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Löwen Präsident Rainer Beeck

TSV 1860

„Unsere Identität steht nicht auf dem Spiel“

München – Löwen-Präsident Rainer Beeck über Mitgliederzahlen, ein neues Stadion und die Zukunft Stefan Reuters

- Wie viele Neumitglieder aus Ihrem Freundesund Bekanntenkreis haben Sie schon geworben?
Bisher acht. Ich hoffe, dass es am Wochenende neun werden. Und ich denke mal, dass das Pokalspiel in Hamburg noch den einen oder anderen begeistern könnte.

- Wie ist der Stand?
Wir haben im August mit der Aktion „Mein Verein für alle Zeit“ angefangen. Derzeit haben wir 20 079 Mitglieder. Das heißt, erstmals seit zwei Jahren sind wir wieder über der 20 000er-Grenze. Mit der Kampagne haben wir 525 Neumitglieder gewonnen, seit Beginn unserer Amtszeit knapp 800. Wir haben eine Trendwende geschafft.

- Wie lautet das Ziel?
Wir haben die Zahlen mal geschichtlich zurückverfolgt. Anfang des 20. Jahrhunderts lagen wir bei über 40 000. Interessanterweise waren das überwiegend Turner und Leichtathleten. Heute würde ich gerne das Ziel formulieren, Ende 2010, also am Ende unseres 150-jährigen Vereinsjubiläums, bei 25 000 zu liegen. Das ist ehrgeizig.

-Geht es bei der Aktion in erster Linie um Identität oder um einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen?
Natürlich wollen wir unsere Anhänger stärker binden. Sie sollen wichtige Informationen zeitnah bekommen, Gelegenheiten haben, um an Aktionen teilzunehmen, z.B. an Gewinnspielen. All das, was wir in der Pipeline haben.

- In den letzten Jahren, sei es beim Thema Stadion oder dem Verhältnis zum FC Bayern , hatten manche Fangruppen den Eindruck, die Identität des Vereins stünde auf dem Spiel.
Sie steht nicht auf dem Spiel, aber natürlich würde ich gerne erreichen, dass wir unsere Mitglieder noch genauer kennenlernen. Das hat auch mit Marktforschung zu tun. Wenn ich meine Mitglieder kenne, kann ich sie gezielter ansprechen. Ich kann nicht nur Informationen vermitteln, sondern auch Bedürfnisse abfragen.

- Eine nicht ganz kleine Zahl von Fans hat das Bedürfnis, der Allianz Arena den Rücken zu kehren.
Wir sind mittendrin in den Überlegungen. Es sind zwei Aspekte: Eine ganz einfache wirtschaftliche Überlegung und unabhängig davon die Frage der Identität. Wir müssen schauen, dass wir das eine nicht mit dem anderen überlagern. Zum jetzigen Zeitpunkt bringen wir ein neues und eigenes Stadion mit einer deutlich kleineren wirtschaftlichen Belastung als in der Alianz Arena nicht hin. Das müssen wir Schritt für Schritt machen. Es gibt keinen in der Managementriege, der sagt: „Ich verzichte auf die Umsetzung der Vereinsidentität. Ich will nicht irgendwann ein eigenes Stadion.“ Aber das Irgendwann muss ganz deutlich im Vordergrund stehen. Zu einem Zeitpunkt, wo wir uns das leisten können. Bis dahin werden wir alles tun, um unsere Kostenpositionen in den Griff zu kriegen.

- Parallel dazu sucht 1860 einen Investor. Gibt es Fortschritte?
Ich bin optimistisch, wobei wir erst etwas verkünden, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist. Sozusagen konservativ optimistisch.

- Ihre Kalkulation vor einigen Monaten beruhte auf einem Wert von 2,5 Millionen Euro für zehn Prozent der KGaA-Anteile. Wenn schon immer von dem berühmten strukturellen Defizit die Rede ist, ist so eine einmalige Summe wirklich eine strukturelle Problemlösung?
Wir haben zwei Hausaufgaben. Das aktuelle Defizit (Anm.: rund drei Millionen Euro jährlich) muss runtergefahren werden – durch Optimierungsmaßnahmen auf Kosten- und Ergebnisseite. Ein Investor wird sich nur dann für uns entscheiden, wenn das Kapital für Spieler zur Verfügung steht. Nicht zur Schuldentilgung.

- Ein zeitlich drängenderes Thema ist die Zukunft Stefan Reuters.
Sein Vertrag kann bis Ende März gekündigt werden, ansonsten läuft er bis 2010. Wir werden darüber in näherer Zukunft reden.

- Fühlen Sie sich zeitlich unter Zugzwang?
Bis Ende März ist ja noch ein bisschen hin. - Aber Sie planen ja auch mittelfristig. Sicher. Wir haben natürlich eine klare Vorstellung und verfolgen eine Strategie, die sich an einigen Fixpunkten orientiert. Es gibt Situationen, wo man schnell, und solche, wo man weniger schnell reagieren kann. Wichtig ist, dass wir eine langfristige Planung verfolgen können.

- Als Reuter und Stefan Ziffzer 2006 kamen, war die Lage bei 1860 prekär und die Geschäftsführung erhielt weitreichende Freiheiten. Könnte es in den Vertragsgesprächen um eine Neudefinition dieser Freiheiten gehen?
Damals waren die Aufgaben auf die Kombination Ziffzer/ Reuter zugeschnitten. Jetzt haben wir ein Dreiergremium in der Geschäftsleitung. Von den Schnittstellen und Aufgaben gibt es vielleicht eine Anpassung. Aber mehr kann ich dazu nicht sagen.

- Das klingt, als ginge es eher nicht um die Frage einer Trennung, sondern darum, wie man für die Zukunft die Parameter anordnen kann.
Genau.

Das Gespräch führte Marc Beyer

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