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Über Eitting und Freising zum TSV 1860 München: Stefan Lex lebt den Traum vom Profi

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Von: Wolfgang Krzizok

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Volltreffer: Stefan Lex bejubelt im ausverkauften Grünwalder Stadion einen Treffer für den TSV 1860 München.
Volltreffer: Stefan Lex bejubelt im ausverkauften Grünwalder Stadion einen Treffer für den TSV 1860 München. © Renate Feil /M.i.S.

Die Stationen Eitting, Freising, Buchbach, Fürth und Ingolstadt führten Stefan Lex tatsächlich zum TSV 1860 München – aber der Weg dorthin war nicht leicht.

Eitting – Als Stefan Lex in Eitting die Grundschule besucht hat, schrieb er in sein Poesiealbum unter dem Punkt, was er einmal von Beruf werden will: „Ich möchte Fußballprofi werden.“ Das las sein Lehrer Paul Hilger und schrieb dazu: „Ich wünsche dir, dass dein Traum in Erfüllung geht.“

Erster Coach: Harry Kronthaler trainierte Stefan Lex in der Eittinger F 3.
Erster Coach: Harry Kronthaler trainierte Stefan Lex in der Eittinger F 3. © Privat

Mit drei Jahren möchte Stefan Lex beim FC Eitting ins Training gehen, doch Trainer Rudi Westermaier schickt ihn weg. „Ich bin zu klein, hat er gesagt, und so bin ich unter Tränen wieder gegangen“, erinnert sich der heute 31-Jährige. Nur ein paar Wochen später ruft Nachwuchscoach Harry Kronthaler eine F 3-Mannschaft ins Leben, in der auch die kleineren und jüngeren Fußballer mitkicken dürfen – allen voran Stefan Lex. Der bleibt bis zur D-Jugend bei seinem Heimatverein und fällt schon damals aufgrund seiner enormen Schnelligkeit auf. Er absolviert ein Probetraining bei seinem Lieblingsverein TSV 1860, wechselt dann aber in die C-Jugend zum SE Freising. „Ich habe damals in der Auswahl gespielt, da waren viele Freisinger im Team, und SEF-Trainer Hans Haas hat mich überredet“, erinnert sich Lex.

Keine Chance in der Schulmannschaft aufgrund seiner Größe

Trotz aller fußballerischen Ambitionen ist dem Eittinger eine gute Schulbildung wichtig, und er besucht das Erdinger Anne-Frank-Gymnasium. Dort folgt der nächste Tiefschlag. „Ich bin nicht für die Schulmannschaft genommen worden“, erzählt er lachend. „Der Sportlehrer, der damals auch Trainer war, hat gemeint, ich bin zu klein und nicht gut genug.“

Lieblingsverein: Stefan Lex war schon als Kind ein großer Löwen-Fan.
Lieblingsverein: Stefan Lex war schon als Kind ein großer Löwen-Fan. © Privat

Tendenziell habe er in den Folgejahren in Freising als jüngerer Jahrgang immer in der Zweiten gespielt, „und als älterer Jahrgang war ich auch nicht unbedingt Stammspieler“. Deshalb will er auch nicht zum TSV 1860 wechseln, als dieser anfragt. „Ich habe es mir nicht zugetraut“, bekennt Lex.

Als er in der Freisinger A 2-Jugend spielt, werden immer wieder einige seiner Kameraden in die A 1 hochgezogen. Allerdings ausschließlich Abwehrspieler, während Lex Stürmer ist. „Dann habe ich halt Linksverteidiger gespielt, und schon war ich in der A 1“, sagt er lachend. Freising steigt aus der A-Jugend-Bayernliga ab, und die Vereinsführung bestimmt, dass der ältere A-Jugendjahrgang bei den Herren in der Bezirksoberliga reinschnuppern soll. Trainer ist Günther Leipold. „Ich saß dann bei einem Punktspiel auf der Bank, ohne dass ich vorher mit der Mannschaft trainiert habe, und ich habe auch keinen gekannt“, erinnert sich Lex, als er als 17-Jähriger erstmals zum Herren-Kader gehört. „Dann hat mich der Trainer eingewechselt, und ich habe mit dem ersten Ballkontakt ein Tor geschossen.“ Und es geht so weiter: „Beim zweiten Spiel in Eichstätt bin ich in der Halbzeit eingewechselt worden und habe in der 46. Minute getroffen.“ Ab diesem Zeitpunkt zählt der Eittinger fest zum SEF-Kader und kommt auf insgesamt zehn Tore. Im Jahr darauf, seinem ersten offiziellen Herren-Jahr, trifft er 20 Mal.

