Sascha Mölders und die Mannschaft des TSV 1860 auf dem Rasen des Stadions in Lott (nach dem 1:1 beim SC Verl).
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Der Kapitän als Randfigur: Sascha Mölders (r.) bedankt sich mit der Mannschaft bei den mitgereisten 1860-Fans.

TSV 1860: Sechstes Remis im zehnten Spiel

Auch ohne Mölders läuft es nicht - Kehrt der Kapitän gegen Viktoria Berlin in die Startelf zurück?

  • Uli Kellner
    VonUli Kellner
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Vor einem Jahr grüßte 1860 nach zehn Spielen von Platz 2 - jetzt nähert sich der Vorjahresvierte der Abstiegszone. Seit Samstag klar: An Mölders liegt‘s nicht.

Als die Löwen-Not immer größer wurde, durfte Sascha Mölders doch noch ran. Der erstmals seit Juni 2020 auf die Bank verbannte Kapitän kam mit der ersten Einwechselwelle, eine zweite Welle mit drei weiteren Offensivjokern folgte kurz darauf – ein Akt der Verzweiflung, der dem zerfahrenen Spiel in Lotte keine Wende mehr gab. Wie im Vorjahr trennten sich der SC Verl und der Favorit aus München 1:1 – doch es sind ganz andere Diskussionen als am 24. November 2020, die diesmal geführt werden. Eine lautet: Müssen sich die Löwen schon nach zehn Spieltagen von ihrem Aufstiegstraum verabschieden? Eine andere: An welchen Stellschrauben kann Trainer Michael Köllner noch drehen, wenn nicht mal Einzeltherapie-Termine und die Herausnahme des formschwachen Mölders zu einem Umschwung führten?

Biankadi trifft per Hacke - Verl antwortet mit einem Sonntagsschuss

Bedrückend aus Sicht des abgestürzten Vorjahresvierten: Am Samstag reichte nicht mal eine frühe Führung (22.), um ein ebenfalls verunsichertes Team aus Verl in die Schranken zu weisen. Anfangs hatte es tatsächlich so ausgesehen, als würden die 1860-Profis „ihre Komfortzone verlassen“, wie es sich Sportchef Günther Gorenzel gewünscht hatte. Angetrieben vom erstarkten Ersatzkapitän Stefan Lex eroberten die Löwen zahlreiche Bälle in der Verler Hälfte. Einer dieser Pressingaktionen führte über Phillipp Steinhart (flache Hereingabe), SC-Kapitän Mael Cornoz (verunglückte Abwehraktion) und den gedankenschnellen Merv Biankadi (Abstauber per Hacke) zur 1:0-Führung. Was nach der Pause passierte, war jedoch typisch für ein Team in einer Selbstfindungsphase. Erst empörten sich die Gäste, dass zwei ungestüme Aktionen des Ex-Löwen Cottrell Ezekwem nur eine Gelbe Karte nach sich zogen (nacheinander hatte der 2,02-m-Hüne Schulterpatient Bär und Biankadi aus dem Weg gerempelt). Danach kam es, wie es kommen musste: Lex wehrte einen Eckball in die Mitte ab. Dort, 32 Metern Entfernung vom Tor entfernt, nahm Nico Ochojski Maß – und jagte die Kugel mit dem Außenrist auf hoher Flugbahn ins linke Kreuzeck (66.).

 Für uns war’s wichtig, dass wir nach der Niederlage gegen Zwickau zumindest wieder punkten. Auswärts zu gewinnen ist immer schwer in der 3. Liga.“

1860-Trainer Michael Köllner

Eine echte Schlussoffensive hatten die Löwen danach nicht mehr im Kreuz. Selbst Mölders vergab seine einzige Torchance (Kopfball, nicht richtig erwischt) – und Köllner musste wie so oft in den letzten Wochen einen zweifachen Punktverlust in einen Punktgewinn umdeuten. „Für uns war’s wichtig, dass wir nach der Niederlage gegen Zwickau zumindest wieder punkten“, sagte er: „Auswärts zu gewinnen ist immer schwer in der 3. Liga.“ Erspart bleibt ihm nun immerhin eine länger anhaltende Kapitäns-Debatte. Ob mit oder ohne Mölders – die Löwen in der aktuellen Form stehen zu Recht näher bei der Abstiegszone als im Bereich von Tabellenplatz zwei, den sie vor einem Jahr nach zehn Spieltagen innehatten.

Bodden lästert - der Mölders-Clan wehrt sich

In Atem hält den Verein dafür eine Mölders-Debatte der speziellen Art. Olaf Bodden, Bundesliga-Sturmtank der Löwen in den 90ern, übte in der BR-Radiosendung „Heute im Stadion“ harte Kritik. „Wenn man ehrlich ist, so eine Plauze hat im Profifußball nicht viel zu suchen“, lästerte der 53-Jährige über die selbst ernannte „Wampe von Giesing“. Im Facebook-Kanal von BR24 geht es seither hoch her. Selbst Gerd Mölders, der Vater des kriselnden Torjägers, schaltete sich ein: „Jetzt, wo es mal nicht so gut läuft, ist NATÜRLICH die Wampe schuld.“ Ebenso Ivonne Mölders: „In der Bundesliga hat die auch keinen gestört. Aber stimmt, als er 14 war, war er dünn wie ein Strich.“

Somit klar: Am Samstag gegen Viktoria Berlin kann Köllner auf einen doppelt angepieksten Kapitän bauen.

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