1. Startseite
  2. Sport
  3. TSV 1860

Stoffers im Interview

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Manfred Stoffers
Mit Spaß bei der Sache: Manfred Stoffers. © sampics

München – Wenn es brennt, sind seine rhetorischen Künste gefragt. Deswegen ist es ein gutes Zeichen, dass es zuletzt deutlich ruhiger war um Manfred Stoffers, den wortgewaltigen Löwen-Geschäftsführer. Ein Gespräch mit dem Macher im Hintergrund.

-Herr Stoffers, bis auf die Niederlage in Rostock lief zuletzt alles nach Plan: Die neuen Spieler kommen gut an, Trainer Lienen wird von den Fans verehrt, die Stimmung ist positiv. Im Moment ist kein Haar in der Suppe zu finden, oder?

Ich will auch gar keins finden. Unsere Aufgabe besteht eher darin, eine Suppe zu kochen, die später für möglichst viele Menschen ein Genuss ist.

Die besten Sprüche von Stoffers

Fotostrecke

-Sportchef Miroslav Stevic, Ewald Lienen und Sie wirken erstaunlich eingespielt. Dabei arbeiten Sie erst seit kurzem zusammen. Wie kommt das?

Was uns verbindet, ist eine große Teamfähigkeit. Keiner pocht darauf, der Alleinherrscher zu sein. Ich drück’s mal anders aus: Wenn Sie drei Heldentenöre haben, ist es immer schwierig – außer die drei Tenöre einigen sich darauf, dass sie ein Chor sind.

-Charakterisieren Sie mal die einzelnen Tenöre.

Was Lienen auszeichnet, ist sein analytischer Verstand, der auf einem unglaublichen Erfahrungsschatz beruht. Trotzdem hat er sich – wie ich übrigens auch – eine jugendliche Neugier und Lernbereitschaft bewahrt. Stevic hat die Gabe, wie früher als Fußballer, reflexartig aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Wenn ein Spieler angeboten wird, weiß er schnell: Ja, das ist der Richtige. Und in den Verhandlungen zeigt er dann sein Geschick – da kommt ihm seine Mentalität entgegen, Verhandlungspartner zu Übereinkünften zu bewegen.

-Trotzdem fragen sich viele: Wie schaffen es die chronisch klammen Löwen Nationalspieler wie Kiraly, Cooper oder Lovin nach München zu locken?

Locken klingt mir zu negativ. Das ist Überzeugungsarbeit. Alle Verhandlungen sind schwierig, und manchmal hab ich mir währenddessen gedacht: Mein Gott, wenn die nur halb so gut spielen, wie sie jetzt verhandeln, können wir uns beglückwünschen. Aber da spielen viele Dinge eine Rolle. Schauen Sie: Ein Florin Lovin hat einen neun Monate alten Sohn. Der überlegt sich gut, wo sein Kleiner aufwachsen soll, und da hat München einen klaren Standortvorteil – von der Qualität der Kinderbetreuung, des Schulsystems, von ganz vielem. Das mag auch bei einem Familienmensch wie Kiraly eine Rolle gespielt haben.

-Sie sprechen gerne von „kreativen Lösungen“. Was fällt noch darunter?

Tauschhandel, Leihgeschäfte, Verträge, die an bestimmte Ziele gekoppelt sind, etwa an den Aufstieg. Man muss schon die ganze Klaviatur durchspielen, um am Ende den richtigen Ton zu finden, der alle zusammenführt.

Tour durchs Grünwalder Stadion

Fotostrecke

-Ist die Finanzierung des Etats gesichert, egal wie die Saison verläuft?

Das ist ja die Grundvoraussetzung für die Lizenzerteilung. Wir haben jede Menge Sparmaßnahmen ergriffen, zugleich an der Erlösschraube gedreht, dazu kommen die Transfers von Johnson und Lars Bender. Wenn Sie das alles zusammennehmen, kommen Sie schon auf eine ganz erkleckliche Summe.

-Ein gewisses Risiko nehmen Sie aber in Kauf.

