Löwen-Präsident Peter Cassalette (r.) ist zuversichtlich.
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Löwen-Präsident Peter Cassalette (r.) ist zuversichtlich.

Hasan Ismaik ist „tieftraurig“

Kampfansage von Cassalette: „Alle müssen alles geben“

  • Armin Gibis
    vonArmin Gibis
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München - Der TSV 1860 hatte gut gespielt. Doch nach dem Spiel gegen Kaiserslautern sah man wieder hängende Köpfe. Ein Trost: Die Fans stehen hinter ihrem Verein.

Nach Spielschluss schien gar nicht so klar zu sein, wer auf dem Betzenberg gewonnen hatte. Denn die rund tausend mitgereisten Fans des TSV 1860 bedachten die Spieler mit intensivem Chorgesang. Damit würdigten sie den zuvor gezeigten Kampfeseifer der Sechziger. Allerdings – und das ist die bittere sportliche Wahrheit dieses Gastspiels beim 1. FC Kaiserslautern – gebracht hat all die spielerische Überlegenheit, das Anrennen bis zur Schlusssekunde überhaupt nichts. 0:1 verloren die Münchner und stehen damit nun ganz nahe am Abgrund. Wie schon in den letzten beiden Jahren droht der Absturz in die Drittklassigkeit. Vereinspräsident Peter Cassalette rief denn auch nachdrücklich zur eisernen Geschlossenheit im Existenzkampf auf: „Wir müssen alle zusammenstehen und wie die Löwen für die Löwen kämpfen! Alle müssen alles geben, um den Ligaerhalt zu schaffen!“

Es wird also kräftig an der Alarmglocke gezogen bei den Sechzigern, nachdem sie in Kaiserslautern nun schon zum wiederholten Male wichtige Punkte verschenkt haben. „Aus meiner Sicht wäre sogar ein Unentschieden ungerecht gewesen. Wir waren in jeder Hinsicht dominant“, befand Trainer Vitor Pereira. Tatsächlich hatten die Münchner ihre stark verunsichert wirkenden Kontrahenten sicher im Griff. „In Kaiserslautern haben wir wieder Fußball gespielt“, befand Stefan Aigner.

Nur 3er und 4er: Bilder und Noten der Sechzger vom Spiel in Lautern

Aber einmal mehr offenbarte sich, dass es den Löwen derzeit an zweitligatauglicher Durchschlagskraft fehlt. Ganze drei Tore erzielten sie in den letzten fünf Partien – mit derlei Trefferquote ist es auf Dauer kaum möglich, in der Zweiten Liga zu überleben. „Wir müssen unsere Chancen nutzen, sonst wird es ganz schwer im Abstiegskampf“, sagte Pereira. Es lässt sich wohl nur als Ironie des Schicksals deuten, dass 1860-Angriffsführer Christian Gytkjaer seine Offensivkraft allein in die falsche Richtung bewies. Mit seinem Eigentor zum 0:1 (73.) stellte der Däne den Spielverlauf auf den Kopf.

„Sechzig war uns spieltechnisch überlegen“

Kaiserslauterns Trainer Norbert Meier versuchte erst gar nicht, die ungleichen Kräfteverhältnisse wegzudiskutieren. „Natürlich war uns Sechzig spieltechnisch überlegen. Und wir hatten einige junge Spieler auf dem Platz, bei denen man gerade in der Anfangsphase gesehen hat, dass eine solche Situation lähmen kann. Das war kein einfaches Spiel für uns“, sagte er. Aber im Fußball zählen eben ausschließlich Tore. Und so beglückwünschte Meier seine Mannschaft zu den drei errungenen Punkten: „Mir ist es scheißegal, wer die bessere Mannschaft war.“

Wie schwer die Münchner die unnötige Niederlage getroffen hatte, zeigte auch die rasche Reaktion von Hasan Ismaik. Um 0:37 Uhr, also noch in der gleichen Nacht, wartete er mit einer Facebook-Nachricht auf. „Ich bin tieftraurig, weil nicht die bessere Mannschaft in Kaiserslautern gewonnen hat“, schrieb er. Damit das Tieftraurigsein nicht zum Dauerzustand wird, sind die Blauen nun im kommenden Heimspiel gegen den Aufstiegsaspirant Eintracht Braunschweig extrem gefordert. „Wir müssen zeigen, dass 1860 immer noch lebt“, forderte Ismaik.

Braunschweig mit bester Defensive

Doch gerade gegen die Niedersachsen dürfte es für die offensivschwachen Münchner besonders schwer werden, zum dringend notwendigen Erfolg zu kommen. Mit 28 Gegentoren in 30 Spielen stellt Braunschweig die beste Abwehrreihe der Zweiten Liga. Zum Vergleich: Das letzte Tor einer nominellen 1860- Sturmspitze erzielte Ivica Olic beim 2:1 gegen Karlsruhe – das war vor zweieinhalb Monaten.

Michael Liendl, gegen Kaiserslautern erstmals Kapitän, warb unterdessen darum, den Blick aufs Wesentlichste zu richten: „Wir brauchen nicht immer wieder zu betonen, dass wir genug Qualität haben. Sondern wir müssen unbedingt Spiele gewinnen, um unten raus zu kommen.“ Wohl wahr.

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