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Der unbezähmbarste Löwe

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- München - Die Fans von Francis Kioyo müssen sich noch ein wenig gedulden. Unter www.kioyo.de erscheint in diesen Tagen nur der sachdienliche Hinweis: "Sie sehen hier eine soeben freigeschaltete Homepage. Es sind noch keine Inhalte hinterlegt worden." Dass sich dies schon bald ändern wird, erfahren Interessierte im Gästebuch von Kioyos Mitspieler www.andreasgoerlitz.de: "Hallo", ließ der Kameruner dort eintragen, "nächste Woche geht auch meine Website online!"

Vermutlich ist es kein Zufall, dass Kioyo (24) gerade jetzt online geht, wo er zwei Spiele hintereinander an der Seite von Benny Lauth bestritten hat und sich anschickt, dauerhaft die Nummer zwei im Angriff des TSV 1860 zu werden. Noch vor kurzem hatte es wenig Anlass für einen virtuellen Auftritt gegeben: In der Personalakte des dunkelhäutigen Löwen-Angreifers waren bis zur Winterpause ähnlich wenig Inhalte hinterlegt wie auf seiner Internet-Baustelle: Fünf Einsätze von Beginn an, sieben Einwechslungen nach der 70. Minute, zwei Tore - eine eher bescheidene Zwischenbilanz für einen, der von sich behauptet: "Ich kann vorne alles spielen."

Der Diplomatensohn spricht fünf Sprachen

Kioyo hat ein gutes halbes Jahr gebraucht, um seinen Trainer von dieser Selbsteinschätzung zu überzeugen. Als Falko Götz im März 2003 bei den Löwen antrat, schien er wenig überzeugt zu sein von den Qualitäten des schlaksigen Angreifers. Es ist kein Geheimnis, dass Götz nicht sehr erpicht darauf war, den damals noch beim 1. FC Köln beschäftigen Kioyo zu übernehmen, wie zu Peter Pacults Zeiten verabredet. Hätte sich ein Verein gefunden, der den intelligenten Diplomatensohn (Kioyo spricht fünf Fremdsprachen) ablöst, wären Kioyo keine Steine in den Weg gelegt worden. Mangels Alternativen trat er seinen Dienst bei 1860 dann aber doch an, räumte am ersten Tag die Differenzen mit dem Trainer aus und erhielt faire Startbedingungen. "Francis fängt wie alle im Kader bei Null an", sagte Götz damals.

Schritt für Schritt hat sich Kioyo dann in der Stürmer-Hierarchie nach vorne gearbeitet, bis er zur allgemeinen Überraschung beim Rückrundenstart auch Kapitän Markus Schroth verdrängt hatte. "Es wird Härtefälle geben", sagte Götz nach dem Wintertrainingslager, "und der Francis lag vielleicht eine Nuance vor dem Paul (Agostino) und dem Markus." In den Augen des Trainers hat Kioyo seine Aufstellung gerechtfertigt. "Er ist schnell, setzt seinen Körper gut ein, und er ist ein Typ, der immer fightet", lobt Götz den unbezähmbarsten seiner Löwen. Lediglich in der Disziplin, auf die es eigentlich ankommt, zeigt Kioyo Schwächen: "Er muss die Chancen, die er hat, nutzen." Gegen den FCK gelang ihm zwar ein spektakuläres Tor mit der Hacke, doch wegen eines angeblichen Foulspiels versagte Referee Trautmann dem Treffer die Anerkennung.

Für Kioyo kein Grund, sich entmutigen zu lassen. Er ist es gewöhnt, dass er sich jede Anerkennung hart erarbeiten muss, so war es bislang auch im Nationalteam: Nach zwei Einsätzen für die unzähmbaren Löwen im Frühjahr 2002 herrschte Funkstille, doch es gibt Hoffnung, dass auch in diese Baustelle bald wieder Bewegung kommt. Nach Kameruns Aus beim Afrika-Cup und dem Rücktritt von Stürmerstar Mboma stehen Kioyos Chancen im Hinblick auf die WM 2006 besser denn je. Der Anruf von Winnie Schäfer wird nicht lange auf sich warten lassen, und zur Not steht dem Nationaltrainer auch ein anderer Kommunikationsweg zur Verfügung. Der Webmaster von kioyo.de teilt mit: "Per E-Mail sind wir bereits erreichbar."

@ www.andreasgoerlitz.de, www.kioyo.de


 

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