1. Startseite
  2. Sport
  3. TSV 1860

Mauersberger über Pereira, Ismaiks Visionen und neue Rivalen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Uli Kellner

Kommentare

Bereit für den Neuanfang: Jan Mauersberger hält 1860 noch immer für einen „verdammt coolen Verein“.
Bereit für den Neuanfang: Jan Mauersberger hält 1860 noch immer für einen „verdammt coolen Verein“. © m.i.s.

Vor einem Jahr kam Jan Mauersberger zu 1860. Seitdem ist viel passiert. Eine Konstante ist nur der Kampf um den Klassenerhalt. Doch jetzt ist ja Trainer Vitor Pereira da, der den Löwen Dampf machen wird, wie der Abwehrspieler glaubt.

München – Er kam vor einem Jahr, als die Personalpolitik der Löwen noch eine andere war: Jan Mauersberger war einer von fünf Wintertransfers, die mit dem deutschen Fußball vertraut waren. Folglich brauchte der Modellathlet (31 Jahre, 1,93 m, 93 kg) auch keine lange Eingewöhnung. Auf Anhieb wurde er Stammspieler in der Innenverteidigung, bald auch Vizekapitän und Retter der Zweitklassigkeit (Siegtor gegen Paderborn am vorletzten Spieltag). Im Prinzip müsste so einer gesetzt sein, doch Ironie der Geschichte: Der gebürtige Münchner ist der erste 1860-Profi, der in der Wintertransferperiode 2017 unausgesprochen in Frage gestellt wird. Der Senegalese Abdoulaye Ba könnte ihm mittelfristig den Platz streitig machen – weitere internationale Transfers bahnen sich an. Ein Gespräch über die jüngste Entwicklung, seine Perspektiven und die des Klubs.

Herr Mauersberger, Sie studieren seit einem Semester Kommunikation und Medienmanagement. Wie würde denn der angehende Medienprofi Mauersberger die Lage beim TSV 1860 beurteilen. Richtig oder falsch, dass Investor Hasan Ismaik das Geschehen an sich reißt?

Jan Mauersberger: Da steht mir kein Urteil zu, ich bin in erster Linie Spieler. Unser Einfluss liegt nur auf dem Platz. Nachvollziehbar ist es schon, was Herr Ismaik macht. Wenn man so ein Investment tätigt, dann will man auch, dass es vorankommt. 1860 ist ja auch ein verdammt cooler Verein mit einer Wahnsinns-Strahlkraft. Nicht auszudenken, was hier alles möglich ist, wenn mal richtig Ruhe herrscht und es sportlich läuft.

Was ging in Ihnen vor, als erst Neuzugänge angekündigt wurden, dann wochenlang keiner kam und jetzt womöglich gleich vier neue Spieler geholt werden? Kurz vor dem Rückrundenstart gegen Fürth.

Mauersberger: Ich bin jetzt zehn, zwölf Jahre im Geschäft. Würde ich mir über jede Ankündigung eines Neuzugangs Gedanken machen, wäre ich fehl am Platz.

Ihre Position ist ja auch betroffen. Abdoulaye Ba scheint ein Wunschspieler des Trainers zu sein, ein zentraler Abwehrspieler wie Sie. Ein Dämpfer, wenn man 16 Tage im Trainingslager Gas gegeben hat? Sagen Sie jetzt bitte nicht: Konkurrenz tut jeder Mannschaft gut . . .

Mauersberger: Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist doch immer so, wenn ein neuer Trainer kommt: Was war, zählt nicht, es geht bei Null los. Von daher sind wir alle gespannt. Es ist Profisport, der ist manchmal nicht logisch, manchmal nicht fair. Wir alle wissen, worauf wir uns einlassen, wenn wir einen Profivertrag unterschreiben.

