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Köllners Selbstkritik - 1860-Trainer gibt zu: Coaching in Osnabrück war schlecht

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Von: Uli Kellner

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Michael Köllner zeigt Größe und räumt Fehler ein
Michael Köllner zeigt Größe und räumt Fehler ein © Angelika Warmuth/dpa/Archivbild

Michael Köllner gibt sich selbst eine Teilschuld am Scheitern in Osnabrück. Der Trainer des TSV 1860 München hadert mit seinen Wechseln.

München – Beim Alm-Abend mit den „Unternehmern für Sechzig“ ergriff auch Michael Köllner das Mikrofon. Wie keiner seiner Vorgänger beherrscht der Oberpfälzer die Kunst der freien Rede. Launig und den Gastgebern zugewandt – so hat die 1860-Gemeinde schon häufig den Menschenfänger aus Fuchsmühl erlebt. Aber noch nie so schonungslos ehrlich wie an diesem Mittwochabend.

Nicht nur, dass Köllner im Brustton der Überzeugung eine Aufholjagd im Aufstiegskampf ankündigte: Man wolle „noch ein gehöriges Wort in der Liga“ mitreden, sagte er ungeachtet des trostlosen Tabellenbildes (Platz 15). Nein, der Ehrengast überraschte auch mit einer Portion Selbstkritik, die man in dieser Deutlichkeit selten aus einem Trainermund vernommen hat. Im Rückblick auf das 1:3 von Osnabrück sagte Köllner: „Wenn man nach Hause fährt von so einem Spiel, dann fragt man sich am Ende, was man selber aus dem Spiel gemacht hat?“ Auf dem Rückflug habe er sein eigenes Coaching hinterfragt: „Was hast du eigentlich ausgewechselt? Was hast du heute da draußen veranstaltet?“

Erik Tallig für Dennis Dressel (48.), Quirin Moll für Daniel Wein (63.). Nicht jeder Beobachter hatte verstanden, warum Köllner so früh im Spiel formschwache Profis für zuletzt wertvolle Stützen einwechselte. Im Gespräch mit unserer Zeitung präzisierte er: „Die letzte Stunde des Spiels ist uns nicht gut gelungen – sowohl auf dem Platz als auch neben dem Platz. In Sachen Coaching war das keine Glanzleistung – so ehrlich muss man sein.“

Muss man nicht – ist aber erfrischend, einen Trainer mal so offen reden zu hören. Für Köllner kein großes Ding, eine Niederlage mal (mit) auf seine Kappe zu nehmen. „Es wäre doch fatal, wenn ich hergehen und sagen würde: In Osnabrück – da waren nur die elf bzw. 15 Spieler schuld und der Trainer und sein Team bleiben außen vor. Am Ende ist es immer eine Gemeinschaftsleistung und ich reiß’ mir nichts raus, wenn ich sage: Drinnen wie draußen war das nicht gut. Das habe ich auch dem Mannschaftsrat so mitgeteilt.“

Die Botschaft: Jeder hat mal einen schlechten Tag. Bekanntlich war Köllner auch grippegeschwächt, als er in Osnabrück an der Seitenlinie coachte. Nach der Länderspielpause, hofft er, startet die Mannschaft eine neue Serie. Damit es mit dem Patienten 1860 insgesamt bald wieder aufwärts geht. ULI KELLNER

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