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Stefan Lex macht das Abitur, wechselt zum Bayernligisten TSV Buchbach und leistet parallel dazu seinen Zivildienst bei den Maltesern in Erding ab. Danach nimmt er an der FH in Erding ein Sportmanagement-Studium auf. Dabei absolviert er unter anderem ein halbjähriges Praktikum beim Bayerischen Fußball-Verband (BFV) und ist in unmittelbarer Zusammenarbeit mit dem Präsidenten und dem Geschäftsführer tätig. In dieser Zeit wird gerade das Konzept für die Regionalliga Bayern entwickelt. „Das war sehr interessant und spannend, die Entwicklung dort hautnah mitzuerleben“, erzählt Lex begeistert.

Sportlich läuft es in Buchbach im ersten Jahr stockend. „Beim TSV war ich anfangs der klassische Joker, nie unumstrittener Stammspieler und hatte auch oft muskuläre Probleme“, erzählt Lex. „Und wenn ich gespielt habe, dann auf der Außenbahn und nie wirklich Stürmer.“ Doch dann verletzt sich Top-Stürmer Thomas Breu in der Vorbereitung, „und auf einmal war ich vorne drin“, sagt Stefan Lex, der im Angriff seinen Turbo zündet und in den 20 Spielen bis zur Winterpause 16 Tore schießt. Unter anderem schließt er gegen Bamberg ein Solo über den ganzen Platz eiskalt ab: „Eins meiner schönsten Tore.“ Dreieinhalb Jahre bleibt er beim TSV, Krönung ist in der Saison 2011/12 der Aufstieg in die Regionalliga.

Von Buchbach zu Greuther Fürth in die 2. Mannschaft

Seine Entwicklung bleibt auch den Spielerberatern nicht verborgen, die beim jungen Eittinger anfragen. Michael Koppold macht schließlich das Rennen, der unter anderem Stefan Aigner, Felix Uduokhai, Thomas Broich und Daniel Bierofka in seinem Portfolio hat. Er organisiert ein Probetraining bei den Münchner Löwen. „Trainer Alex Schmidt hätte mich gerne gehabt, aber das Management um Florian Hinterberger wohl nicht, denn sie haben sich nie mehr gerührt“, erinnert sich Lex. „Aber dafür hat Präsident Hack von Greuther Fürth persönlich angerufen.“

Stefan Lex (l.) im Interview mit EA-Sportredakteur Wolfgang Krzizok.
Stefan Lex (l.) im Interview mit EA-Sportredakteur Wolfgang Krzizok. © Hans Moritz

Der Eittinger wechselt in der Winterpause zu den Franken, die in der Bundesliga schon abgeschlagen sind. Er soll sich ein halbes Jahr in der 2. Mannschaft eingewöhnen und dann fester Bestandteil der Ersten werden – so plant es Cheftrainer Mike Büskens. Als der entlassen wird, übernimmt kurzzeitig Ludwig Preis, Coach der Zweiten, und setzt den Neuzugang im Bundesligateam auf die Bank. Doch dann kommt mit Frank Kramer (jetzt Arminia Bielefeld) ein neuer Trainer, „und da habe ich keine Rolle mehr gespielt“, erzählt Lex.

„Nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga war ich in der Vorbereitung dabei und habe auch nicht schlecht gespielt, stand danach aber nie im Kader, und in der Winterpause hieß es, ich könne mir einen neuen Verein suchen.“ Lex unterschreibt am nächsten Tag beim abstiegsbedrohten FC Ingolstadt (Platz 16), „und die Fürther waren sauer, weil ich zum Ligakonkurrenten gegangen bin“, blickt er lachend zurück.

