Richard Neudecker mit Ball beim Heimspiel des TSV 1860 gegen Zwickau (0:2).
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Noch einer der besseren Löwen beim 0:2 gegen Zwickau: Richard Neudecker.

1860-Krise: Löwen schotten sich ab

Richard Neudecker zur Talfahrt in der Tabelle: „Es ist kein Kopfproblem“

  • Uli Kellner
    VonUli Kellner
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Kein öffentliches Training, keine Interviews. Bis zum Spiel beim SC Verl bündeln die Löwen ihre Kräfte. Weniger ist oft mehr, findet auch Richard Neudecker.

Seit vier Spielen ohne Sieg, in der Tabelle auf Platz 13 abgerutscht. Es läuft nicht beim TSV 1860. Nach der Heimniederlage gegen den FSV Zwickau (0:2) gab es seit langer Zeit mal wieder Pfiffe im Grünwalder Stadion. Fans haben ein Gespür dafür, wenn sich eine schlechte Phase zur Krise ausweitet.

Neudeckers Rat: Weniger dribbeln, kompakt verteidigen

Für Michael Köllner ist der Negativlauf eine mentale Geschichte („Kopfsache“), die der Coach zusammen mit Sportchef Günther Gorenzel ohne Ablenkung von außen beheben will. Bedeutet: Alle Trainingseinheiten bis zum Auswärtsspiel beim SC Verl (Samstag, 14 Uhr, Lotte) finden unter der Ausschluss der Öffentlichkeit statt, Interviewtermine für diese Woche wurden abgesagt. Für Richard Neudecker steht fest: Die Wende muss sich das Team im Training erarbeiten. Er selbst gehörte am Samstag zu den wenigen Löwen, die bis zum Schlusspfiff alles versuchten. Wie der Kreativchef die missliche Lage sieht, verriet er in der Mixed-Zone.

Richard Neudecker über . . .

. . . die erste Heimpleite nach 230 Tagen: „Das ist sehr enttäuschend. Am Ende ist es einfach Sch . . . Die schießen einmal aufs Tor und machen das Ding rein – wir nicht, das ist im Moment der Fehler.“

. . . Missfallensbekundungen der Fans: „Klar tut das weh, wenn sie schreien, dass sie uns nicht kämpfen sehen. Ich glaube aber, wir sind keine Mannschaft, die arrogant oder überheblich auftritt. Sondern eine Mannschaft, bei der’s gerade nicht läuft.“

. . . ein mögliches Kopfproblem: „Ich denke nicht, dass es ein Kopfproblem ist. Klar fehlt uns im Moment das Selbstbewusstsein und wir sind niedergeschlagen. Aber es ist jetzt nicht so, dass die Mannschaft sagt: Hey, wir sind besser als alle anderen und wollen es spielerisch lösen. So ist es nicht. Wir wissen, dass wir immer alles reinwerfen müssen.“

. . . viele individuelle Probleme, die den Zusammenhalt gefährden: „Ne, da geht überhaupt nichts verloren. Das sieht man auch, wenn wir unter uns sind. Da gibt’s auch mal Stunk, es sagt sich jeder die Meinung – das hilft eher dem Zusammenhalt. Am Ende sitzen wir alle in einem Boot, das wissen wir. Es ist auch auf gar keinen Fall so, dass wir mit dem Finger irgendwo anders hinzeigen. Sondern jeder schaut selbst in den Spiegel, jeder merkt, was er falsch macht – und das versuchen wir jetzt, als Team wieder auszubügeln.“

. . . Defensivverhalten und Kampfgeist: „Ich denke, dass wir am Ende konsequenter verteidigen müssen. Wir müssen als Team kompakt verteidigen. Es bringt nichts, wenn ein paar verteidigen und ein paar nicht.“

. . . fehlende Leichtigkeit: „Die kriegt man zurück, indem man gemeinsam verteidigt und wieder mehr die einfachen Dinge macht. Weniger dribbeln, Ball annehmen spielen – alle zusammen. Da nehme ich mich nicht aus. Ich bin ein kreativer Spieler, manchmal will ich auch selbst zu viel.“

. . . drohende Abstiegsgefahr: „Da mache ich mir keine Sorgen. Wir sind noch ganz am Anfang der Saison, da macht ein Sieg ganz viel aus. Wir müssen jetzt schauen, dass wir gut trainieren, dass wir Vollgas geben – und wieder Punkte sammeln.“

Aufgezeichnet: Uli Kellner

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