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Stets chancenlos, doch bester Laune: Langläufer Baena, mit der Flagge Venezuelas.

Cesar Baena und das Traumziel Olympia

Liberec - Der Skilangläufer aus Venezuela fällt noch oft hin, doch er will unbedingt nach Vancouver.

Man muss sich manchmal auch über kleine Fortschritte freuen können. Und so hat Cesar Baena die Veränderungen der letzten Tage in Liberec mit einem Grinsen hingenommen. "Beim ersten Rennen bin ich zehn Mal hingefallen", sagt der WM-Neuling aus Caracas, "beim zweiten Rennen nur noch zwei Mal."

Am Ergebnis für Venezuelas ersten Skilangläufer im Wettbewerbsbetrieb des Weltverbandes FIS hat das nicht viel geändert. Seine ersten Einsätze auf der WM-Bühne beendete Cesar Baena jeweils als abgeschlagenes Schlusslicht. Und viel mehr als die Sympathien des Publikums werden für den 22-Jährigen auch am Sonntag im Ski-Marathon über 50 Kilometer wohl kaum zu holen sein.
Sein Lächeln wird Baena aber gewiss nicht abhanden kommen. Warum auch, die WM hat den polyglotten Südamerikaner, der fließend Englisch und Deutsch spricht, auch so seinem ganz großen Ziel nähergebracht.

Baena will Olympionike werden - am liebsten schon im kommenden Jahr, wenn die Winterspiele in Vancouver Station machen. Eine wesentliche Voraussetzung, die die FIS für einen Olympia-Start fordert, hat Banea mit dem Dabeisein in Liberec nun schon erfüllt. Und nicht nur er.

Vor Jahren war es noch der einsame Medien-Gag eines großen Sportartikel-Herstellers, als der Kenianer Philipp Boit den Exoten im Schnee gab. Jetzt hat Boit reichlich Gesellschaft bekommen. Griechenland, Ungarn, Indien, die Mongolei, Brasilien oder eben Venezuela - über Liberec wehen so viele Fahnen wie noch nie aus Nationen, die nicht unbedingt zur klassischen Wintersport-Klientel zählen.

"So etwas ist wichtig und gut für uns", sagt FIS-Präsident Gian Franco Kasper, der den Zuwachs auch als kleine Bestätigung für die Politik seines Verbandes sieht. Seit geraumer Zeit schiebt der Weltverband über Fördertöpfe die Entwicklung kleinerer Nationen an. Eine wichtige Unterstützung, von der Baena bislang allerdings noch nicht profitieren konnte.

Der Student aus Caracas, der sich 2005 bei einem Au-Pair-Jahr in Köln in der Skihalle von Neuss mit dem Wintersport anfreundete, zieht bislang als Einzelkämpfer durch die Szene. Sein Vater, der in Venezuela eine Getränke-Kette betreibt, stellte seine Unterstützung ein, weil er wenig von den sportlichen Aktivitäten des Sohnes hält.

Womit Caesar Baenas Fortkommen als Langläufer nun voll und ganz abhängig ist vom Wohlwollen der nationalen Sportorganisationen wie des Olympischen Komitees Venezuelas. Bislang konnte er sich auf Hilfe von dort verlassen. Auch wenn die Sportfunktionäre in dem Land, in dem man Schnee nur aus den extremen Höhenlagen kennt, noch nicht wirklich viel mit Baena anfangen können. Mit diesem Mann, der von Zeit zu Zeit mit Skiern unter dem Arm durch das sommerliche Caracas spaziert.

Baena weiß nur zu gut, dass er auch in der Heimat so etwas wie ein Paradiesvogel ist. Doch es stört ihn nicht, im Gegenteil. Der 22-Jährige will die FIS demnächst um Hilfen für den Aufbau umfassender Wintersport-Strukturen in Venezuela ersuchen.

Sich selbst sieht er mit seiner immer noch jungen Langlauf-Karriere noch nicht am Ziel. In den WM-Tagen von Liberec ist er auf einen ganz neuen Gedanken gekommen: "Skispringen würde ich auch ganz gerne einmal ausprobieren."

Patrick Reichelt

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