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Ernst Tanner rechnet ab: „Jugend nicht mehr erwünscht“

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Bei den Fans hat Ernst Tanner einen Stein im Brett: Am Samstag bei der Aktion XXX-Tausend (10 757 Fans im Sechzger) wurde der Nachwuchs-Leiter, der 15 Jahre bei 1860 arbeitete, gebührend geehrt. © sampics

München - Ruhige Pfingsttage? Nicht bei 1860. Erst die polizeilichen Ermittlungen gegen Mate Ghvi­nianidze und dann auch noch Ärger um den nach Hoffenheim abgewanderten Nachwuchs-Boss Ernst Tanner (42), der der 1860-Führung schwere Fehler vorwirft.

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„Mir war wichtig, dass die Leute wissen, warum meine Planungen nicht mit denen von 1860 vereinbar sind“, sagte Tanner zur tz. In der SZ hatte er am Samstag seine Motive dargelegt. Demnach sei der „Hauptgrund“ seines Abschieds, „dass wir konzeptionell nicht weiterkommen.“

Konkret: Zum einen würden Jugendliche bei 1860 verheizt (Beispiele: Ziegenbein Burkhard Mlapa), zum anderen „weit unter Wert“ verkauft (Träsch, Baumgartlinger, Schick).

„Bei 1860 zählen nur Emotionen, keine Strategien“, sagt Tanner. „Mit einer langfristigen Strategie kann man hier nichts erreichen.“ Gerade jetzt nicht mehr, da Miroslav Stevic das Regiment führt. Aus seiner Geringschätzung für den Serben macht Tanner keinen Hehl. So habe er dem Präsidium vorgeschlagen, einen „gescheiten Sportdirektor“ zu holen (Jörg Schmadtke oder Christian Hochstätter). Dem hätte er „gern zugearbeitet im Übergangsbereich, dass man die Ausbildung der jungen Spieler verbessert.“

Unter Stevic sei die Jugend dagegen „nicht mehr gewünscht“, bei der Nachwuchsentwicklung werde weiter eingespart: „300 000 Euro weniger allein beim Gehalt in der U 23 und U 19.“

Starker Tobak. Zumal Tanner Geschäftsführer Manfred Stoffers damit bewusste Täuschung unterstellt. Stoffers hatte bei der jüngsten Abteilungsversammlung versprochen, der Jugendetat werde nicht gekürzt. Tanners Kommentar: „Was da gesagt wird, ist Schall und Rauch.“

Wie reagiert 1860? Stoffers tat sich Sonntag schwer, seine Wut zu kanalisieren. Tanners Abrechnung sei „stilloses, selbstgefälliges Stammtischgerede und ein Ausdruck von Bitterkeit und Frustration“, der Vorwurf der Täuschung haltlos. „Tanner nennt Planungszahlen, reißt Dinge aus dem Zusammenhalt, das ist unseriös!“, schimpft Stoffers – und beteuert: „Es ist unser erklärtes Ziel, die Qualität der Jugendarbeit nicht nur zu halten, sondern zu steigern, soweit dies wirtschaftlich möglich ist. Die Jugendarbeit wird ein Profit Center von 1860 bleiben!“

Tanners Nachfolge wird gesplittet. Den organisatorischen Part wird Ralf Greif übernehmen, bisher Seniorberater bei der contec Gesellschaft für Organisationsentwicklung in München. Als sportlicher Leiter war zuletzt U 17-Europameister-Coach Marco Pezzaioli im Gespräch. Doch der verdient beim DFB rund 20 000 Euro im Monat, für 1860 zu teuer. Immerhin: Erste Zugänge sollen zeitnah präsentiert werden. Laut Trainer Ewald Lienen bis zu vier Stück. Man darf gespannt sein.

Ludwig Krammer

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