Nominierung für das Tor des Monats und Arbeiten am Bachelor

Warum es so schnell geht? „Der Ingolstädter Sportdirektor Thomas Linke hat beim Spiel Fürth 2 gegen den FC Bayern 2 zugeschaut, da habe ich beim 3:2-Sieg einmal getroffen und eins aufgelegt“, berichtet Lex. „Und da hat er zu meinem Berater gesagt, er würde mich gerne verpflichten, wenn ich zu haben bin.“ Und das war er dann. Zwischen ihm und FCI-Trainer Ralph Hasenhüttl stimmt die Chemie auf Anhieb. „Er hat gesagt: ,Der ist schnell, den brauche ich für mein Spiel’“, erzählt der Eittinger. „In Fürth habe ich mich immer wie die Nummer 25 gefühlt. In Ingolstadt hatte ich ein ganz anderes Standing. Ich hatte immer das Gefühl: Da gehöre ich dazu.“ Darüber hinaus schreibt er in dieser Zeit seine Bachelorarbeit.

Ein Moment für die Ewigkeit: Stefan Lex und sein Trainer Ralph Hasenhüttl bejubeln im Mai 2015 den Aufstieg des FC Ingolstadt in die Bundesliga, den der Eittinger mit dem 2:1-Siegtreffer gegen RB Leipzig perfekt gemacht hat.
Ein Moment für die Ewigkeit: Stefan Lex und sein Trainer Ralph Hasenhüttl bejubeln im Mai 2015 den Aufstieg des FC Ingolstadt in die Bundesliga, den der Eittinger mit dem 2:1-Siegtreffer gegen RB Leipzig perfekt gemacht hat. © Armin Weigel

Beim Punktspielauftakt in Karlsruhe fehlt Stefan Lex („Magen-Darm-Geschichte – von der Frau bekommen“), also gibt er sein Profidebüt in Ingolstadt ausgerechnet gegen seinen Lieblingsverein, den TSV 1860 München. Der FCI gewinnt vor ausverkauftem Haus 2:0. Am Ende landen die Schanzer auf Platz zehn – und steigen in der darauffolgenden Saison 2015/16 völlig überraschend auf. Stefan Lex macht 29 von 34 Spielen und schießt zusammen mit Lukas Hinterseer die meisten Tore (9). Zwei sind ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben. „Das war zum einen gegen Darmstadt ein Volleyschuss aus 18 Metern, der wurde sogar zum Tor des Monates nominiert.“ Zum anderen der entscheidenden Treffer zum 2:1 gegen RB Leipzig – damit war Ingolstadts Aufstieg in die Bundesliga besiegelt.

In seiner ersten Bundesliga*-Saison läuft es gut. Aber er ärgert sich einmal maßlos über sich selbst. „Beim Spiel gegen die Bayern in der Allianz Arena stand ich beim Stand von 0:0 zweimal allein vor Manuel Neuer und hab den Ball nicht reingebracht. Wir hätten gewinnen können, so haben wir dann aber 0:2 verloren.“ Die Schanzer halten überraschend die Liga, aber Coach Hasenhüttl wechselt zu RB Leipzig. Markus Kauczinski übernimmt, wird aber nach zehn Spielen und nur zwei Punkten durch Maik Walpurgis ersetzt. „Da ist es dann für mich nicht mehr so gut gelaufen, und ich habe nicht mehr so oft gespielt, insgesamt bin ich vielleicht auf zehn Einsätze gekommen“, stellt der Eittinger fest. Sportdirektor Angelo Vier holt viele neue Spieler, „und da hatte ich das Gefühl, dass die auch spielen müssen, und ich eben nicht mehr“.

Angebot vom KSC abgelehnt aus persönlichen Gründen abgelehnt

Lex beschließt, sich einen neuen Club zu suchen. „Aus Karlsruhe hatte ich ein Angebot, aber da hätte ich umziehen müssen.“ Das hatte der Eittinger in seiner Laufbahn nur einmal gemacht: „Als ich in Fürth war, habe ich in Nürnberg gewohnt.“ Prompt lernt er dort seine Frau Claudia, eine waschechte Fränkin, kennen. „So habe ich aus meiner Fürther Zeit auch was Positives mitgenommen“, sagt Lex lachend. Seine Frau, die vorher in Ansbach beschäftigt war, zieht zu ihrem Mann nach Eitting und arbeitet im Landratsamt Erding. 2018 ist das eigene Haus fertig, 2020 kommt Sohn Raphael zur Welt und komplettiert das private Glück.

