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Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber hatte 2014 bei fünf Starts fünf Goldmedallien gewonnen.

Exklusiv-Interview

Paralympics-Star Schaffelhuber: „Wir mussten lange kämpfen“

Anna Schaffelhuber ist die erfolgreichste deutsche Athletin der vergangenen Winter-Paralympics. Ist die 25-Jährige ehrgeizig?  Lesen Sie hier ein Interview mit der Ausnahme-Skifahrerin.

München - Vor vier Jahren war gegen Anna Schaffelhuber kein Kraut gewachsen, die Monoskifahrerin gewann in Sotschi fünfmal Gold bei ihren fünf Starts in Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Super-Kombi. Auch in Pyeongchang zählt die 25-jährige Lehramtsstudentin für Mathe, Wirtschaft und Recht zu den Favoriten. Wie sie mit den Erwartungen und ihrer Rolle als Gesicht des Paralympics-Teams umgeht, erzählt sie im tz-Interview.

Frau Schaffelhuber, Sie sind das Gesicht der Paralympics. Gibt es Momente, in denen der Trubel zu viel wird?

Anna Schaffelhuber: Eigentlich nicht. Sicher gab es Zeiten, die intensiv waren, aber ich sehe das positiv, weil meine Themen dadurch präsent sind. Irgendwann wechselt der Fokus auf die Rennen.

Bei Biathletin Laura Dahlmeier gab es Berechnungen, wonach sie sechs Goldmedaillen holen könnte. Ähnliches müsste man nach den fünf Goldmedaillen von Sotschi 2014 von Ihnen erwarten.

Schaffelhuber: Ich habe meine Sicht darauf geändert. Am Anfang der Saison habe ich alles mit Sotschi 2014 verglichen, das hat ordentlichen Druck erzeugt, auch wenn ich es nicht wollte. Irgendwann habe ich akzeptiert, dass ein neues Kapitel beginnt, seitdem sehe ich es entspannter. Ich habe meine Medaillen, die anderen müssen sich noch beweisen. Mein Anspruch ist trotzdem, fünfmal möglichst viel zu erreichen, aber die Bewertung der Spiele hängt bei mir nicht von Medaillen ab.

Gehen mit der Einstellung nicht die entscheidenden Prozent Gier verloren?

Schaffelhuber: Mein Gefühl ist genau anders. Mir fehlen diese Prozente nicht, sondern ich habe sie zusätzlich. Wenn man unbedingt Gold holen will, verkrampft man leicht und kann seine Leistung nicht abrufen.

Anna-Lena Forster fehlt der große Titel noch, sie will unbedingt Gold. Kommt die schärfste Konkurrentin aus dem eigenen Lager?

Schaffelhuber: In den technischen Disziplinen, speziell im Slalom, ist Anna-Lena die große Konkurrenz, außerdem habe ich Claudia Lösch aus Österreich und die Japanerin Momoka Muraoka auf der Rechnung. Ich erwarte generell enge Rennen, die Dichte ist größer geworden.

Vielleicht eine banale Frage: Wie viel Ski haben Sie als Monoskifahrerin im Gepäck?

Schaffelhuber: Zehn Paar, wobei die einzelnen Ski unterschiedlich präpariert sind. Für meine vier Disziplinen habe ich vier verschiedene Längen dabei, die jeweils für eisige, aggressive und normale Bedingungen vorbereitet sind.

Wie auch bei den Olympischen Spielen dürfen russische Athleten unter neutraler Flagge starten. Sind Sie mit dem Kompromiss zufrieden?

Schaffelhuber: Das ist ein kontroverses Thema, zudem nicht alle die gleiche Meinung haben. Ich finde es in Ordnung, weil durch die Auflagen ein Zeichen gesetzt wurde, das nötig war. Und die neutrale Flagge ist ein Statement. Einen Generalverdacht finde ich auf der anderen Seite schwierig. Wenn nur ein Sportler unschuldig ausgesperrt bleiben würde, wäre es einer zu viel.

Sie waren bereits in Südkorea, wie behindertengerecht empfanden Sie das Land und die Strukturen?

Schaffelhuber: Von der Stadt hatte ich nicht viel gesehen, aber die Hotels, die Busse, generell die Infrastruktur, da gab es keine Probleme.

Wie weit ist Deutschland in dieser Hinsicht?

Schaffelhuber: Manchmal wird mir etwas zu viel über Inklusion diskutiert und zu wenig gehandelt. Aber es wird besser und geht in die richtige Richtung, ich würde Deutschland im hinteren Mittelfeld einordnen. Aus sportlicher Hinsicht gab es vergangenes Jahr eine wichtige Änderung. Auch paralympische Sportler, wenn auch bisher nur die Topleute, können jetzt beim Zoll oder beim Bund angestellt werden und erhalten dadurch eine deutliche höhere finanzielle Förderung als „nur“ durch die Sporthilfe. Dafür mussten wir lange kämpfen.

Hier finden Sie alles was Sie zu den Paralympics wissen müssen.

Interview: Mathias Müller

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