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Für Zweifel ist kein Platz

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Michael Hoffmann (re.) ist jetzt der Schlussmann der Löwen
Richtungswechsel: Michael Hofmann (re.) ist neben Wolf der größte Nutznießer der jüngsten Turbulenzen. © dpa

Beim TSV 1860 herrscht wieder mal Aufbruchstimmung – wie lange, hängt maßgeblich vom Sonntag ab

München – Pünktlich zum Debüt sind alle drängenden Fragen beantwortet. Was die Fachwelt Anfang dieser Woche über Uwe Wolf noch nicht wusste, ist nun erschöpfend erzählt.

Schon nach drei Tagen als Übergangstrainer des TSV 1860 war der Hintergrund des Pfälzers restlos ausgeleuchtet, inklusive der Botschaft, dass ihm die Loyalität zu seinem Vorgänger und Freund Marco Kurz extrem wichtig ist. Damit das niemand übersieht, wird Wolf auch am Sonntag im Heimspiel gegen den FC St. Pauli mit dem „Co“ auf der Sportjacke an der Linie stehen. Ändern will er den Aufdruck erst, „wenn ich zum Cheftrainer ernannt worden bin“.

In diesem Tonfall hat Wolf tagelang die Zeitungsseiten gefüllt. Die verzagten, braven, wenig schwungvollen Löwen- Auftritte der letzten Monate, die oft ein Spiegelbild des Charakters ihres Trainers waren, sollen der Vergangenheit angehören. Mit demonstrativem Optimismus und kraftstrotzenden Parolen will Wolf eine neue Tendenz vorgeben. Es geht stark um Äußerlichkeiten, in diesem Geschäft allgemein und ganz besonders bei diesem Klub.

Wolf hat die Öffentlichkeit seit Mittwoch fleißig bedient, sei es mit seinem Grundsatzprogramm (Spaß haben, aber hart arbeiten), seiner Kleiderordnung oder den personellen Veränderungen, die er bereits drei Tage vor dem Spiel enthüllte. Für Zweifel hat er keinen Raum gelassen, ungeachtet der Tatsache, dass im Umfeld des Vereins nicht jeder begeistert davon ist, dass wieder mal ein Novize die Verantwortung trägt. Wolf deutet, betont uneitel, die Skepsis zur Chance um, die Erwartungen zu übertreffen und das Umfeld mitzureißen: „Ich will, dass die Fans nach dem Spiel aus dem Stadion gehen und sagen: ,Mensch, was für ein geiles Spiel. Das hätten wir dem blinden Wolf gar nicht zugetraut.’“

Wohl zurecht hat Wolf aus dern jüngsten Ereignissen den Schluss gezogen, dass die sachliche, besonnene und sprachlich arg ins Seminardeutsch driftende Art des Vorgängers ausgedient hat. Alles, was Wolf sagt und tut, ist ein Gegenentwurf, zu seinem Freund Kurz. Ein Bierchen am Abend vor dem Spiel ist erlaubt, und beim gemeinsamen Essen soll es „nicht mehr so steif“ zugehen wie bisher. Selbst der Kreis, den die Mannschaft nach dem Schlusspfiff bildete, hat ausgedient: „Das machen wir nicht mehr.“

Ohnehin kam der Zirkel, aus dem niemand ausscheren durfte, in der Öffentlichkeit häufig als starres, aufgesetztes Ritual herüber. Der Einzige, der um ein Haar einmal den Kreis boykottiert hätte, ist Michael Hofmann (im Oktober 2007 in Jena). Heute ist der Torwart, der Philipp Tschauner ablöst, der größte Nutznießer des Wechsels. Hofmann bringe die Tugenden mit, „die ich fordere“ sagt Wolf: Emotionen und Einsatz.

Fakt ist, dass bei 1860 wieder Leben herrscht; wie lange, hängt maßgeblich vom St. Pauli-Spiel ab. Geht es schief, könnten die launigen Anekdoten bald schon wieder in den Archiven verschwinden. Doch jetzt ist nicht die Zeit für Zweifel: „Die Mannschaft“, sagt Wolf, „wird dafür sorgen, dass es keine Diskussionen mehr gibt.“

MARC BEYER

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