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Michael Scharold.

„Batterien nicht mehr so aufgeladen“

Löwen-Finanzboss Scharold schmeißt kurz vor Schluss hin: „Bergsteiger kennen das“

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Michael Scharold wird den TSV 1860 München verlassen. Jetzt ließ er seine Löwen-Zeit Revue passieren.

  • Michael Scharold hört zum Saisonende als Geschäftsführer des TSV 1860 München auf.
  • Jetzt hat er dargelegt, wie er sein Wirken die letzten zwei Jahre bewertet.
  • Der scheidende Finanzboss empfiehlt den Löwen eine bestimmte Maßnahme sehr dringend.

München - Michael Scharold hatte es fast geschafft, doch dann kam sie noch, die Frage nach Hasan Ismaik, der den im Sommer scheidenden Finanzchef von Anfang an kritisch gesehen hatte. Scharold sei „zu weich“, hatte der Mehrheitsgesellschafter im Januar 2018 gelästert, er sei vom Naturell her eher „ein Buchhalter“ als ein Geschäftsführer, der eine KGaA wie die des TSV 1860 voranbringen kann.

Nun also, zwei Jahre später, sollte Scharold (39) selber sagen, ob er der Ansicht ist, Ismaik von sich überzeugt zu haben. Sein Blick wanderte nach rechts, wo Vereinsvize Hans Sitzberger saß, dann nach links, wo Anthony Power als Vertreter der Ismaik-Seite Platz genommen hatte – und Scharold beschied dem Fragesteller: „Wir arbeiten zusammen. Das ist, was ich sagen kann. Was die Gesellschafter für ein Urteil über mich bilden, da müsste man sie selber fragen. Ich hoffe natürlich, dass es nicht zu schlecht ist.“

Scharold zu TSV 1860 München: „Müssen konsequent weitergehen“

Wie Scharold selber sein Wirken bewertet, hatte er in den 30 Minuten zuvor dargelegt und dabei nicht mit freundlichen Worten gespart – auch nicht für das, was sich aus seinem Mund wie eine Erfolgsgeschichte anhört. Eine Million Euro habe der sportliche Gesamtetat im Jahr nach dem Doppelabstieg betragen. Dieser sei sukzessive auf 4,5 Millionen angehoben worden, aber immer noch 1,5 Millionen Euro vom Idealziel für die kommenden zwei, drei Jahre entfernt. Scharold sagt: „Es ist eine gute Entwicklung, aber man muss auch ganz klar sagen: Wir sind noch nicht da, wo wir stehen wollen. Wenn wir sagen: Wir wollen den Gesundungskurs bis zum Ende fahren, dann müssen wir den eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.“

Zum Beispiel mittels einer Kapitalmaßnahme, die der scheidende Finanzboss dringend empfiehlt. „Ich glaube, es ist ein guter Zeitpunkt, um bei unserem Verein zu investieren“, wirbt Scharold, der weiterhin die Wir-Form wählt, wenn er über 1860 spricht. Die Idee, beispielsweise einen dritten Gesellschafter ins Boot zu holen, sei auch deswegen nötig, um nicht auch in Zukunft von Sondereffekten wie spontanen Ismaik-Zuwendungen oder einmaligen Ablösebeteiligungen abhängig zu sein.

Löwen-Finanzboss Scharold: „Bergsteiger kennen das“

Um den Ist-Zustand der Löwen zu beschreiben, wählt der Chiemgauer ein Beispiel aus dem Alpinismus. „Wir sind jetzt bei 75 Prozent“, sagt er, „aber Bergsteiger kennen das: Die letzten 25 Prozent des Weges sind die anstrengendsten.“

Scharold wird sie nicht mehr gehen, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag wollte er nicht verlängern. „Man braucht für diesen Job 120, 160 Prozent“, erläutert er: „Im Herbst habe in mich reingehört und gemerkt, dass die Batterien nicht mehr so aufgeladen sind, wie sie sein sollten. Da wird auch keine Sommerpause helfen, um sich diese Energie zurückzuholen.“ Und noch ein weiteres Bild skizzierte Scharold. Er sieht 1860 „als Rennsportauto – und da muss eben häufiger der Motor gewartet und eine Schraube gewechselt werden“. Er selber sieht sich als kleines Schräubchen und hofft darauf, dass die „unfertige Aufgabe ein anderer vollendet. Scharold ist sich sicher: „Wir haben eine super Basis geschaffen für denjenigen, der nachkommt.“ 

Uli Kellner

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