Bastian Meisen auf der Piste, wie er ein Tor passiert.
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Er ist zurück auf der Piste: Bastian Meisen kann wieder Rennen fahren – und das ziemlich schnell.

Bastian Meisen ist nach einer Stirnhöhlenoperation wieder in Topform

Reine Kopfsache

  • vonPatrick Hilmes
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Monatelang haben Kopfschmerzen Bastian Meisen außer Gefecht gesetzt. Eine Operation an der Stirnhöhle und das Skifahren haben letztendlich sein Leiden beendet. Jetzt will er wieder angreifen.

Garmisch-Partenkirchen – Mittlerweile dürfte jeder aus eigener Erfahrung oder zumindest vom Hören sagen erzählen können, wie ein Corona-Test abläuft. Da wird einem das Stäbchen tief in den Rachen geschoben, bis einem beinahe ein unappetitliches Malheur unterläuft. Danach geht es ab durch die Nase. Angeblich sind diese Wattestäbchen „nur“ 15 Zentimeter lang und müssen „nur“ rund sieben Zentimeter tief in den unteren Nasengang eingeführt werden. Gefühlt ist die Maßeinheit aber falsch. Gefühlt kann man das Zenti vor den Metern streichen. Einmal kurz das Gehirn anstupsen, dann war’s das. Zusammengefasst: äußerst unangenehm.

„Das war 100-mal so schlimm wie ein Corona-Test.“ 

Bastian Meisen, SC Garmisch

Bastian Meisen, Skifahrer in Diensten des SC Garmisch, kennt das, hat aber deutlich Gravierenderes erlebt. „Das war 100-mal so schlimm wie ein Corona-Test.“ Dem Garmisch-Partenkirchner wurde bei Nachbehandlungen ein Schlauch in die Nase geführt, Eiter aus der Stirnhöhle absaugt. Ebenso musste an dieser Stelle Vaseline aufgetragen werden. „Äußerst widerlich“, lautet Meisens Kommentar. Doch die Wundbehandlung musste sein, er hatte keine andere Wahl. Im Endeffekt war sie zu seinem Besten und hat sich ausgezahlt. Heute ist er wieder fit, nach langer Leidenszeit.

Schmerzen auf einer Skala von eins bis zehn bei acht

Ende August 2020 bekam Meisen Kopfschmerzen. Nichts ungewöhnliches, hat ja jeder mal. Das dachte er zu diesem Zeitpunkt. Doch die Kopfschmerzen, die Meisen auf einer Skala von eins bis zehn bei acht einordnet, verabschiedeten sich nicht von selbst. Es folgte ein Marathon an Ärzte-Besuchen. Eine konkrete Diagnose konnte aber keiner stellen. Die Konsequenz: Meisen verkroch sich im Bett, war lustlos, wollte nur schlafen, damit er die Leiden nicht spüren musste. „Das waren Schmerzen, wie ich sie zuvor noch nie hatte.“ Das Schlimmste dabei: sie waren nicht greifbar und zeitlich undefiniert. „Bricht man sich den Arm, weiß man, dass nach ein paar Wochen alles verheilt ist.“ Die mentale Belastung sei enorm gewesen. Nicht zu wissen, woran man leidet und wann Besserung eintritt, sei besonders strapaziös gewesen. Immerhin hatten viele Ärzte eine Vermutung: Stirnhöhlenentzündung.

Operation bringt zunächst keine Besserung

Letztendlich entschied sich Meisen für die empfohlene Operation. Das war Ende Oktober. Doch Corona funkte dazwischen. Der 24-Jährige infizierte sich, die OP musste verschoben werden. Immerhin hatte er einen milden Krankheitsverlauf. Anfang Dezember lag er auf dem OP-Tisch. Stirn- und Kieferhöhle sowie Siebbeinzelle wurden chirurgisch geöffnet und die Entzündungen entfernt. Das Resultat zwei Wochen danach: keine Besserung. „Ich dachte schon, das hat nichts gebracht.“ Meisen ließ die Nachbehandlungen über sich ergehen und hockte wieder daheim, legte zwar Online-Prüfungen für sein Studium (International Manager) ab, war der Verzweiflung aber nah. In dieser Saison nochmals auf Skiern zu stehen, das hatte er abgehakt.

Einfach ab auf die Piste

Sein Trainer Hannes Wallner nahm ihn dann einfach mit auf die Piste zum Trainieren. Rauskommen, den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes freibekommen. Es funktionierte. Mal wurden die Kopfschmerzen besser, mal schlechter. „Aber immerhin rührte sich etwas.“ Mit der Zeit ging es nur noch bergauf. Den gesamten Januar konnte der Allrounder trainieren. Dabei merkte er direkt: „Ich bin schon wieder schnell unterwegs.“ Auch der Materialwechsel im Sommer auf Salomon machte sich trotz mangelnder Testmöglichkeiten nicht negativ bemerkbar – im Gegenteil. „Es funktionierte auf Anhieb richtig gut.“

Erfolgreiche Rückkehr in den Europacup

Fortan brannte es Meisen unter den Fingernägeln, er wollte wieder Rennen fahren. Anfang Februar war es soweit. Er startete im Europacup in Folgaria (Italien) und Berchtesgaden bei vier Riesenslaloms. Meisen fuhr direkt vorne mit – Plätze 12, 22, 10 und 3. Diese Form bestätigte er nun auch bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften und FIS-Rennen auf der Kandahar mit vier ersten (Super-G, Riesenslalom, zwei Kombinationen) und einem zweiten Platz (Super-G).

Meisen will Kumpel Simon Jocher bei der DM ärgern

Und es geht direkt weiter am kommenden Wochenende mit der Heim-DM. Von Freitag bis Sonntag duelliert sich die nationale Elite auf der Kandahar in den Disziplinen Super-G, Abfahrt und Kombination. Meisen, der sich am wohlsten im Riesenslalom fühlt, will seinen Speed-Kumpels, mit denen er in den vergangenen Tagen am Fernseher mitgefiebert hat, Paroli bieten. „Ich will dem Simon um die Ohren fahren“, scherzt er. Gemeint ist Simon Jocher, der bei der WM in Italien aufgetrumpft hat (wir berichteten). Um seine Chancen weiß Meisen natürlich. „Die sind alle brutal gut drauf und haben eine Mordsgaudi bei der WM. Aber ich will die Jungs dennoch ein bisschen ärgern.“ Er hat ambitionierte Ziele, denn der Kopf ist wieder frei.

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