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"Vielleicht geht noch was..."

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"Wir müssen siegen wollen - unbedingt und mit allen Mitteln!": Daniel Bierofka.
"Wir müssen siegen wollen - unbedingt und mit allen Mitteln!": Daniel Bierofka. © mol

München - Über ein Malheur wie kürzlich, als sich Daniel Bierofka beim Wohnzimmerkick mit Filius David (fast 3) eine Risswunde an der Ferse zuzog, kann der Löwen-Kapitän nur lachen. Vergeht wieder - und ist ein Klacks gegen jene 15 Operationen zuvor.

Nach dem vorerst letzten Eingriff - im Herbst an der Bandscheibe - ist Bierofka (wird am 7. Februar 30) wieder vollständig genesen und fiebert dem Rückrundenstart entgegen. Vor dem Heimspiel gegen Freiburg sprachen wir mit dem tapferen Dribbler.

-Herr Bierofka, Sie spielen mit Bänderriss, Fäden im Fuß, saßen in Rekordzeit nach ihrer Rücken-OP wieder auf der Bank. Wie fühlt man sich als Stehaufmännchen?

(lacht gequält) Jetzt wieder gut. Aufgeben gibt’s bei mir einfach nicht. Dafür spiele ich zu gerne Fußball.

-Die Fans lieben Sie für Ihr Kämpferherz. Ein bisschen Entlastung wäre aber sicher manchmal schön. Setzen Sie da auch auf die drei Neuzugänge?

Auf jeden Fall. Alleine von der Erfahrung eines Sascha Rösler werden wir profitieren. Der hat über 250 Zweitligaspiele - so was ist unbezahlbar für unsere junge Elf. Aber auch Stefan Aigner und Marvin Pourie sind auf jeden Fall Verstärkungen. Der Stefan ist jung, kann dribbeln und ist unberechenbar, wie man in Hamburg gesehen hat. Und der Marvin hat ein brutales Potenzial. Wir müssen die Qualität jetzt nur abrufen.

-In der Vorrunde hatte man den Eindruck, dass manchmal vor allem der Glaube an den Sieg fehlt. Richtig überlegen war selten ein Gegner. Fehlt den Löwen die Siegermentalität eines FC Bayern?

Ich denke, die Bayern sind einfach überzeugt von sich. Das hat man ja auch in Stuttgart wieder gesehen (beim 5:1 im Pokal/Red.). Die stehen auf dem Platz und wissen, dass sie das Spiel gewinnen. So müssen wir auch auftreten. Bei uns ist es teilweise so, dass wir ins Spiel gehen und erstmal schauen, wie wir reinkommen. Wenn’s gut läuft, machen wir ein gutes Spiel. Wenn’s nicht läuft, dann probieren wir’s halt noch irgendwie, aber vielleicht nicht mit der letzten Überzeugung.

-Lässt sich das lernen? Wie entwickelt man so ein "Löwen-Gen"?

Wie gesagt: Wir müssen siegen wollen - unbedingt und mit allen Mitteln. Das haben uns die großen Mannschaften noch voraus. Aber ich merke schon im Training, dass sich da was verändert. "Ideal wäre es, wir würden aufsteigen - und die Benders bleiben hier."

- Wer marschiert da voran? Sie wahrscheinlich, die Benders . . .

Von der Bereitschaft her kann man keinem einen Vorwurf machen, da ist jeder mit Eifer dabei. Das ist auch angesprochen worden in der Winterpause. Es ist eine Mentalitätsfrage: Jeder muss sich immer fragen, ob er alles gegeben hat, um zu gewinnen. Ich hoffe, dass wir das in der Rückrunde besser machen.

- Sie wurden mit dem Satz zitiert: "Sascha Rösler ist der Typ Drecksau, der dem Team gefehlt hat." Wie äußert sich das?

Außerhalb des Platzes ist der Sascha ein total ruhiger, umgänglicher Typ, aber als wir letztes Jahr gegen Gladbach gespielt haben, bin ich ein paar Mal mit ihm aneinander gerasselt. Der macht auf dem Platz auch mal den Mund auf, provoziert ein bisschen und kann den Gegner so aus dem Konzept bringen. Ich denke, Sascha tut uns mit seiner Art gut, weil wir vorher eine eher brave Mannschaft waren.

-Sind Sie der Meinung, dass der Verein den Weggang von Timo Gebhart gut kompensiert hat?

Der Timo ist ein guter Spieler, aber grundsätzlich darf eine Mannschaft nie von einem Spieler abhängig sein.

-Sie glauben also an den Plan, langfristig was aufzubauen? Oder fürchten Sie weitere Abgänge?

Entscheidend ist immer der Erfolg. Ich weiß nicht, ob das stimmt, was über die Benders geschrieben wurde - mir hat der Lars nicht gesagt, dass er wechseln will. Beide Benders haben bis 2011 unterschrieben, und das zeigt ja, dass sie sich hier wohl fühlen. Wir haben eine tolle Truppe und keine Stinkstiefel. Ich hoffe, dass das auch ein bisschen den Ausschlag gibt. Ideal wäre es, wir würden aufsteigen - und die Benders bleiben hier.

-Das neue, von Präsident Rainer Beeck formulierte Ziel lautet: "Einspielen für den Aufstieg 2010." Sind Sie froh, dass sich endlich mal ein Offizieller aus der Deckung wagt?

2010 ist mir eigentlich viel zu weit gegriffen. Einspielen oder so was gibt’s für mich nicht. Ich schau’ auf die Rückrunde, da will ich noch mal Vollgas geben, und vielleicht geht dann noch was . . .

-22 Punkte nach der Winterpause hatte auch Hoffenheim letztes Jahr. Macht es Mut, dass es schon mal eine Mannschaft geschafft hat, so einen Rückstand aufzuholen?

Man darf nicht vergessen, dass die für knapp 20 Millionen Obasi, Demba Ba und Eduardo geholt haben. Diese finanziellen Möglichkeiten haben wir nicht, obwohl wir uns auch gut verstärkt haben. Ich hoffe halt, dass wir von der Einstellung und vom Kopf her ein bisschen weiter sind - und dann die Punkte holen, die wir in der Vorrunde liegen gelassen haben.

-Allerdings sind es nach unten auch nur 8 Punkte.

Ich bin jemand, der positiv denkt. Ich gehe davon aus, dass wir am Sonntag gegen Freiburg gewinnen, und dann haben wir schon die Chance, oben noch mal hinzuriechen. Von angreifen will ich noch gar nicht reden. Natürlich kann man die ersten beiden Spiele auch verlieren, zumal es danach nach Mainz geht - aber daran will ich gar nicht denken. Dann hätten wir gegen Ahlen wieder Druck, und das kann mir ehrlich gesagt gestohlen bleiben.

Das Gespräch führte Uli Kellner

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