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Sechzig im Januar 2017: Der ganze Klub ein Rätsel

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Von: Uli Kellner

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Troia - Die Löwen lassen zu Beginn des Jahres jede Menge Fragen unbeantwortet. Die Suche nach Antworten: Schwierig. Doch die Blackbox bekommt Risse. Ein Kommentar von Uli Kellner.

Am Montag ist es angeblich so weit: Angekündigt ist ein Pressegespräch mit Vitor Pereira, das bisher aus

Uli Kellner.
Uli Kellner. © Haag

unterschiedlichen Gründen nicht zustande gekommen war. Beim Vorbereitungsstart vor sechs Tagen hatte Geschäftsführer Anthony Power Schweigen verordnet, nach der Ankunft im Trainingslager war es dann plötzliche Heiserkeit, die Pereira hinderte. Vermutlich kam sie dem neuen Coach nicht ganz unrecht, denn so konnte er Zeit gewinnen und noch mal tiefer in diesen rätselhaften Verein hineinhorchen. Viele Fragen wären für ihn auch mit voller Stimme schwer zu beantworten gewesen.

Fakt ist, dass vieles anders läuft beim Investorenklub TSV München von 2011 (da stieg Hasan Ismaik ein). Neuerdings zum Beispiel verzichtet der Verein nicht nur auf einen Sportdirektor, der gerade im Transfermonat Januar von Vorteil wäre. Auch auf Transparenz wird weitgehend verzichtet. Fünf Tage nach der Ankunft auf Tróia ist noch keines der geplanten vier Testspiele fixiert, was insbesondere die mitgereisten Fans nervös macht. Da keiner der Funktionäre vor Ort ist, kann auch keiner sagen, wer sich um die angekündigten Neuzugänge kümmert. Soll der Trainer diesen Part übernehmen? Geschäftsführer Power, der nie mit Profifußball zu tun hatte und in New York weilt? Einer aus Ismaiks internationalem Beraterstab? Fragen über Fragen. Dazu kommt, dass beim Training die Presse immer dann ausgesperrt wird, wenn es interessant werden könnte.

Fans sind weiterhin zugelassen, was zu bizarren Informationsketten führt. Zuletzt gab einer der „Allesfahrer“ in Ismaiks Lieblingsblog Auskunft über Ribamars Genesungsfortschritte.

Die Blackbox 1860 bekommt Risse

Interessant ist auch, dass die Abwesenheit von Funktionären dazu führt, den Eindruck einer paradiesischen Arbeitsruhe entstehen zu lassen. Im Hintergrund, so hört man, geht es aber alles andere als ruhig zu. Der freigestellte Sportchef Thomas Eichin geht gegen den Verein vor, weil er trotz Vertrages bis 2019 kein Gehalt mehr bekommt. Umgekehrt setzen die 1860-Bosse alle Hebel in Bewegung, um Eichins Transferpolitik nachträglich ins Zwielicht zu rücken. Eine Schlammschlacht droht. Denkbar ist, dass der Fall vor dem Arbeitsgericht landet, was nicht gewollt sein kann, da sonst die Blackbox 1860 empfindliche Risse erhalten könnte. Prozesse dieser Art werden bekanntlich öffentlich ausgetragen.

Kein Sportchef, keine Neuzugänge, dafür neue aufkeimende Unruhe. Wie Pereira unter diesen Umständen erfolgreich arbeiten will, ist vielen schleierhaft. Ihm selber möglicherweise auch. Aber vielleicht wird er ja am Montag dazu Stellung nehmen.

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