Man darf nicht vergessen: Wir hatten die strategische Notwendigkeit, zu investieren. Wie will man dem wirtschaftlichen Krebsgang wirksam entgegen wirken, wenn Sie keine sportliche Qualität abliefern? Insofern war das ein Gebot der Stunde: Wenn Sie einen vernünftigen Kader haben, schön und erfolgreich spielen, kommen mehr Leute in die Arena. Wenn mehr Leute kommen und die Tickets zu deutlich erhöhten Preisen kaufen, kommt mehr Geld rein. Alles was wir unternommen haben, dient nur dem Zweck, erfolgreich zu sein, und zwar sportlich und wirtschaftlich gleichermaßen.

-Relativ geräuschlos ist es Ihnen auch gelungen, den Verwaltungsapparat zu verschlanken. Langjährige Angestellte wurden verabschiedet, die Stellen intern neu besetzt. Sind auf diese Weise auch ein paar Störfaktoren ausgeschieden? Alles wirkt sehr harmonisch im Moment.

Wissen Sie: Wenn Sie die Ziele eines Unternehmens neu definieren, definieren Sie auch das Arbeitsprogramm neu. Und wer viel Spaß an der Arbeit hat, hat nicht viel Zeit, den Arbeitsprozess zu stören. Das Empfinden, dass jetzt ein Aufbruch passiert, trägt dazu bei. Dass sich gelegentlich Stellenwechsel ergeben, ist auch normal, das gehört zu jedem Unternehmen dazu.

-Eines ihrer obersten Ziele war die Nachverhandlung der Catering-Verträge in der Allianz Arena, Sie wollten Bayern-Manager Uli Hoeneß sogar einen Brief schreiben. Wie ist der aktuelle Stand?

Der aktuelle Stand ist, dass ich grundsätzlich das tue, was ich ankündige. Vereinbart ist aber, dass wir die Diskussion über die Arena-Kosten nicht öffentlich führen werden.

-Hat Hoeneß auf Ihren Brief geantwortet?

Wie gesagt: Wir haben Stillschweigen vereinbart.

-Parallel dazu wurde eine „Projektgruppe Stadionzukunft“ gegründet. Gibt’s schon Ergebnisse?

Diese Projektgruppe, die erfreulicherweise sehr sachlich mit dem emotionalen Thema umgeht, wird voraussichtlich im September, spätestens im Oktober Ergebnisse vorlegen.

-Ist es Zufall, dass sich eine größere Löwen-Abordnung kürzlich die neue, für 50 Millionen Euro erbaute Augsburger Arena angeschaut hat?

Man interessiert sich immer dafür, was der Mitbewerber tut. Aber es ist doch klar: Das Präsidium hätte keine Projektgruppe eingerichtet, wenn nicht auch Alternativen zur spielerischen Heimat geprüft werden sollen. Insofern macht es Sinn, gerade Neubauprojekte zu besichtigen und in die eigenen Überlegungen mit einzubeziehen.

Ein Blick in die Impuls Arena in Augsburg

Fotos

-Darf der Fan also träumen, dass irgendwann ein eigenes Stadion entsteht?

Träumen ist grundsätzlich gut – und erlaubt.

-Der vorzeitige Verkauf von Lars Bender hat für Irritationen gesorgt. Trainer Lienen wünscht sich Ersatz, Sportchef Stevic sagt Nein.

Das ist doch ein wunderbares Beispiel für die Lernbereitschaft der handelnden Personen. Beharren hilft nichts, Flexibilität ist angesagt. Ich gehe davon aus, dass die Sportliche Leitung eine hochwertige Lösung gefunden hat, um auch ohne Lars Bender auszukommen.

-Immer wieder wird behauptet: Diese Saison muss 1860 aufsteigen, sonst gehen die Lichter aus. Eine richtige Annahme?

Nein, die Lichter gehen nicht aus. Die Flamme muss dann nur ein wenig kleiner geschaltet werden. Dann muss man den Dimmer betätigen. Es wäre zu leichtfertig, wenn wir alles auf eine Karte setzen würden. Glauben Sie uns: Wir haben in alle Verträge die Reißleine mit eingebaut.

Interview: Uli Kellner

Auch interessant

Kommentare