Vier mögliche Neuzugänge: ein Senegalese, ein Brasilianer, ein Ghanaer, vielleicht auch ein Däne – und keiner kennt den deutschen Fußball. Kann das gut gehen? Was Multi-Kulti angeht, sind die Löwen eigentlich ein gebranntes Kind.

Mauersberger: Klar: Das eine oder andere Gesicht hat man schon gesehen, aber man muss das alles mal abwarten. Die zweite Liga ist eine sehr spezielle Liga, eine sehr gute auch aus meiner Sicht. Ob die Integration funktioniert, hängt von den jeweiligen Charakteren ab. Ich nehme mal an, der Trainer kennt diese Spieler, und generell ist es so: Wenn man auf dem Platz sieht, dass Spieler da sind, die die Mannschaft weiterbringen, dann fällt es immer leicht, das zu akzeptieren und die Spieler zu integrieren.

Als Außenstehender denkt man: 16 Tage in der Einsamkeit von Tróia stellen den Betriebsfrieden in Frage, können ein Team aber auch zusammenschweißen. Was ist Ihr Eindruck?

Mauersberger: Auf jeden Fall haben wir dort sehr gut gearbeitet. Die Bedingungen waren wirklich hervorragend. Es waren wahrscheinlich die besten Plätze, die ich jemals in einem Trainingslager hatte, und wenn man das Wetter hier sieht, dann macht das sportlich auf jeden Fall Sinn. Es gab auch menschlich keinen Stress, keinen Lagerkoller. Erstaunlicherweise ist keiner dem anderen an die Gurgel gegangen (lacht).

„Keiner ist dem anderen an die Gurgel gegangen“

Und Ihr Eindruck von Vitor Pereira? Nach Benno Möhlmann, Daniel Bierofka und Kosta Runjaic ist er ja bereits der vierte Trainer, den Sie in einem Jahr 1860 live miterleben.

Mauersberger: Der Eindruck ist durchweg positiv. Man merkt, dass er große Mannschaften trainiert hat. Er achtet sehr auf Details. Dass man nie mit dem Rücken zum Spielfeld steht, immer aufs Abseits achtet . . . Da ist er sehr akribisch. Mit unserem Sportler-Englisch kann man sich recht gut verständigen. Generell würde ich ihn eher als autoritären Trainer bezeichnen, was aber nicht schlimm ist. In jedem Fall bringt er wahnsinnig viel Feuer rein. Ich würde ihn schon als pushend bezeichnen.

Hat die Mannschaft sein 3-4-3-System bereits verinnerlicht? Taktisch gesehen gilt es ja als durchaus anspruchsvoll und wurde bislang selten in der 2. deutschen Liga praktiziert.

Mauersberger: Natürlich ist es anspruchsvoll. Von der Laufarbeit her, der Organisation, den Löchern, die es zu stopfen gilt. Wir trainieren das jetzt seit 18, 20 Tagen. Jeder Spieler muss genau wissen, was er zu tun hat. Ich denke, da sind wir schon auf einem ganz guten Level. Und dann muss es einfach funktionieren.

Ihr Vertrag bei 1860 läuft noch eineinhalb Jahre. Wechseln Sie danach nahtlos auf die Medienseite? Oder haben Sie noch was vor als Fußballprofi?

Mauersberger: Ich bin dann zwar 33, aber mit dem Karriereende beschäftige ich mich noch nicht. Mein Studium geht ja noch dreieinhalb Jahre, da muss ich also noch ein bisschen Zeit überbrücken (lacht).

Erklärtes Ziel von Hasan Ismaik und Vitor Pereira ist der Aufstieg 2018. Eine realistische Vision?

Mauersberger: Ich denke schon, dass es realistisch ist – wenn man professionell arbeitet. Ich denke aber, dass wir auf einem guten Weg sind. Es ist natürlich nicht der Anspruch des Trainers, in der 2. Liga gegen den Abstieg zu spielen – und meiner auch nicht. Wenngleich das momentan die Realität ist.

Auch interessant

Kommentare