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Das Fotomotiv dieser Löwen-Tage: Torjäger Kevin Volland auf der Wiesn mit seiner Jugendliebe Katja.

Volland: „Wer abhebt, stürzt genauso schnell ab“

  • Uli Kellner
    vonUli Kellner
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München - Kevin Volland (19) spricht im Merkur-Interview über seinen Aufstieg bei 1860, den Vertrag mit Hoffenheim und die Opas, die alles archivieren.

Kevin, beim Wiesn-Termin am Dienstag waren Sie und Ihre Freundin Katja das begehrteste Fotomotiv neben Investor Hasan Ismaik. Wie behagt Ihnen die Rolle als Shootingstars?

Es ist schon ungewohnt alles. Aber mei, das ist nicht so schlimm. Meine Freundin ist da auch ziemlich relaxed. Dass viel Wirbel entsteht, wenn man Erfolg hat, ist normal, das ist doch bei allen Spielern so. Es kann genauso schnell wieder anders laufen.

Sie sprechen es an. In der Vergangenheit gab es bei 1860 tatsächlich einige Talente, denen der schnelle Erfolg zu Kopf gestiegen ist. Trainer Reiner Maurer, der wie Sie aus dem Allgäu stammt, äußerte die Zuversicht, dass Sie aufgrund Ihrer Herkunft weniger gefährdet sind. Berechtigt?

Auf jeden Fall. Dafür sorgen sie schon zu Hause: Mama, Papa, eigentlich alle.

Welche Tipps gibt Ihr Vater Andreas, der ein erfolgreicher Eishockey-Nationalspieler war?

Mein Papa sagt, dass Leute, die abheben, es einfach nicht schaffen. Dass man nichts davon hat, wenn man kurz mal oben ist und dann abstürzt.

Sie hatten eine kurze Sommerpause. Sind Sie überrascht, wie gut Sie die Dreifachbelastung mit U 23, Profis und DFB-Junioren weggesteckt haben?

Ich hatte gehofft, dass es so läuft. Die Erwartungshaltung war auf jeden Fall höher als letzte Saison. Ich hatte ja in der Rückrunde schon ein paar Tore gemacht, und man merkt dann, dass die Leute sagen: Der ist kein ganz junger Spieler mehr, der muss seine Leistung bringen. Aber damit kann ich gut umgehen. In Düsseldorf zum Beispiel war ich schlecht. Im nächsten Spiel muss dann eben eine Reaktion folgen.

Dass ein Löwen-Team nach acht Spieltagen 22 Tore auf dem Konto hat, gab es ein halbes Jahrhundert nicht. Was ist das Erfolgsrezept der viel besungenen Viererbande mit Ihnen, Benny Lauth, Daniel Halfar und Stefan Aigner?

Ein Grund ist, dass wir nach vorne viele Freiheiten haben. Die verdanken wir auch unseren Defensivblocks, der Viererkette und den zwei Sechsern, die super Arbeit leisten. Wenn wir hinten gut stehen, ergeben sich vorne automatisch die Räume.

Die Löwen auf der Wiesn: Bilder aus dem Hackerzelt

Die Löwen auf der Wiesn 2011: Bilder aus dem Hackerzelt

Ich denke, wir haben uns letzte Saison schon gut eingespielt. Jeder weiß genau, wie der andere spielt, das ist ein Riesenvorteil. Der Benny zum Beispiel hat überragende Laufwege. Wenn ich den Ball habe, dann schaue ich zuerst nach vorne und weiß genau, wie ich ihn anspielen muss. Ob ich den Ball durchstecke oder lieber in den Fuß spiele. Bei Halfi und Aiges läuft das genauso. Auch den Daniel Bierofka kann man jederzeit anspielen – da hat man schon sehr viele Möglichkeiten.

Hilft es, einen erfahrenen Mann wie Benny Lauth an seiner Seite zu haben?

Auf jeden Fall. Der Benny gibt einem viele Tipps. Beim Pressing sagt er zum Beispiel, wann wir draufgehen – oder wann wir uns zurückziehen und durchschnaufen, damit wir fünf Minuten später wieder Vollgas geben können.

Sie haben sechs Treffer erzielt und stehen mit drei anderen Spielern an der Spitze der Torjägerliste. Sind Sie ein Typ, der solche Arbeitsnachweise ausschneidet und archiviert?

(grinst) Muss ich gar nicht, das erledigt alles mein Opa. Das heißt: Meine beiden Opas. Die schneiden so ziemlich alles aus. Wenn ich mal alt bin, freut man sich über die ganzen Artikel. Aber klar: Ab und zu schaue auch ich mal in die Statistiken oder bei transfermarkt.de rein.

