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Wochen, vielleicht auch Monate

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- München - Ein Hexenkessel also. Rudi Bommer hat den Ausdruck gewählt, als er gestern über das Erzgebirgestadion von Aue sprach, aber er sagte auch: "Das wird fast überall so sein." Der TSV 1860 gehört in der Zweiten Liga zu den Gejagten, die Stadien sind meist klein, eng und stimmungsvoll, oft noch kleiner und enger als die Arena in Aue, wo die maximal 16 500 Zuschauer durch eine lilafarbene Laufbahn vom Rasen getrennt sind. Dass die Atmosphäre heute Abend feindselig sein wird, macht dem Trainer wenig aus: "Damit müssen wir leben."

Ändern kann er es eh nicht und wichtig ist nur, sich auf die Gegebenheiten so schnell wie möglich einzustellen. Erstliga-Absteiger, das haben die vergangenen Spielzeiten gezeigt, brauchen eher Monate als Wochen, um sich mit neu formierter Mannschaft in der neuen Klasse zurechtzufinden und in der Tabelle ihren Ansprüchen gerecht zu werden. Letztes Jahr rangierte der 1. FC Nürnberg nach neun Runden auf Platz 14, am Ende war er souverän Klassenbester. "Ganz normal" findet Bommer deshalb, dass sich zu Saisonbeginn "einer da oben räkelt", der in keiner Prognose als Spitzenklub Erwähnung fand. Dass mit Aue ausgerechnet der heutige Gegner vorne steht, "ist mir egal".

Daraus spricht keine besondere Ehrfurcht vor den Männern aus dem Erzgebirge. Bommer kennt die Liga lange genug, um die Aufreger des Tagesgeschäfts mit Abstand zu beurteilen. Der Kritik, die seiner Mannschaft nach dem durchwachsenen Saisonauftakt gegen Unterhaching entgegen schlug, will er sich nicht anschließen. Er hat die Löwen längst nicht so schlecht gesehen. Bei der Videoanalyse schaute er besonders genau auf den von ihm hoch geschätzten Abwehrchef Slobodan Komljenovic, der die meiste Kritik geerntet hatte.

Fazit: An der Ballsicherheit fand der Trainer kaum etwas auszusetzen, das unglückliche erste Gegentor könne "immer mal passieren", zumal "Michael Hofmann hätte mithelfen können", und beim 2:2 trage allein der Tormann die Schuld: "Wenn jemand ,Leo ruft, gehe ich als Verteidiger auch weg." Er hat sich früh auf Komljenovic als einen der Schlüsselspieler festgelegt, etwaige Anpassungsschwierigkeiten hat er einkalkuliert. Nichts deutet darauf hin, dass ihm Zweifel an seiner Wahl gekommen sein könnten.


Am liebsten würde Bommer an der Aufstellung nichts ändern, um das Verständnis zu fördern. Doch in Aue ist er zu Umbauten gezwungen. Erol Bulut hält sich bei seinem schwer kranken Vater in Istanbul auf; wann er zurückkehrt, ist offen. Auf seiner Position, der linken Abwehrseite, soll sich heute Abend Matthias Lehmann um den flinken Albaner Skerdilaid Curri kümmern, der beim 5:1 in Essen zweimal traf. Lehmanns Job als Rechtsverteidiger übernimmt Remo Meyer. Der Schweizer sei sowieso "ein ganz enger Kandidat" gewesen, versichert der Trainer, nun rückt er von Position zwölf unter die ersten Elf. Ein ganz normaler Vorgang, so undramatisch wie ein Auswärtsspiel in einem Zweitliga-Hexenkessel.

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