Die große Chance: Mit dem FC Ingolstadt in der Allianz Arena hat Stefan Lex das 1:0 auf dem Fuß, scheitert aber an Manuel Neuer – der FC Bayern gewinnt 2:0.
Die große Chance: Mit dem FC Ingolstadt in der Allianz Arena hat Stefan Lex das 1:0 auf dem Fuß, scheitert aber an Manuel Neuer – der FC Bayern gewinnt 2:0. © imago sportfotodienst

Das sportliche Glück findet Stefan Lex beim TSV 1860. Trainer Daniel Bierofka will den pfeilschnellen, 1,78 Meter großen Stürmer haben, „und ich wollte immer schon bei den Löwen spielen“, erzählt er. Was ihm bei den Löwen besonders gefällt: „Da halten alle zusammen, es ist ein guter Haufen und eine einheimische Truppe.“ Was er als sehr angenehm empfindet: „Bei uns ist die Kabinensprache Deutsch beziehungsweise Bairisch. Da entsteht einfach ein ganz anderes Zusammengehörigkeitsgefühl.“

Legendär sind auch die Schafkopfrunden, die der Eittinger organisiert. „Das ist allerdings jetzt schwieriger geworden, weil wir mit Ziereis und Böhnlein zwei wichtige Spieler verloren haben.“ Marco Hiller und Stephan Salger führe er gerade in die Geheimnisse des Schafkopfens ein. „Die müssen aber noch viel lernen, deshalb spielen wir auch nicht um Geld.“ Momentan gehe der Trend im Team ohnehin mehr zu Brettspielen. „Da sind wir dann oft zu sechst oder mehr beteiligt und können auch die Jungen mitnehmen, das ist cool“, schwärmt der 31-Jährige. Ist er einer der Leader im Team? „Ich bin keiner, der am Platz rumschreit, ich habe meine Führungsrolle eher in der Kabine“, betont Stefan Lex.

Sein Ziel mit den Löwen: Aufstieg in die 2. Bundesliga

Sehr große Stücke hält der Eittinger auf Trainer Michael Köllner. „Ein sehr durchdachter, akribischer, sehr detailverliebter Mann, der uns sehr gut auf den Gegner einstellt“, lobt der Stürmer. „Ich persönlich komme super mit ihm aus.“ Stefan Lex findet es schade, dass der Aufstieg heuer nicht geglückt ist: „Das wäre das i-Tüpfelchen auf die Saison gewesen.“ Er selbst sei mit seiner Leistung insgesamt zufrieden gewesen, gibt sich aber auch selbstkritisch: „Zu wenig Tore geschossen, zu wenig aufgelegt. Das muss in der neuen Saison besser werden.“ Seine persönliche Löwen-Bilanz bisher: 94 Spiele, 16 Tore, 21 Vorlagen.

Privates Glück: Stefan Lex mit seiner Frau Claudia und Sohn Raphael.
Privates Glück: Stefan Lex mit seiner Frau Claudia und Sohn Raphael. © Privat

Der Eittinger steht beim TSV 1860 noch ein Jahr unter Vertrag. Was kommt danach? „So lange ich gesund bin und es mir Spaß macht, möchte ich weitermachen und meine Laufbahn irgendwann bei den Löwen beenden“, betont er. Und dann Spielertrainer bei seinem Heimatverein FC Eitting, wo er ja aufgrund seiner guten Kontakte ohnehin schon seit Jahren in die Kaderplanung involviert ist? „Wenn man mich vor zehn Jahren gefragt hätte, dann hätte ich gesagt: Auf jeden Fall. Aber heute weiß ich es nicht“, stellt der 31-Jährige fest. „Denn seit meinem vierten Lebensjahr richten sich meine Wochenenden nach dem Fußball.“ Er sehe entspannt in die Zukunft, habe er doch ein abgeschlossenes Studium. „Aber jetzt bin erst einmal noch Spieler, möchte in die 2. Bundesliga aufsteigen, und dann schauen wir mal, wie es weitergeht.“

Als sein Grundschullehrer Paul Hilger 2020 in Ruhestand geht, schenken ihm Weggefährten ein Abschiedsbuch. Stefan Lex klebt ein Foto vom alten Poesiealbum-Eintrag hinein, versehen mit einer persönlichen Widmung. Hilger freut sich und sagt stolz zu seinem ehemaligen Schüler: „Dein Traum ist wahr geworden – und jetzt bist auch noch Profi bei meinem Lieblingsverein.“

(Wolfgang Krzizok)

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