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Hannes Ringlstetter 2018 bei der Präsentation seiner CD

Kabarettist und Moderator im Interview

„Wie soll Köllner das schaffen?“ - Ringlstetter resigniert bei Löwen-Trainer

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Kabarettist Hannes Ringlstetter erklärt im Interview, wie er es mit Fußball hält - und hat eine Prognose für den TSV 1860 München.

  • Löwen-Sympathisant Hannes Ringlstetter denkt bei dem Verein an ein „niederbayerisches Wirtshaus“
  • Der Moderator hat zum neuen TSV-1860-Trainer eine klare Meinung
  • Im Interview verrät er, ob er an einen Löwen-Aufstieg glaubt

Leidenschaftlicher Fan des 1. FC Nürnberg, Sympathisant des TSV 1860 – Musik-Kabarettist und Moderator Hannes Ringlstetter hat’s nicht leicht in Fußballdingen. Nun haben sowohl der Club als auch die Löwen neue Cheftrainer vorgestellt, dazu steht Uli Hoeneß vor dem Abschied als Bayern-Präsident. Grund genug, Ringlstetter um seine Einschätzung zu bitten.

Im bayerischen Profifußball herrschen turbulente Zeiten, Herr Ringlstetter. Wie schwer fällt es Ihnen, den emotionalen Überblick zu behalten?

Ringlstetter: Ich hab keinen mehr. Und ich frage mich, warum mich das Ganze eigentlich noch interessiert. Es gibt so viele wirkliche Probleme auf der Welt – da sind die selbst geschaffenen beim Club und bei 1860 doch ein Schoaß dagegen. Diese Woche hab ich mir gedacht: Warum kann ich nicht einfach Freiburg-Fan sein? Die machen alles richtig. Auch menschlich.

Michael Köllner haben Sie schon beim Club erlebt. Was haben sich die Löwen da für einen Trainer geangelt?

Ringlstetter: Einen, der mit einer super Nürnberger Mannschaft aufgestiegen ist und danach bald weg war. Ich weiß nicht, wie der Köllner diesen desolaten TSV aus dem Dreck ziehen soll – trotzdem wünsch ich ihm viel Glück. Sein Oberpfälzer Gemüt und seine Stressresistenz sollten ihm zugute kommen.

1860-Investor Hasan Ismaik hat seinen Klub zuletzt mit Nordkorea und der DDR verglichen, wo Ideologie ein wirtschaftliches Wachstum verhindere.

Ringlstetter: Das ist mir zu hochtrabend – ganz abgesehen davon, dass auch Wachstum eine Ideologie sein kann. Mich erinnert Sechzig eher an ein niederbayerisches Wirtshaus, wo jeder über alles schimpft, fünf Halbe sauft und mit dem Gefühl heimwankt, im Recht zu sein, ohne dass irgendwas vorwärts geht. Andererseits: Die DDR gibt’s nicht mehr, vielleicht hat Ismaik ja das gemeint. Dann ist Sechzig auf einem guten Weg.

Wie groß ist die Chance, dass es nächste Saison ein Derby zwischen den Löwen und dem Club gibt?

Ringlstetter: Für einen Löwen-Aufstieg fehlt mir die Fantasie. Und so schlimm es derzeit auch ausschaut, aber absteigen wird der Club nicht. Auch nicht mit Jens Keller.

Am Freitag erwartet uns die Abschiedszeremonie von Uli Hoeneß. Haben Sie die Taschentücher schon parat?

Ringlstetter: Nein. Er geht ja auch gar nicht. Als Glucke hockt er künftig über allen – die werden sich freuen. Ich schwanke bei Hoeneß immer zwischen zwei Gefühlen: Respekt vor der Leistung, einen schuldenfreien Topklub in Europa hingestellt zu haben. Und Abneigung gegen diese komplette Freiheit von Selbstreflexion. Als er neulich bei dieser Enke-Veranstaltung über die Verrohung der Sprache schwadroniert hat, da hab mir gedacht: Was redest denn du da jetzt mit? Ich finde Weisheit und Ruhe zwei erstrebenswerte Eigenschaften im Alter. Beides kann ich bei Hoeneß nicht erkennen.

Wie schwer fällt es Ihnen, das ganze Fußballgeschehen an sich ranzulassen, ohne die Ironiestacheln auszufahren?

Ringlstetter: Immer schwerer. Als am Samstag bei Bayern gegen Dortmund mein SkyGo gestreikt hat, war mein erster Gedanke nach der Wut: So, Schluss mit dem Schmarrn! Dieser ganze Irrsinn mit zig Anstoßzeiten, den Überschneidungen mit der 2. Liga, die Nations League und was weiß ich noch alles –will ich dieses totale Auspressen noch lange mitmachen und befördern? Nein.

Und jetzt?

Ringlstetter: Immerhin beruhigt mich das Ganze am Ende immer noch. Wenn Ärgern über Fußball nicht diese reinigende Wirkung hätte, dann wär ich schon lange davon weg.

Zum Schluss ein Blick in die Glaskugel: Wo stehen 1860, Nürnberg und Bayern in fünf Jahren?

Ringlstetter: Sechzig ist in der gegenwärtigen Struktur nicht zukunftsfähig, also bestenfalls 3. Liga. Der Club wird in der 2. Liga rumdümpeln, solange die Ablösen für die besten Spieler nicht re-investiert werden können. Und Bayern wird es schwer haben, den Status zu halten. International sowieso – aber auch in der Bundesliga. Ich glaube an die Renaissance von Gladbach. Max Eberl ist der beste Manager der Liga. Die Frage ist halt nur, ob er in fünf Jahren noch da ist.

Interview: Ludwig Krammer


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