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Quirin Moll vom TSV 1860 München im Hacker-Zelt vor dem Oktoberfest.

Er gibt den Takt an

Löwen-Sechser Moll im Interview: „Den Druck machen wir uns selber“

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Ob Hacker-Zelt oder Spielfeld – Quirin Moll (27) schwingt überall den Taktstock: Der Löwen-Mittelfeldstratege im Interview über Wiesn, Ernährung und seinen Ex-Klub Haching.

Quirin Moll gibt im Löwen-Mittelfeld den Takt vor! Vor der Saison kam der 27-jährige Dachauer von Eintracht Braunschweig nach München. „Es ist überragend, dass wir den bekommen haben“, schwärmte Daniel Bierofka über den Neuzugang. „Da haben wir, glaube ich, einen Riesen-Griff gemacht.“ In der tz spricht der Ex-Hachinger über die Wiesn und darüber, wie er sich in München eingelebt hat.

Herr Moll, sehen Sie sich als Taktgeber bei den Löwen?

Quirin Moll: (lacht) Ja, würde ich schon sagen. Meine Position im zentralen Mittelfeld bringt das mit sich. Ich habe schon immer versucht, das Heft in die Hand zu nehmen, den Takt vorzugeben und den Jungs zu helfen.

Ist Ihnen das bislang gut gelungen?

Moll: Ich denke schon. Die Jungs haben mich super aufgenommen. Wir haben uns von Spiel zu Spiel besser gefunden – auch ich persönlich bin besser reingekommen.

Ein Dirigent ist auch eine Führungsperson.

Moll: Ich versuche das schon auf und neben dem Platz vorzuleben. Das liegt mir auch, ich bin ziemlich diszipliniert – das wissen die Jungs auch. Wenn jemand was wissen will oder was braucht – ich helfe immer gerne.

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Was heißt diszipliniert? Was ist tabu?

Moll: Ich trinke keinen Alkohol, ernähre mich bewusst. Ich versuche auch viel neben dem Platz für meine Physis zu machen.

Die Wiesn ist dann ja ernährungstechnisch eher ein Albtraum für Sie…

Moll: (lacht) Ich brauche da ja kein Bier zu trinken. Ich kann auch ohne Alkohol Gaudi haben.

Spüren Sie Druck, wenn Sie vor 15 000 Fans im Grünwalder Stadion spielen?

Moll: Nein, als Fußballer ist es das Geilste, wenn du in einer vollen Hütte spielen darfst. Den Druck machen wir uns selber.

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Was machen Sie, wenn Ihnen ein Fehler passiert?

Moll: Nach einem Risikoball nach vorne bin ich keiner, der dann nur noch hintenrum spielt. Man darf seine Spielweise trotzdem nicht verlieren. Ich versuche nach einem Fehler, den Ball sofort wieder zu erobern. Da muss man aktiv werden!

Nehmen Sie Ihre Fehler abends mit ins Bett?

Moll: Ich denke schon viel darüber nach, versuche, die Partie zu reflektieren und schaue mir das Spiel noch mal an. Das hilft mir.

Sprechen Sie mit jemandem über Ihre Spiele?

Moll: Manchmal mit dem Trainerteam. Aber auch mit meinem Vater Wolfgang. Der ist fast jedes Spiel da. Er ist mein härtester Kritiker. Das sind manchmal spannende Diskussionen (lacht).

Sie sind verheiratet und haben eine acht Monate junge Tochter. Ist die Familie Ihr Ruhepol?

Moll: Auf jeden Fall. Das habe ich auch letztes Jahr gemerkt, als es in Braunschweig nicht so gut lief. Das gibt mir so viel positive Energie. Meine Frau Susan versucht, mir alles abzunehmen. Wir haben uns in München kennengelernt. Das war mit ein Grund für den Wechsel. Es ist einfach schön, wieder zu Hause zu sein und für so einen Verein zu spielen! Das gibt mir viel zurück!

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Wo haben Sie eine Bleibe gefunden?

Moll: Wir wohnen in Solln. Wir sind gerade mitten im Umzug, die spielfreie Zeit passt uns ganz gut. Für mich war es wichtig, nah am Trainingsgelände zu wohnen und auch, dass es ruhig ist.

Zum Sportlichen: Sind Sie zufrieden mit dem Start?

Moll: Ja – obwohl wir in einigen Spielen Lehrgeld bezahlen mussten. Ich trauere dem aber nicht hinterher. Wir haben aus den Fehlern gelernt. Wer weiß, wofür das gut war… Insgesamt bin ich zufrieden, vor allem, weil wir uns von Spiel zu Spiel entwickelt haben.

Sind Sie auch mal laut geworden?

Moll: (lacht) Ich sage schon, wenn es mal nicht passt. Ich bin aber kein Freund von Halli-Galli, man muss fokussiert bleiben.

Wie wurden in der Mannschaft die späten Gegentore analysiert?

Moll: Die Mannschaft hält in der Kabine super zusammen. Wir haben intern viel über die Fehler gesprochen, damit jeder wusste, woran es lag.

Wie wichtig war es dann, gegen Cottbus die Punkte zu Hause zu behalten?

Moll: Nach dem Sieg in Aalen war uns klar, dass wir nachlegen müssen. Dass wir am Ende gewonnen haben, war sicher auch der Lernprozess aus den vergangenen Spielen. Man konnte sehen, dass wir uns nicht aus der Ruhe bringen ließen und auch nach vorne verteidigt haben. Uns kam auch zugute, dass wir mit dem Konter das 2:0 gemacht haben.

Ist das Spiel von Daniel Bierofka so kraftintensiv, wie immer gesagt wird?

Moll: Es ist wirklich sehr intensiv. Seit dem ersten Tag merke ich, wie extrem trainiert wird. Mir macht das total Spaß – ich komme gerne über die Physis!

Mit Romuald Lacazette ist ein neuer Sechser dazugekommen.

Moll: Konkurrenz belebt das Geschäft. Ich freue mich auf ihn, hoffe auch, dass er uns weiterhelfen kann. Meinen Platz bekommt er aber nicht (lacht). Vielleicht ergänzen wir uns ja auch gut.

Ihr Ex-Verein Haching ist Erster.

Moll: Das überrascht mich nicht. Dort wird ein guter Job gemacht. Es hat Spaß gemacht, dort zu spielen. Der Trainer ist auch gut. Sie hätten nur mehr Zuschauer verdient.

Interview: Florian Fussek

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