1. Startseite
  2. Sport
  3. TSV 1860

Löwen-Rückkehr nach Meppen: Aufstiegsheld Pacult erinnert sich

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Ludwig Krammer

Kommentare

Saison 1993 1994 Aufstiegsfeier TSV 1860 München v li Bernhard Trares Peter Pacult Armin Störz
Ein Foto der Aufstiegsfeier von Meppen: Bernhard Trares, Peter Pacult und Armin Störzenhofecker (v.l.). © imago/WEREK / imago sportfotodienst

24 Jahre nach dem denkwürdigen Erstliga-Aufstieg kehrt der TSV 1860 nach Meppen zurück. Aufstiegsheld Peter Pacult erinnert sich.

München - Meppen, 11. Juni 1994 – welcher Löwenfan Ü30 bekommt bei diesem Datum keinen verklärten Blick? Am Sonntag treten die Sechziger zum ersten Mal wieder an dem Ort an, wo vor 24 Jahren weiß-blaue Fußballgeschichte geschrieben wurde. 1:0 siegten die Löwen durch das Tor von Peter Pacult, schafften als erste deutsche Mannschaft den Durchmarsch von der Drittklassigkeit in die Bundesliga. Vor der Rückkehr ins Emsland unterhielt sich die tz* mit dem bald 59-jährigen Helden aus Wien.

Peter Pacult, was kommt Ihnen beim Stichwort Meppen als Erstes in den Sinn?

Pacult: Was wir für eine super Mannschaft waren. Die Kameradschaft, der Zusammenhalt, unser Siegeswille – diese Saison war von Anfang bis Ende sensationell. Na ja, fast…

Sie sprechen vom ersten Spieltag.

Pacult: 0:4 in Rostock – das war jetzt nicht unbedingt das, was wir uns vorgestellt hatten. Aber ich hab’s ja schon in der Vorbereitung zu hören bekommen, was ich für ein Blinder bin (lacht). Gegen AEK Athen in Vaterstetten, glaub ich, da hat mir ein Fan zugerufen: Pacult, bitte dua ma oan Gfoin und geh’ wieder hoam noch Österreich (lacht).

Die Saison war ein ziemliches Wellental. Im Winter galt der Aufstieg bei vielen Fans schon als ausgemachte Sache.

Pacult: Wir waren mit fünf Punkten Vorsprung auf Platz vier Tabellenzweiter hinter Bochum. Damals galt noch die Zweipunkte-Regel und die ersten drei sind direkt aufgestiegen.

Lesen Sie auch: Eine Liebeserklärung an 1860: Warum der Aufstiegs-Sonntag mein schönster Tag als Löwenfan war

Was war nach der Winterpause los?

Pacult: Gar nix mehr war los. Fünf Spiele, fünf Niederlagen, Riesen-Unruhe. Zum Glück haben wir dann 4:1 in Hannover gewonnen. Ab da ging’s hin und her. Ich weiß noch, als wir 1:2 in St. Pauli verloren haben, da hab ich von irgendeinem Spieler dort gehört: „So, jetzt sind wir durch.“ Das war noch mal ein richtiger Schub! Gar nix seid’s ihr! Zwei Spieltage vor Schluss haben wir sie dann wieder überholt. Mein Freund, der leider verstorbene Andi Ogris, hat mit Hertha BSC damals ein wichtiges Tor gegen sie geschossen. Vor dem letzten Spieltag waren wir punktgleich, aber wir hatten als Dritter das bessere Torverhältnis.

Und so ging’s nach Meppen.

Pacult: Wir sind schon am Donnerstag naufgeflogen, also einen Tag früher als sonst, weil der Werner (Lorant) wollte, dass wir ein bissl Ruhe vor der ganzen Euphorie in München haben. Für die meisten Fans waren wir ja praktisch schon aufgestiegen, das war keine einfache Situation.

Wie ist es Ihnen als erfahrenem Spieler gegangen?

Pacult: Ganz gut. Am Abend vor dem Spiel hab ich Tennis gespielt mit dem Wildmoser Heinzi und dem Sieber Kurt (damals Vizepräsident), am Samstag war dann bei jedem spürbar, um was es geht. Unsere Fans waren der Wahnsinn, alles weiß-blau auf der Fahrt zum Stadion, eine Stimmung wie daheim. Und du hast bei jedem Spieler gesehen, was wir für eine Überzeugung hatten.

Gab es einen entscheidenden Faktor für diese Entschlossenheit?