Haben Sie schon immer viele Tore geschossen?

In der Jugend war ich eher der Vorbereiter. Meistens hab ich dem Markus Ziereis (seinem langjährigen Löwen-Spezl und WG-Partner/d. Red.) die Tore aufgelegt. Und auch jetzt sehe ich mich nicht als klassischen Torjäger. Ich denke, ich bin flexibel und kann auf vielen Positionen spielen. Ich versuche natürlich, die Tore zu machen, freue mich aber genauso über einen Assist.

„Ich bin ’ne Kampfsau – wie Rooney“

Gibt es internationale Stars, an denen Sie sich orientieren?

Früher war der Michael Ballack mein Vorbild. Ich fand’s immer gut, wie er auf dem Platz aufgetreten ist, mit dieser Übersicht und Präsenz. Auch Zidane war ein überragender Fußballer, und man schaut natürlich auf Messi, wobei der von der Position eher zum Halfi passt (grinst).

Und welcher große Stürmer passt zu Ihnen?

Wayne Rooney vielleicht weil der auch so ’ne Kampfsau ist (schmunzelt). Aber bitte: Vergleichen braucht man uns nicht. Da liegen noch Welten zwischen ihm und mir.

Ihr Marktwert steigt aber kontinuierlich. Bei transfermarkt.de werden Sie schon mit 1,5 Millionen Euro beziffert. Findet man so eine Zahl abstrakt? Oder denken Sie: Dafür könnte man in Marktoberdorf, wo Sie herkommen, eine nette Villa bauen.

Das denken eher die Außenstehenden. Mich selber freut’s natürlich, dass mein Marktwert gestiegen ist, aber es muss halt auch weitergehen.

Für vergleichsweise bescheidene 600 000 Euro hat Sie der Verein in seiner Finanznot nach Hoffenheim verkauft – obwohl Sie zu diesem Zeitpunkt noch kein Zweitligaspiel von Beginn an bestritten hatten. Wie empfanden Sie das?

Hoffenheim hatte schon früher mal angefragt, also noch vor der großen Finanzkrise. Das Interesse ist dann stärker geworden, und im Januar ging alles ganz schnell. Das ist eine gute Adresse, also haben wir gesagt: Wenn’s beiden Seiten hilft, machen wir’s.

Bei Manager Volland spielen auch Kroos und Schweinsteiger

Wundert man sich da nicht?

Mir ist schon bewusst, dass da Herr Tanner (früher Nachwuchschef bei 1860, jetzt Manager bei 1899 Hoffenheim/Red.) eine Rolle gespielt hat. Der hat mich schließlich jahrelang beobachtet und wusste auch, wie ich als Mensch bin.

Sie gehen ja erstaunlich gelassen mit dem ganzen Thema um. Lässt sich das so einfach wegschieben, dieses Zwischen-den-Stühlen-Sitzen?

Ich mach mir da echt keinen Kopf. Ich hab jetzt noch bis November Zeit, dann wird die Entscheidung fallen, ob ich im Winter oder erst nach der Saison wechsele. Bis dahin spiele ich bei 1860 und nicht für Hoffenheim, und das will ich genießen.

Schlagen bereits zwei Herzen in Ihrer Brust?

Schon. Ich habe 1860 superviel zu verdanken. Andererseits gibt’s diesen Vertrag, und es geht ja auch um längerfristigen Erfolg. Für einen jungen Spieler ist es der nächste logische Schritt, in die Erste Liga zu gehen.

Ketzerisch gefragt: Trauen Sie das den Löwen das nicht zu?

Doch, auf jeden Fall. Ob’s dieses Jahr passiert oder erst in drei Jahren, das weiß man aber nicht.

Zusammen mit Teamkollegen spielen Sie ein virtuelles Managerspiel. Sind Sie da genauso erfolgreich wie als Spieler? Wer sind die Stars in Ihrem Team?

Ich hab Raphael Schäfer im Tor, hinten Subotic, dann Schweinsteiger, Toni Kroos, Farfan, Sven Bender . . . also schon eine sehr gute Mannschaft. Ich war auch bis letzten Spieltag Tabellenführer.

Wieviele Millionen würden Sie für sich bieten, wenn Sie ab 2012 als Erstligaspieler zu haben sind?

Ich selbst würde mich wahrscheinlich nicht kaufen. Ich glaube, dass andere für mich bieten würden.

Das Interview führten Uli Kellner und Armin Gibis

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