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Wolf im Marco-Kurz-Pelz

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Am Ende mal wieder nur Frust: Die Löwen-Profis Thorandt, Lauth (v.l.) und Schäffler.
Am Ende mal wieder nur Frust: Die Löwen-Profis Thorandt, Lauth (v.l.) und Schäffler. © dpa

Koblenz/München – Die Löwen spielen so uninspiriert und erfolglos wie unter dem Ex-Coach – Stevic fühlt sich in seinem Zögern bestätigt

Das muss man erst mal schaffen. Einen Satz so zu formulieren, dass aus ihm Verärgerung spricht, aber gleichzeitig viel Zuversicht, die eigene Person betreffend. „Ich weiß jetzt, auf welche Spieler ich in Zukunft bauen kann“, sagte Uwe Wolf nach der 2:3-Pleite in Koblenz, die dem Löwen-Coach nach eigener Auskunft „wichtige Erkenntnisse“ lieferte. Eine Erkenntnis war offenbar, dass Wolf von einigen Spielern, die am Ostersonntag auf dem Platz standen, tief enttäuscht war. Eine andere Erkenntnis kam etwas versteckter daher: Wenn jemand von Menschen spricht, auf die er in Zukunft bauen will, geht er selber davon aus, eine Zukunft zu haben. In diesem speziellen Fall: eine Zukunft als Löwen-Trainer.

Baupläne, die über den Gestaltungszeitraum der letzten sieben Saisonspiele hinausreichen, sollte Wolf aber lieber nicht mehr entwerfen. So erfreulich es für ihn ist, dass mit Koblenz-Coach Uwe Rapolder ein heiß gehandelter Nachfolgekandidat abgesagt hat („Es ist völlig aus der Diskussion, hier wegzugehen“), so unerfreulich ist inzwischen der Zustand der Mannschaft. Mit Ausnahme von Kapitän Benny Lauth, auf den auch in Koblenz Verlass war (er traf einmal den Pfosten und in der 53. Minute zum 1:2), treten die Löwen inzwischen so konfus und lustlos auf wie unter Marco Kurz. Wolfs Vorgänger hatte Siege, Unentschieden und Niederlagen in frappierend gleichmäßiger Taktung kumuliert (20, 20, 23), ehe er Ende Februar entlassen wurde, und so ähnlich liest sich inzwischen auch Wolfs Bilanz: zwei Siege, zwei Unentschieden, zwei Niederlagen. Zuletzt sind die Löwen viermal in Folge ohne volle Punkteausbeute geblieben. Immerhin: Der Trainer kündigte „klare Worte“ an. Die zwei freien Tage, die er für einen Sieg in Aussicht gestellt hatte, sind gestrichen.

Die Löwen-Pleite in Koblenz

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Auf klare Worte seitens des Sportchefs wartet das Löwen-Umfeld dagegen noch immer. Miroslav Stevic hält strikt an seinem Plan fest, sich „erst dann konkret zur Zukunft zu äußern, wenn wir gesichert sind“. Was die Personalie Wolf betrifft, beließ es Stevic bei einem weiteren Fingerzeig. „Ich fühle mich bestätigt in meinen Worten und in meinem Warten“, dichtete der Serbe, was übersetzt aus dem Funktionärsdeutsch bedeutet: Gut, dass wir die Übergangslösung nicht in der Anfangseuphorie mit einem längerfristigen Cheftrainervertrag dekoriert haben.

Aber auch die Mannschaft musste sich einiges anhören. „Es ist erstaunlich zu sehen, in welchem körperlichen Zustand sich der eine oder andere Spieler präsentiert hat“, polterte Stevic. „Zwei, drei Spieler“ nahm der Sportchef von seiner Fundamentalkritik aus, dem Rest sprach er die Zweitligatauglichkeit ab: „Da ist deutlich zu sehen, dass es für Tempofußball nicht reicht. Es fehlt an der professionellen Einstellung.“ Zumindest in dieser Hinsicht befinden sich Stevic und Wolf auf einer Linie. In der Not eingesetzte Spieler wie Danny Schwarz und Jose Holebas werden es schwer haben, noch mal in die Mannschaft zu kommen, um sich für neue Verträge zu empfehlen. Andere Spieler dagegen dürften mildernde Umstände bekommen. Nikola Gulan feierte ein unglückliches Zweitligadebüt als Linksverteidiger. Torhüter Michael Hofmann, der gemeinsam mit der serbischen Leihgabe das 0:1 zu verantworten hatte, ist mit seiner Verletzung (Verdacht auf Innenbanddehnung im linken Knie) genug gestraft.

Wie letztes Jahr, als sich die Löwen durch zwei Eigentore selber schlugen, war es also ein richtig verdorbenes Osterfest. Nur Sportchef Stevic hatte Glück im Unglück. Als orthodoxer Serbe feiert er Ostern erst nächste Woche.

von Uli Kellner

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