Zwischen 10 000 Euro und einem Cent

- Von "Minimum einer Million" war die Rede, nun hat der TSV 1860 erste Zahlen zu seiner Aktion "Ein starker Kader... mit Eurer Hilfe" vorgelegt. Vom Wunschziel ist man noch weit entfernt.<br> Filmbericht: "Schroth ohne Fanaktion undenkbar"<br />

München - Es gibt Momente, da macht es Stefan Ziffzer beinahe Spaß, über das Thema Geld zu sprechen. Über nächsten Freitag zum Beispiel, wenn der TSV 1860 der Deutschen Fußball-Liga einen Brief schickt. Letzte Woche hat die Liga den Löwen die Lizenz für die kommende Saison erteilt mit der Auflage, bis Anfang Juni noch 1,211 Millionen Euro aufzutreiben. Bis zum Wochenende habe man das Geld zusammen, verspricht Ziffzer, der Finanzchef des TSV. Ein Kredit wurde verlängert, zwei Verträge nachverhandelt. "Der Lizenz steht nichts mehr im Weg."

Gute Nachrichten aus der Buchhaltung sind bei den Löwen selten, umso bemerkenswerter ist es, wenn dem Thema eine ganze Pressekonferenz gewidmet ist. Gestern zogen Ziffzer und Manager Stefan Reuter eine erste Zwischenbilanz der Spendenaktion, die vor zwei Wochen gestartet worden war mit dem Ziel, "Minimum eine Million" (Ziffzer) einzubringen. Aktuell liegt man allerdings erst bei 118 000, "geringfügig mehr als gestern". Trotzdem versichert der Finanzchef, er sei hochzufrieden. Menschen stünden Schlange, um dem Klub ihr Geld zu geben. Ein Fan vom Timmendorfer Strand habe 10 000 Euro auf einen Schlag spendiert - ein Spaßvogel allerdings auch bloß einen Cent.

So weit wie die Spendenbeträge liegen auch die Ansichten über die Aktion auseinander. 118 000 Euro, "das kann man kaputtreden", räumt Ziffzer ein, "man kann aber auch sagen: Besser als nichts." Gestern Abend startete er den dritten Ausflug zu einem Fanklub, von den ersten beiden Fahrten kehrte er mit knapp 2000 Euro zurück. Ziffzer will diesen Ertrag als Vertrauensvorschuss verstanden wissen, er steht für ihn in direktem Zusammenhang mit der Verpflichtung von Markus Schroth und der Vertragsverlängerung von Berkant Göktan. Bei den Löwen werde mittlerweile solide und vernünftig gearbeitet, ist seine Botschaft, und erste Erfolge seien sichtbar. Die Ausgabe von Genussscheinen soll im Sommer ein weiterer Schritt zur Konsolidierung sein.

Die Löwen-Bosse hoffen auf einen Schneeballeffekt

Er nennt allerdings auch andere Zahlen. Die 1500 Einzelspenden etwa, aus denen sich die Summe zusammensetzt. Viele Fans sind darunter, die "ihr letztes Hemd" (Ziffzer) für den TSV geben. Aber eben auch zwei Dutzend Profis, die ein Vielfaches mehr als ihre Anhänger verdienen und es dennoch bei einer bestenfalls symbolischen Spende von 1860 Euro beließen. Den schlechten Eindruck kann auch Ziffzers Hinweis nicht kaschieren, es handle sich um "Angestellte mit Zeitvertrag", von denen man nicht ein solches Maß an Identifikation mit dem Klub erwarten könne wie bei jahrzehntelangen Begleitern. Auch Ziffzer und Reuter haben Zeitverträge, steuern am 30. Juni aber trotzdem je ein Prozent der dann angesammelten Summe bei. Der Wahrheit näher kommt Reuter: "Sechzig ist sicher etwas Besonderes. Auch für den einen oder anderen Spieler."

Fraglich ist noch, in welchem Stadium sich die Kampagne gerade befindet. Ob sie eben erst "Fahrt aufnimmt", wie Ziffzer glauben möchte, und ein "Schneeballeffekt" zu erwarten ist, den Reuter sich von spendierfreudigen Unternehmen aus der Region erhofft. Oder ob die bisherige Summe dem Anfangsschwung und dem lauten Medienecho zu verdanken ist und das Tempo nun nachlassen wird. Die Löwen setzen darauf, bei den letzten beiden Heimspielen viele Fans direkt zu erreichen. "Wir müssen an jeder Ecke werben", weiß Reuter. Beliebig wiederholen lässt sich so eine Geschichte schließlich nicht.

 Filmbericht: "Schroth ohne Fanaktion undenkbar"

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