die Mannschaft von Michael Köllner in den ersten drei Drittligaspielen, egalisierte am Dienstag einen 15 Jahre alten Vereinsrekord. Trotzdem droht die Stimmung beim TSV 1860 München zu kippen.

TSV 1860: Anti-Ismaik-Artikel wohl im Grünwalder Stadion beschlagnahmt - Fans zeigen sich enttäuscht

Ein offener Brief hat einen alten Streit auf ein neues Level gebracht: Die Geschäftsführung des TSV 1860 mahnte seine Fans öffentlich, vom Schwenken der bekannten Anti-Ismaik-Flagge künftig abzusehen. „Ein Team - ein Weg“, nach diesem Motto sollten sich auch die Anhänger richten, formulierte es die KGaA. Hasan Ismaik fühle sich von der Flagge beleidigt und diskriminiert.

Schon der Brief allein wurde von großen Teilen der Fans als Drohung aufgefasst, so kurz vor dem Spiel gegen Meppen. Bei der Partie sei es im Grünwalder Stadion dann zur Eskalation genommen, berichten Anhänger. Ordner sollen beim Einlass Taschen und Fanzines mit dem durchgestrichenen Konterfei von Hasan Ismaik einkassiert haben. Für viele Fans ein Affront. Die Debatte um Meinungsfreiheit kocht jetzt erst so richtig.

„Ich bin so traurig, dass mein Verein, vertreten durch die KGaA, so handelt und so vorzuspiegeln versucht, dass es keine Kritik an Hasan Ismaik und seinem allmächtigen Statthalter Anthony Power gäbe“, schreibt Thomas Enn für das 1860-Fanzine „sechzger.de“. Das Portal ist für seine kritische Haltung gegenüber Hasan Ismaik bekannt, nicht alle Fans teilen diese radikale Linie.

„Verbote sind der falsche Weg“: Präsidium des TSV 1860 München reagiert auf Fahnenstreit

Jetzt meldet sich das Vereinspräsidium des TSV 1860 München ebenfalls in einem offenen Brief zu Wort. Und bestätigt, dass es Berichte über derlei Einlasskontrollen gab.

Die Vereinsführung um Präsident Robert Reisinger ist damit überhaupt nicht einverstanden. „Wir halten ein solches Vorgehen für in keiner Weise hilfreich, um den bestehenden Konflikt zu entschärfen“, moniert das Präsidium, „als Gesellschaftervertreter wünschen wir uns, dass diese Fahne nicht mehr weht. Dafür bedarf es Überzeugungskraft. Verbote sind der falsche Weg.“

1860-Präsidium kritisiert Fahnen-Verbot: „Spirale von Aktion und Reaktion führt zu nichts“

Bei den Löwen tun sich Gräben auf, die nicht zu übersehen sind. Ein besseres Binnenklima wünschen sich dennoch sicherlich alle im Verein. Wie das erreicht werden kann, da driften die Meinungen wieder auseinander. „Die Vorstellung, eine mitunter unschöne Auseinandersetzung könnte durch ein paar Verbote für die Fankurve gelöst werden, ist so verführerisch wie falsch. Nach unserer Überzeugung führt die dadurch entstehende Spirale von Aktion und Reaktion zu nichts“, heißt es im von Reisinger und seinen beiden Vizes, Heinz Schmidt und Hans Sitzberger, unterzeichneten Schreiben.

Die Fahne mit dem durgestrichenen Porträt von Hasan Ismaik würden Verein und Gesellschafter lieber nicht mehr im Grünwalder Stadion sehen. Ob das durchgesetzt oder erreicht werden soll, da scheint die große Diskrepanz zu herrschen. „Unser persönlicher Wunsch ist es, dass alle in und um unseren Verein eine Debattenkultur pflegen, die auch im sachlichen Streit den anderen wertschätzt. Ob dazu die durchstrichene Silhouette eines Menschen gehört, erhitzt die Gemüter. Für den Betroffenen ist die Darstellung sicher ein Affront. Justiziabel ist sie nicht“, schreibt es das Präsidium in bestem Advokatendeutsch. (moe)

Auch interessant

Kommentare