Vitus Eicher würde gerne nach Heidenheim wechseln.
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Vitus Eicher würde gerne nach Heidenheim wechseln.

Irrwitzige Ablöseforderung

Neuer Ärger um Ismaik: Verbaut er Eicher den Wechsel?

  • Ludwig Krammer
    VonLudwig Krammer
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München - Eigentlich schien der Wintertransfer von Torwart Vitus Eicher (26) zum 1. FC Heidenheim nur noch Formsache zu sein. Doch nun hat sich der Investor eingeschaltet. Der Fall könnte sich ganz schnell zum Flächenbrand ausweiten.

Sportlich droht dem TSV 1860 zum Hinrundenschluss am kommenden Wochenende der Sturz auf Relegationsplatz 16, klubpolitisch ist die Lage mindestens genauso prekär. 

Seit Geldgeber Hasan Ismaik vor zweieinhalb Wochen im Alleingang den amerikanischen Geschäftsführer Anthony Power installiert hat, geht’s in der Geschäftsstelle des Zweitligisten drunter und drüber. 

Mitarbeiter beklagen den rüden Umgangston des studierten Maschinenbauers, langjährige Sponsoren waren irritiert von Powers Arroganz in den Einstandsgesprächen. Und mit dem Fall Vitus Eicher, dem Power zuletzt per absurd hoher Ablöseforderung von einer halben Million Euro (bei noch sechs Monaten Vertragslaufzeit) die Freigabe für einen Wechsel zum 1. FC Heidenheim verweigert hatte, ist nun eine Stufe erreicht, die von Eingeweihten als „höchst explosiv“ eingestuft wird. 

“Das Präsidium hat eine andere Meinung als der Geschäftsführer”, sagte Präsident Peter Cassalette am Sonntag gegenüber der tz. „Vitus hat nie über seine Situation gemotzt, er hat einen ganz tollen Charakter. Wir werden versuchen, in dieser Woche eine Lösung im Sinne des Vereins und des Spielers zu finden.“ Notfalls könnte das dreiköpfige Präsidium den Geschäftsführer gemäß den Klubstatuten sogar überstimmen. 

Nur: mit welchen Konsequenzen? Der Rücktritt von Geschäftsführungs-Beirat Karl-Christian Bay könnte nicht der letzte in diesem Jahr gewesen sein, sagte ein mit den Vorgängen bestens Vertrauter gestern auf Nachfrage. Fährt Sechzig mit Power an die Wand?

So leicht es in diesen Tagen fällt, Meinungen über den Geschäftsführer in Erfahrung zu bringen, so schwierig gestaltet sich die Kontaktaufnahme mit dem 50-Jährigen. Eine Interviewanfrage der tz von Mitte vergangener Woche blieb bislang unbeantwortet. Dafür äußerte sich Power gestern Abend auf der Homepage des TSV 1860 zum Fall Eicher. “Wir schätzen die jahrelange Identifikation von Vitus Eicher mit dem TSV 1860”, hieß es dort. “Aber wir können einen Spieler wie ihn nicht an die Konkurrenz verschenken. Auch Vitus hat einen gewissen Marktwert. Unsere oberste Pflicht ist, dass wir im Sinne des Vereins und nicht der Spielerberater handeln. Das letzte Wort bei Vitus Eicher wird unser neuer Trainer haben.“

Dass sich 1860 Eichers Gehalt sparen würde, scheint den Fußball-Laien Power dabei ebensowenig zu interessieren wie der Faktor Zeit. Noch hat dieser neue Trainer bei 1860 nicht einmal unterschrieben. Das türkische Internetportal sporx.com hatte am Sonntag sogar von einer Absage des Ismaik-Wunschkandidaten Vitor Pereira berichtet und den Portugiesen mit dem Satz „Ich mache es nicht“ zitiert. Ein offizielles Dementi von ­Power, Pereira und/oder Ismaik blieb bislang aus.

Eichers Berater Berthold Nickl reagierte gestern Abend “erstaunt über den öffentlichen Vorstoß des Ismaik-Vertrauten Anthony Power”. Er werde sich weiterhin an den Grundsatz halten, laufende Transfers nicht zu kommentieren, sagte Nickl zur tz. “Die Gespräche, die wir bisher mit dem Verein geführt haben, waren konstruktiv.” Den Rest werden die nächsten Tage zeigen.

Wie hatte Karl-Christian Bay in seiner Rücktrittserklärung am vorvergangenen Sonntag geschrieben: „Mein Ziel einer Stabilisierung, Professionalisierung und Weiterentwicklung der KGaA einerseits sowie der Umsetzung einer Zukunftsvision für unseren Verein andererseits ist in den derzeitigen Strukturen nicht umsetzbar und erfordert neue Kräfte und Ideen.“

Die Kräfte und Ideen des Herrn Power dürfte Bay damit eher nicht gemeint haben.

lk

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