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Miriam Gössner

„Ein absoluter Traum“

Garmisch-Partenkichen – Die Biathletin Miriam Gössner schaut auf eine ungewöhnliche Saison zurück.

Es gibt auch unliebsame Erinnerungen an diesen ungewöhnlichen Winter. Die zweifellos unangenehmste begleitete Miriam Gössner sogar bis in den Urlaub. An ihrem Handgelenk musste die Nachwuchs-Biathletin aus Garmisch-Partenkirchen auch unter südlicher Sonne eine dicke Manschette tragen. Wie ein schmerzhaftes Andenken an den kapitalen Sturz beim Continental Cup Anfang Februar in Zwiesel, bei dem ein Knochen ihres Daumens aus dem Gelenk gerissen wurde. „Da habe ich gedacht: ‚Jetzt ist alles aus’“, sagte sie.

Und so manch anderer hätte in so einer Situation wohl tatsächlich eine Saison vorzeitig für beendet erklärt. Doch Miriam Gössner biss auf die Zähne und setzte einem ohnehin bemerkenswerten Winter mit der erfolgreichen Biathlon-Junioren-WM, bei der sie mit acht Schießfehlern noch den Verfolgungswettbewerb gewann, eine kaum erwartete zweite Krone auf. Als Leihgabe für eine schwächelnde Langlauf-Abteilung riss sie bei der Nordischen Ski-WM in Liberec fast im Alleingang einen schon verlorenen Staffelwettbewerb aus dem Feuer und gab die Vorlage zur Silbermedaille – mit einem Sturmlauf, über den selbst die Kolleginnen nur ungläubig den Kopf schütteln wollten.

„Schon dort dabei zu sein, war Wahnsinn. Dass wir dann auch noch eine Medaille gewonnen haben, das war ein absoluter Traum“, schwärmt sie selbst. Von den viele Lobenshymnen, die auf sie einprasselten, will das energische Laufwunder vom SC Garmisch freilich auch heute noch nicht viel wissen: „Ich bin nicht alleine gelaufen, wir haben die Medaille zu viert erreicht“.

Wobei die Frau, die bis zu einem schweren Trainingsunfall mit 14 Jahren noch eine Hoffnungsträgerin des alpinen Skinachwuchs war, wohl weiß, dass sie mit dem sensationellen Auftritt von Liberec manche Begehrlichkeiten geweckt hatte. Langlauf-Bundestrainer Behle etwa machte trotz Gössners klarer Bekenntnisse zum Biathlon („Ich bin Biathletin und das bleibe ich auch“) keinen Hehl daraus, dass er die fröhliche Bayerin nur zu gerne in seiner an Nachwuchstalenten nicht eben reichen Abteilung wüsste. Der Mittenwalder Heimtrainer Bernhard Kröll, bei dem Gössner in einer Trainingsgruppe mit Magdalena Neuner und Martina Beck trainiert, hatte schon für den Ausflug nach Liberec nur schweren Herzens sein Einverständnis gegeben.

Vielleicht ganz gut, dass DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller, der Behle das Ausnahmetalent vor der WM in Liberec selbst ans Herz gelegt hatte, zeitig ein Machtwort sprach. Bis zum Herbst wird die kleine Frau, die mit dem ebenfalls vielversprechenden Biathlon-Talent Simon Schempp liiert ist, in jedem Fall im bewährten Umfeld bleiben. Dann will Pfüller selbst mit Blick auf die nahenden olympischen Spiele in Vancouver das Gespräch mit Miriam Gössner suchen. „Sollte sie sich nicht für das starke Biathlonteam qualifizieren, dann könnte man ihr ja mal eine Saison beim Langlaufen vorschlagen“, kündigte er an.

Zumindest aber soll die Tür für eine weitere Kompromisslösung geöffnet bleiben, dass sie gegebenenfalls erneut als Leihgabe für die Langlaufabteilung nach Vancouver reist. Da allerdings würde der starke Mann im Deutschen Ski-Verband bei Miriam Gössner offene Türen einrennen: „Wer würde dazu schon nein sagen.“

Patrick Reichelt

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