Warten auf dierichtige Welle

München - Der Hawaiianer Bobby Wood hat große Ziele beim TSV 1860: Er will über die Löwen zu Klinsmann ins US-Nationalteam kommen.

Manchmal, sagt Bobby Wood, zieht es ihn in den Englischen Garten. Genauer gesagt: An den Eisbach, wo die Surfer auf einer Welle ihr Fernweh ausleben. Wood (18) kriegt in diesen Momenten eher Heimweh und denkt sich: Netter Platz, coole Jungs, aber halt nur halb so spektakulär wie daheim. Sein Daheim, das liegt ziemlich genau am anderen Ende der Welt. Wood stammt aus Hawaii und ist beruflich hier. Er ist der erste Hawaiianer, der sein Glück als Fußballprofi beim TSV 1860 versucht. Fünf Kurzeinsätze hatte er schon. Jetzt, da Stefan Aigner grippekrank ist, könnte am Sonntag gegen Union Berlin der sechste hinzukommen.

Den Löwen sind in ihrer langen Vereinsgeschichte schon einige Exoten zugelaufen, zum Beispiel der legendäre WM-’74-Torhüter Henri Francillon aus Haiti. Aber einen Kicker aus dem Surfermekka im pazifischen Ozean hatten sie noch nie. Wood ist, wie das im Fußball oft der Fall ist, eher zufällig in München-Giesing gelandet. Seine Mutter stammt aus Japan, sein Vater ist Amerikaner, als Bobby elf war, siedelte ein Teil der Familie nach Kalifornien um. Dort nahm sein erstaunlicher Werdegang Fahrt auf.

Obwohl Wood auch auf dem Surfbrett eine gute Figur machen würde, versuchte er es erst mit American Football, dann fand er Spaß am richtigen Soccer. „Erst als Torwart. Mein Trainer meinte aber, ich bin schnell, ich kann auch Stürmer spielen.“ Beim kalifornischen Klub Irvine Strikers, wo heute Klinsmann-Sohn Jonathan kickt, schoss er sich ins Blickfeld, sein Trainer empfahl ihn Ernst Tanner, dem damaligen Nachwuchschef der Löwen, den er über ein paar Ecken kannte. So landete der Strandkicker bei 1860. Gerade mal 14 war er bei seinem Probetraining. Mit 15 siedelte er ganz um.

„Am Anfang war es schon hart“, blickt er zurück. Alles war ungewohnt in seiner neuen Welt, „das Essen, die Leute“. Vor allem aber das Wetter. „So eine Kälte hatte ich noch nie erlebt“, lässt es Wood noch heute erschaudern. Nur weil ein Freund von ihm gleich mitgecastet wurde, hielt er es überhaupt so lange aus. Morgens auf die englische Schule nach Starnberg, nachmittags Training, das war lange sein Alltag. Leicht war das nicht „ohne meine Family“, aber richtig schwer wurde es erst, als Kovi Konowiecki nach eineinhalb Jahren aufgab. „Das war ein Schock“, sagt Wood in bestem Deutsch. „Ich habe damals auch überlegt zu gehen, Aber dann habe ich gedacht: Ich probiere es weiter. Gehen kann ich ja immer noch.“

Er blieb. Wood zeigte Stehvermögen („Manchmal muss man sich durchbeißen“) und erlebte die typischen Aufs und Abs eines jungen Talents. Zweitligadebüt mit 18, Berufung in die U 20-Auswahl der USA, aber auch Rückschläge, teils verletzungsbedingt, teils sportlicher Natur. Maurer förderte ihn früh, in dieser Saison war jedoch noch kein Platz für ihn im Team. Am famosen Offensivquartett Aigner, Halfar, Lauth, Volland führt derzeit kein Weg vorbei.

Maurer stuft das Sturmtalent als „Juwel“ ein, auf das er „große Stücke“ hält. „Er sagt aber auch, dass ich effektiver werden muss“, verrät Wood. „Ich soll meine Dribblings abschließen. Und an meinem Torschuss muss ich arbeiten.“ Zwei Treffer beim 14:0 gegen den SC München beeindrucken Maurer noch nicht, aber wie der Außenbahnflitzer bei tropischen Temperaturen 90 Minuten marschierte, das nötigte ihm Respekt ab. Alle anderen Feldspieler ließ er nur 45 Minuten schwitzen.

Fleiß, der in Kürze belohnt werden soll. Woods Vertrag, der 2012 ausläuft, soll in ein langfristiges Engagement umgewandelt werden – vielleicht auch, weil er Gerüchte gab, dass Felix Magath auf den flinken Stürmer aufmerksam geworden ist. Maurer ist zuversichtlich, dass Wood bei 1860 bleibt. „Bobby braucht ein Umfeld, in dem er sich wohl fühlt“, glaubt er, „und ein individuelles Training.“ Schließlich hat der US-Boy noch einen zweiten Traum: Die WM-Teilnahme 2014. Er hofft, dass ihn die neue deutsche Welle ins Team spült. Noch hat sich Klinsmann allerdings nicht gemeldet.

Wood klingt, als würde er München weiterhin als gutes Karriere-Sprungbrett betrachten. „Inzwischen fühle ich mich richtig wohl hier“, sagt er. „Ich habe Freunde zum Chillen, ich mag es, dass man überall mit dem Fahrrad hinkommt.“ Und das Wetter passt ja derzeit auch. Vielleicht holt er eines Tages sogar sein Surfbrett.

Uli Kellner

Rubriklistenbild: © sampics

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