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Viktoria Rebensburg nach ihrer Siegesfahrt auf der Kandahar.

Der Coup auf der Kandahar

Viktoria Rebensburg holt ersten Weltcup-Sieg in der Abfahrt

  • Julia Pawlovsky
    vonJulia Pawlovsky
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Dagmar Rebensburg hatte am Samstag so ein Gefühl. „Wir haben heute früh noch telefoniert, da hat sie sich schon so locker und befreit angehört.“ Dass ihre Tochter ein paar Stunden später die Weltcup-Abfahrt auf der legendären Kandahar in Garmisch-Partenkirchen dominieren würde, hat sie dennoch nicht zu träumen gewagt.

Aber Viktoria Rebensburg gewann. Und die Riesenslalom-Spezialistin gewann nicht nur zum ersten Mal in ihrer Karriere eine Weltcup-Abfahrt, sie tat das auch noch mit einem gewaltigen Vorsprung. 0,61 Sekunden auf die Zweitplatzierte, Italienerin Federica Brignone, und 0,83 Sekunden auf die Dritte Ester Ledecka (Tschechien). „Unglaublich“, sagt Viktoria Rebensburg. „Diesen Abfahrtssieg zu schaffen, in allen drei Disziplinen zu gewinnen, in denen ich fahre, bedeutet mir extrem viel.“

Eine der ersten Gratulanten waren Viktoria Rebensburgs Eltern Dagmar (l.) und Wolfgang (r.).

Die 30-Jährige spielte auf der anspruchsvollen und teilweise extrem eisigen Kandahar ihre technische Stärke, die sie vom Riesenslalom hat, voll aus. Vom Start weg legte Rebensburg eine engagierte und couragierte Fahrt hin und war in jeder Zwischenzeit vorne. Die Konkurrenz – chancenlos.

Die Wochen zuvor waren nicht einfach. Rebensburgs letzte Top-Platzierung datiert von Mitte Dezember, als sie im Slalom von Courchevel (Frankreich) Platz vier holte. Zuetzt hatte sie DSV-Alpinchef Wolfgang Meier öffentlich aufgefordert, mehr zu trainieren (wir berichteten). Bei ihren Eltern war die Freude „nach den ganzen Querelen“ jetzt umso größer.

Rebensburg selbst möchte den Sieg aber nicht als Antwort auf die Kritik oder Genugtuung sehen – auch, wenn ihr die Erleichterung deutlich anzumerken war. Im Ziel ballte sie die Fäuste, warf den Kopf in den Nacken, winkte und verbeugte sich vor den rund 5000 Zuschauern. „Ja, doch“, sagt sie dann hinterher, das sei einer ihrer süßesten oder schönsten Siege gewesen. Zudem sei sie „sicherlich“ die beste Abfahrt ihres Lebens gefahren. „Da hat relativ viel zusammengepasst.“

Eine Erklärung, warum es am Samstag plötzlich wieder lief, hat sie: „Ich habe mich gut vorbereitet.“ Nach der Rückkehr aus Russland hatte sie viel mit dem Trainerteam gearbeitet. Das zahlte sich im Training am Freitag aus, in dem Rebensburg Zweitschnellste war. „Das man es im Rennen wieder umsetzt, ist was anderes. Es ist extrem cool, dass das heute funktioniert hat.“ Zuvor hatte die Kreutherin 14 Riesenslaloms und vier Super-G-Rennen für sich entschieden. Nach dem 19. Weltcup-Sieg fehlt der Olympiasiegerin von 2010 nur noch ein Erfolg, um mit Hilde Gerg gleichzuziehen.

Neben dem ersten Abfahrtssieg macht den Triumph perfekt, dass er im Heimrennen passiert ist. „Ich fand den Tom (Dreßen, Anm. d. Red.) letzte Woche extrem inspirierend, weil man gesehen hat, was es heißt, ein Heimrennen zu gewinnen und wie besonders das ist.“

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