Beängstigendes Verschwinden von Mutter (41) und Tochter (16): Wie vom Erdboden verschluckt

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Bleibt Trainer Daniel Bierofka den Löwen erhalten? 

Saisonende beim TSV 1860 

„Biero wäre ein großer Verlust“: Löwen-Sportdirektor Gorenzel im Interview über Kader, Krise und Trainer-Frust

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Quo Vadis Löwen? Im Interview spricht Sportdirektor Günther Gorenzel über die Zukunftsperspektiven des TSV 1860 und verrät, was jetzt höchste Priorität hat.

Herr Gorenzel, Teile des Teams sind nach Mallorca geflogen, Trainer Daniel Bierofka denkt über seinen Schrumpfkader und die eigene Zukunft nach. Was macht der Sportchef, dem ja finanziell die Hände gebunden sind?

Günther Gorenzel: Momentan gibt es viele Dinge abzuarbeiten. Der Etat ist klar vorgegeben. Jetzt gilt es, in den nächsten Tagen Entscheidungen zu treffen. 

Vor zwei Wochen sagten Sie: „Wir haben weder Handlungsspielraum für Neuverpflichtungen noch für Vertragsverlängerungen.“ Gilt das noch? 

Gorenzel: Das gilt noch immer. Wir haben für die Lizenzierung bestimmte Zahlen eingereicht, und meine Aufgabe ist jetzt, einen Personal- und Kaderetat herbeizuführen, mit dem wir diese Zahlen einhalten. 

Der Profi-Etat für die zurückliegende Saison betrug 4,5 Millionen Euro, allerdings wurden 600 000 Euro nicht ausgeschöpft, weil Grimaldi verkauft wurde und Moll seit Februar verletzt ist. Kann man diese Summe nicht einfach auf den künftige Etat von drei Millionen draufschlagen? 

Gorenzel: All diese Dinge wurden bereits reingerechnet und spielen bei der Lösungsfindung keine Rolle. Mir ist auch wichtig zu betonen, dass ich erst seit Februar in der Geschäftsführung sitze. Das heißt: Alle Entscheidungen bis dahin habe ich rein sportlich getroffen. Seit Februar muss ich nun auch wirtschaftlichen Abwägungen einfließen lassen. 

TSV 1860: „Die Tendenz geht dahin, einen Nachwuchsspieler zu verkaufen“

Daniel Bierofka hat den Kader für die neue Saison so skizziert: Zwei Torhüter, 14 einsatzfähige Profis, drei Langzeitverletzte und ein paar Talente. Ist das nicht wenig? 

Gorenzel: Die Kadersituation ist sehr, sehr schwer – bedingt auch durch die Bestandsverträge und die Langzeitverletzten. Wir müssen auf jeden Fall versuchen, das bis zum Saisonstart zu korrigieren. Aber wie gesagt: Noch ist der Handlungsspielraum nicht gegeben. Noch arbeite ich daran, die Planzahlen einzuhalten. Daher bin ich auch angehalten, Spieler zu verkaufen. 

Leon Klassen gilt als wahrscheinlichster Verkaufskandidat. Würde dieser eine Transfer reichen? 

Gorenzel: Generell ist es so, dass es sich 97 Prozent der deutschen Vereine nicht leisten können, eingehende Angebote zu ignorieren. Deswegen sind auch wir in alle Richtungen gesprächsbereit, wenn Angebote für Spieler reinkommen. Momentan sind Anfragen für junge Spieler da – und für Leistungsträger. Zusammen mit dem Trainer stehe ich vor der Aufgabe zu überlegen: Welchen Spieler verkaufen wir? Es wäre wahrscheinlich grob verantwortungslos, einen weiteren gestandenen Spieler zu verkaufen, nachdem eh schon zwei Leistungsträger verletzt sind (Lex und Moll, d. Red.). Die Tendenz geht dahin, einen Nachwuchsspieler zu verkaufen, was mir perspektivisch und sportlich aber unheimlich wehtun würde. 

Mit anderen Worten: Die Unterschied-Spieler, die noch da sind, müssen gehalten werden, um nicht die Konkurrenzfähigkeit zu gefährden. 

Gorenzel: Das ist mein Ziel. 

Nach tz-Informationen gab es ein Treffen der Sportlichen Leitung mit Saki Stimoniaris, dem Statthalter von Hasan Ismaik. War das zielführend?

Gorenzel: Momentan habe ich täglich Treffen mit irgendwelchen Gremien. Daher werde ich keines der Treffen in irgendeiner Form kommentieren. 

Eine weitere Baustelle neben dem Kader könnte in Kürze auf Sie zukommen, nämlich auf der Trainerposition. Bierofka macht kein Geheimnis aus seinem Frust. Sorgt Sie das?

Gorenzel: Ich kann jeden verstehen, der sich in unserer momentanen Situation Gedanken über seine Zukunft macht. Umso mehr ist es meine Aufgabe, Stabilität auszustrahlen. 

TSV 1860: „Vorbereitet sein, falls der Trainer abhanden kommt“

Wie schwer würde ein Abschied des Trainers wiegen? 

Gorenzel: Daniel Bierofka ist unbestritten die Identifikationsfigur Nummer eins bei 1860. Meine Aufgabe ist es, auch für den Fall vorbereitet zu sein, dass uns der Trainer abhanden kommen könnte. So intensiv möchte ich mich damit aber gar nicht beschäftigen, denn Daniel Bie­rofka wäre ein sehr großer Verlust. 

Als zweiter Innenverteidiger des Profikaders ist Marco Raimondo-Metzger eingeplant, ein Spieler aus der U 21, der bereit wäre, auf 450-Euro-Basis auszuhelfen. Sind solche Verträge nicht ein Armutszeugnis für einen Verein wie 60? 

Gorenzel: Meine Aufgabe ist es, sich unter wirtschaftlichen Voraussetzungen Gedanken zu machen, was sportlich umsetzbar ist – und dazu gehören auch solche Lösungen. 

Naheliegend wäre, auch Jan Mauersberger noch mal in die Abwehr zu stellen. Der ist 34, besitzt einen Vertrag im Marketing, hat aber noch Lust auf Fußball. 

Gorenzel: Auch dafür haben wir keinen Handlungsspielraum. Ich kann Jan Mauersberger keinen Vertrag anbieten, nicht mal einen abgespeckten. 

Auch nächstes Jahr ist der Klassenerhalt das höchste der Gefühle. Welche Perspektive hat 1860 überhaupt noch? 

Gorenzel: Ich sag’s mal so: Wenn ich meinen Horizont jetzt schon so weit in die Zukunft richten würde, dann würde ich den Fokus auf die wichtigen Entscheidungen der Gegenwart verlieren. Natürlich muss es unser Ziel sein, das Optimum rauszuholen. Optimum heißt aber momentan: Klassenerhalt – und nichts anderes. 

Interview: Uli Kellner

Die Saison beim TSV 1860 München ist zu Ende. Sie haben nun die Qual der Wahl: Wer war der beste Löwe in der abgelaufenen Spielzeit? Stimmmen Sie ab

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