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Ian Ayre: „Für den Fan von 1860 ist das Allerwichtigste, dass...“

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Von: Richard Strobl

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Ian Ayre will den TSV wieder „da hinbringen, wo er mal war.“
Ian Ayre will den TSV wieder „da hinbringen, wo er mal war.“ © sampics / Stefan Matzke

München - Nach knapp einem Monat als Geschäftsführer des TSV kommt Ian Ayre langsam in München an. Im Interview verrät er, wie er dem Verein weiterhelfen will.

Am 3. April wurde Ian Ayre im Grünwalder Stadion offiziell als neuer Geschäftsführer des TSV 1860 München vorgestellt. Zuvor war er über Jahre der Macher beim FC Liverpool. Sein Engagement für die Löwen weckte in Giesing natürlich große Hoffnungen. Nach knapp einem Monat im Amt spricht Ayre im Kicker-Interview über seine Ziele und was er verändern will.

Nach teils sehr holprigen Jahren sind die leidgeplagten Löwen-Fans voller Hoffnung, dass Ayre den Verein wieder nach vorne führt. Erfahrung mit Krisenmanagement hat der Engländer allemal, schließlich schlitterte der FC Liverpool etwa 2011 nur knapp am Bankrott vorbei. Nun also zweite Liga statt Premier League. Gegenüber dem Kicker sagte Ayre, dass es mehrere Gründe für sein neues Engagement beim TSV gebe. Neben dem Einsatzwillen von Investor Hasan Ismaik sei es demnach auch die leidenschaftliche Fankultur in Giesing, die Ayre überzeugte: „Erfolg braucht verschiedene Zutaten: Leidenschaft, eine Basis an Geschichte und Fankultur und eine Spezialzutat, die nicht jeder Verein hat. Jeder, mit dem ich über 1860 gesprochen habe, hat mir gesagt: Wenn man den Verein in die richtigen Bahnen lenkt, wird das unglaublich. Das hat mein Feuer geweckt. Deswegen bin ich hier, obwohl ich viele andere Optionen hatte.“

„Der Kern wird immer bayerisch sein“

Und auch, dass der geborene Liverpooler in der Mitte der laufenden Rückrunde beim TSV eingestiegen ist, hatte seinen Grund. So habe er, nach eigener Aussage, die Chance, die Abläufe im Verein in Aktion zu sehen und den Klub so besser kennen zu lernen. Nach Ayres Meinung habe es „keinen Sinn, hier aufzutauchen und Veränderungen zu beschließen, ohne zu wissen, was vor sich geht“. „Ich beobachte, versuche zu verstehen und lerne. Ende der Saison werde ich dann einen Plan entwickeln, um den Verein zu strukturieren“, sagte er. Dabei wolle er aber die Identität des Vereins wahren, schließlich sei diese einer der Hauptgründe gewesen für Ayre, in München anzuheuern.

Nach knapp einem Monat an der Grünwalder Straße hat Ayre nun bereits ein paar Eindrücke sammeln können und verrät im Interview, dass „sehr viel“ verbessert werden könne. Dabei geht es ihm neben möglichen Spielertransfers, die er mit Trainer Vitor Pereira absprechen will, auch um die die Kommunikation des Vereins nach innen und außen. Ayre sagte: „Langfristig wollen wir die Struktur im Verein verbessern, die Qualität, die Professionalität. Der Umgang mit den Fans, Mitgliedern und Businesspartnern muss auf einem besseren Level funktionieren. Wir können uns beinahe in jedem Bereich steigern - das wird allerdings Zeit brauchen.“

Ein arabischer Investor, ein portugiesischer Trainer und ein englischer Geschäftsführer - verliert der TSV 1860 nicht seine Wurzeln? Ayre sieht das nicht so: „Es stimmt, wir sind an der Spitze international aufgestellt, aber den Verein machen weitaus mehr Menschen aus. Ich denke, für den Fan von 1860 ist das Allerwichtigste, dass wir erfolgreich sind. Alles andere ergibt sich daraus. Wir müssen die richtige Balance finden.“ Elf ausländische Spieler in der Löwen-Startelf kann sich Ayre allerdings nicht vorstellen: „Das will auch der Trainer nicht. Der Kern wird immer bayerisch sein, denn wir wollen sicher nicht unsere Identität verlieren. Es kommt auf die Mischung an.“

Ayre denkt langfristig

Dass die Fans nach der langen und schwierigen Zeit in der zweiten Liga sich eine schnelle Verbesserung erhoffen, hat Ayre erkannt. Doch der neue starke Mann dämpft die Erwartungen: „Ich habe große Erfahrung, einen Verein zu lenken, gerade was die internationale Ausrichtung angeht. Aber das macht mich noch lange nicht zum Experten für die deutsche 2. Liga oder 1860 München - noch nicht. Jeder, der realistisch ist, weiß, dass es Zeit benötigt. Ich verstehe, dass die Leute ungeduldig sind, ich bin es auch. Aber bevor ich starte, will ich verstehen, was zu tun ist. Ende dieses Monats werde ich so weit sein, um die richtigen Schlüsse für die nächste Saison zu ziehen.“ Genau diese Denkweise könnte für den TSV 1860 Gold wert sein.

Übrigens: Ayre würde auch im Falle eines Abstiegs bei den Löwen bleiben, doch von diesem Szenario geht er aktuell nicht aus. Auch der derzeitige Kampf um den Abstieg scheint den Liverpooler nicht zu schocken. Er wusste bereits zuvor, „dass gerade der Anfang nicht einfach werden würde. Aber ich bin gekommen, um langfristig Erfolg zu haben. Wir wollen den Verein wieder da hinbringen, wo er mal war“.

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