Pacult: Für mich war ganz wichtig, dass wir bis auf den verletzten Bernd Trares mit der Mannschaft gespielt haben, die auch die Saison begonnen hat. Und es hat ja nicht lang gedauert bis zum ersten Tor.

Dritte Minute, Doppelpass mit Bernd Winkler…

Pacult: Einer fürs Lehrbuch, der Bernd zurück auf mich, flach hinein ins lange Eck. Das hat uns noch mal einen gewaltigen Auftrieb gegeben.

Peter Pacult TSV 1860 München gegen Torwart Manfred Kubik SV Meppen
Flach ins lange Eck: Das Tor, das die Löwen in die erste Liga brachte. © imago/WEREK / imago sportfotodienst
Torschütze Peter Pacult TSV 1860 München jubelt
Peter Pacult jubelt über sein goldenes Tor in Meppen. © imago/WEREK / imago sportfotodienst

Kurz nach der Halbzeit ging Wolfsburg im Parallelspiel gegen St. Pauli 3:0 in Führung.

Pacult: Wir haben es durch den Jubel der Fans mitbekommen. Beim Abpfiff sind dann alle Dämme gebrochen, ich bin mit dem Werner so schnell wie’s ging in die Kabine g’rennt, um nicht erdrückt zu werden.

Lesen Sie auch: Neue Traditionsmannschaft: Erinnern Sie sich noch an diese Löwen-Stars?

Welche Erinnerungen haben Sie an die Feierlichkeiten?

Pacult: Alle (lacht). Ich konnte gar nicht so viel trinken, weil ich so kaputt war. Ich hab’s einfach nur genossen. Die Freude nach dem Spiel, den Heimflug, die Kutschfahrt zum Marienplatz am Sonntag. Das ist der Vorteil als älterer Spieler, dass du alles bewusster wahrnimmst. Ich war ja schon Meister mit Tirol und Rapid, aber das war noch mal ein Highlight, ein Tag für die Ewigkeit.

Sechzig in der Bundesliga – wann haben Sie’s realisiert?

Pacult: Eigentlich erst am ersten Spieltag in Dortmund beim Aufwärmen. Volles Stadion, ein Gewurrl… da hab ich mir gedacht: Ja bist du deppert, mit fast 35 spielst du jetzt in der deutschen Bundesliga. Und auch wenn wir 0:4 verloren haben, es war der Beginn von zehn erstklassigen Jahren.

Ein Vierteljahrhundert später sind die Löwen ein Drittligist im Wiederaufbau. Wie intensiv verfolgen Sie das Geschehen noch?

Pacult: So intensiv es von Wien aus geht. Ich wollte zur Wiesn ins Stadion, hat nicht geklappt. Aber heuer schaff ich’s noch.

Wie gefällt Ihnen die Mannschaft?

null
Peter Pacult im Jahr 2013. Aktuell ist er vereinslos. © imago sportfotodienst / imago sportfotodienst

Pacult: Ich ziehe den Hutdavor, was der Daniel (Bierofka) da in so kurzer Zeit zusammengebaut hat. Für mich hat Sechzig eine gute Mischung aus Erfahrung und Jugend, vor allem offensiv sind sie klar überdurchschnittlich besetzt.

Lesen Sie auch: Löwen in der Krise? Sportchef Günther Gorenzel spricht Klartext

Heißt weitergedacht?

Pacult: Von der Zusammenstellung des Kaders her ist ein Platz ganz weit oben drin.

Da wird sich Bierofka bedanken…

Pacult: Sie haben mich gefragt, also sage ich, was ich denke. Wenn die Gelegenheit kommt, musst du zugreifen.

Perspektivisch war’s damals einfacher.

Pacult: Entscheidend ist, dass die Fronten mit dem Investor geklärt werden. Ihm gehört der Laden, er hat das Geld. Im Moment ist ja alles sehr ruhig.

Zumindest an der Oberfläche.

Pacult: Wie gesagt: Das muss geklärt werden, wenn’s vorwärts gehen soll. Beim Grünwalder Stadion werden sie für die Zweite Liga eine Lösung finden. Für alles andere bin ich der falsche Ansprechpartner.

Interview: Ludwig Krammer

Übrigens: Rund 10 000 Fans begleiteten die Löwen vor 24 Jahren zum entscheidenden Spiel nach Meppen. Am Sonntag (Anpfiff 13 Uhr) wird die Unterstützung naturgemäß erheblich geringer ausfallen. Knapp 1000 Blaue werden im Emsland erwartet, es wird noch Restkarten an der Tageskasse geben. Telekomsport.de überträgt die Partie live.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Auch interessant

Kommentare