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Feste Größe bei den Löwen: Christopher Schindler (links) mit seinen Teamkameraden.

Auf dem zweiten Bildungsweg

München - Christopher Schindler wollte eigentlich Jura studieren – jetzt ist er der 1,9-Abiturient eine feste Größe in der Löwen-Defensive.

Im Internet findet sich bekanntlich alles. Es gibt sogar ein Forum für Latein-Freaks, die in wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit darüber diskutieren, wie die alten Römer wohl heutige Fußballvokabeln genannt hätten. Zum Beispiel: „ein Tor schießen“. Nutzer consus schlägt vor: „pilam in portam adigere“. Zytophilus widerspricht: porta klingt zu sehr nach Tür – unkundige Beobachter würden sich fragen, „warum die Spieler den Ball aus dem Stadion entfernen wollen“. So geht das endlos weiter, eine schlüssige Lösung finden die Diskutanten natürlich nicht (wie auch?), aber komisch ist die Pseudodebatte allemal.

Nun gibt es nicht viele Fußballer, die eine solche Expertenrunde bereichern könnten. Die meisten User lassen eher einen akademischen als einen sportlichen Hintergrund erkennen – ein Fall für Christopher Schindler (21). Der junge Innenverteidiger des TSV 1860 gehört zu den wenigen Profifußballern, bei denen das nötige Rüstzeug vorhanden wäre: Fachkenntnis, wissenschaftliches Interesse, Humor. Gerade hat er sein erstes Tor in einem Zweitligaheimspiel erzielt (das 1:0 beim 2:1 gegen den KSC), und auch die andere Qualifikation bringt er mit: Großes Latinum, 1,9-Abitur. Titel seiner Facharbeit: „Die Darstellung der Sklaven in verschiedenen Werken.“

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Ungewöhnlich genug, dass einer Latein als Leistungsfach wählt. Aber zumindest das zweite Wahlfach des Perlachers liegt auf der Hand: Sport – was sonst? Im Theodolinden-Gymnasium, einer „Partnerschule des Sports“, trainierte das 1860-Urgestein (seit der U 9) schon in jungen Jahren Körper und Geist. Das Ergebnis, das am Ende einer quälenden Doppelbelastung stand, kann sich sehen lassen. Seinen ursprünglichen Plan, Jura zu studieren, hat Schindler zwar verworfen, dafür ist er jetzt: Stammspieler in der 2. Liga, U 21-Nationalspieler – einer, der vor dem Anpfiff kleine Buben an der Hand ins Stadion führt. So wie er es seinerzeit erleben durfte, als die 1860-Profis noch Max und Häßler hießen. „Das waren absolute Vorbilder“, sagt er ehrfurchtsvoll. Mit zwei der Altstars, Benny Lauth und Daniel Bierofka, teilt er heute die Kabine.

Anfangs war Schindler nervös, wenn er bei den Profis dabei war und vor größeren Kulissen spielte, das liegt an seinem Naturell, das die feingeistige Entwicklung unterstreicht. „Schüchtern würde ich mich nicht nennen“, sagt er, „eher zurückhaltend.“ Ein besonnener Mensch wie Schindler braucht ein bisschen, um sich in einem harten Gewerbe wie dem Profifußball zurechtzufinden. Sein Durchbruch kam nicht so explosionsartig wie bei Moritz Leitner und Kevin Volland, die 2010 mit ihm aufgerückt sind. „Die Qualitäten, die ich habe, sieht man erst über einen längeren Zeitraum“, sagt Schindler. Klaus Koschlick, U 23-Coach des TSV 1860, zählt die Palette auf: „Intelligent, kopfballstark, laufstark, extrem fleißig, und vor allem: charakterlich topp.“ Das blieb auch Cheftrainer Reiner Maurer nicht verborgen, der den Allrounder systematisch aufbaute: Vom braven Jungprofi und Kaderauffüller über den Gelegenheitsjoker zum unumstrittenen Vertreter des verletzten Routiniers Aygün.

„Das mit Necat tut mir unheimlich leid“, sagt Schindler mit Blick auf die Gesichtsverletzungen des Kollegen, „der Konkurrenzgedanke steht bei so etwas erst mal im Hintergrund.“ Menschliche Qualitäten hat er also auch noch. Und er vergisst selbst in Momenten des Glücks nicht die, die immer an ihn geglaubt haben. Das Herz, das er nach seinem Tor gegen Karlsruhe in die Luft malte, widmete er Papa Marian, der glühender 1860-Fan ist und am Samstag 58. Geburtstag feierte. Aber auch Mama Jutta, seine erste Trainerin, hatte Anteil am Werdegang. Paulina, seine erste große Liebe, sowieso.

Bodenständig, intelligent, ehrgeizig. Man versteht so langsam, warum Maurer auch dann auf Schindler setzte, wenn die Leistung positionsbedingt abfiel („Als Innenverteidiger fühle ich mich wohler als auf der Sechs oder links hinten“) – oder Rückschläge kamen wie im April der Platzverweis in Frankfurt. „Er hat mich immer gleich wieder gebracht“, sagt Schindler dankbar. Mit Fleiß im Training ließ er seinem Coach auch kaum eine andere Wahl.

Chris Schindler, so scheint es, ist auch als Profi das, was er am Gymnasium war: ein Musterschüler. Hätte er den Hang zum Sprücheklopfer, könnte er sich einen Spaß erlauben und ein berühmtes Zitat an seinen Spind hängen: Veni, vidi, vici. Seit Samstag böte sich auch an: Veni, vidi, pilam in portam adegi!

Uli Kellner

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