Dominik Greindl (r.) und seine Teamkollegen bei einem WM-Spiel in Canada auf dem Eis.
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Das Ziel fest im Blick: Dominik Greindl (r.) und seine Teamkollegen träumen weiter von Olympia 2022.

Dominik Greindl will mit der Curling-Nationalmannschaft zu Olympia 2022

Einer der besten deutschen „Lockenwickler“

  • vonPatrick Hilmes
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Dominik Greindl ist zwar mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Curling-WM in Kanada lediglich Zehnter geworden, der Traum von Olympia 2022 in Peking lebt aber weiter.

Garmisch-Partenkirchen/Calgary – Das Internet ist in vielerlei Hinsicht ein Segen. Kennt man etwa ein Wort einer fremden Sprache nicht, bedarf es nur weniger Klicks und kurzem Tippen, schon weiß man dessen Übersetzung. Äußerst praktisch. Doch das Internet hat auch so seine Tücken in puncto Sprache. Denn so manche Dinge lassen sich eben nicht eins zu eins übersetzen, zumindest nicht im richtigen Zusammenhang. Gibt man beispielsweise den Namen Dominik Greindl bei einer Suchmaschine ein, ploppt ein Wikipedia-Eintrag über ihn auf – aus dem Englischen direkt ins Deutsche übersetzt. Und genau das ist das Problem. Denn Greindl ist laut diesem Eintrag „ein deutscher Lockenwickler“. Er selbst muss dabei lachen. Denn Locken befinden sich weder auf seinem Kopf, noch hat er mit ihnen beruflich zu tun. Im englischen Originaltext heißt es: „A german Curler.“ Sinngemäß übersetzt: „Ein deutscher Curling-Spieler.“

Und nicht irgendeiner, sondern einer der Besten des Landes. Greindl lief jahrelang für den SC Riessersee auf und ist Teil der deutschen Nationalmannschaft, die gerade von der Weltmeisterschaft aus Kanada zurückgekehrt ist. Doch sie ist nicht mit freudigen Nachrichten wieder in Deutschland gelandet. Greindl und Co. haben ihr angepeiltes Ziel verpasst. Eigentlich wollten sie sich in Calgary, wo die WM stattfand, für die Olympischen Spiele 2022 in Peking qualifizieren. Dazu hätte das deutsche Team mindestens Platz sechs erreichen müssen. Doch so richtig rund lief es für Greindl und seine drei Mitstreiter in Nordamerika nicht. Über Rang zehn kamen sie nicht hinaus.

Intensive Vorbereitung

Dabei hatten sie sich so gut es eben in Pandemie-Zeiten geht vorbereitet. Greindl ließ sich für sieben Wochen von seinem Arbeitgeber, eine Unternehmensberatung, freistellen. Das vierköpfige Team plus Ersatzspieler, plus Trainer, plus Physiotherapeut hatte sich in Füssen beim Bundesstützpunkt für die letzten zwei Wochen vor der WM eine Ferienwohnung gemietet. Alles wurde der Olympia-Qualifikation untergeordnet. Die Sieben lebten in ihrer eigenen Blase, standen zwei- bis dreimal täglich auf dem Eis, feilten an Taktik sowie an der Physis im Kraftraum. Sogar Hilfe bei einem Psychologen suchten sie. Er sollte sie mental auf die Duelle in Kanada vorbereiten. Denn genau das fehlt ihnen in Zeiten der Pandemie, der direkte Vergleich. „Aber das ging vielen so.“ Unter anderem den Gastgebern selbst. Die Kanadier zählen immer zu den Favoriten, wurden aber lediglich Sechster in der Endabrechnung. „Man sah, dass fast allen der Spielrhythmus fehlte.“

Ein wahrer Corona-Test-Marathon

Einen anderen Rhythmus hatten hingegen alle verinnerlicht, den Test-Rhythmus. Greindl und Co. mussten über sich einen wahren Marathon an Corona-Tests ergehen lassen. Nach der Ankunft in Calgary hieß es: Isolation im Hotelzimmer. Die ersten drei Tage durften sie das Zimmer nicht verlassen und wurden täglich mittels PCR-Test auf das Coronavirus überprüft. Danach – negative Befunde vorausgesetzt – durften sie sich zumindest im Hotel frei bewegen. Nach fünf Tagen und drei weiteren PCR-Tests durften sie ihre Unterkunft verlassen. Heißt nicht, dass nun Sightseeing angesagt war. Hotel, Auto, Eishalle, Flughafen – mehr sah der deutsche Tross nicht von der größten Stadt der Provinz Alberta. Nachdem sich das deutsche Team bereits aus dem Turnier verabschiedet hatte, stoppte das Virus kurzzeitig die Wettkämpfe. Das Labor in Calagary hatte positive Befunde vermeldet. Anschließend mussten die Spieler in den Playoffs mit Maske antreten. Später stellte sich heraus, dass die Ergebnisse falsch-positiv waren. „Verrückte Zeiten. Aber wir können froh sein, dass wir überhaupt spielen konnten und alles so gut organisiert war.“

Nächste Chance für das Olympia-Ticket im Dezember

Froh ist der 32-Jährige aber nicht über Platz zehn. Er wusste, dass die Olympia-Qualifikation kein leichtes Unterfangen werden würde, aber als utopisch wurde sie nicht angesehen. „Wir haben einfach einen schlechten Start erwischt und hatten zudem zunächst schwere Gegner. Danach kämpft man dann mehr mit sich selbst.“ Die ersten fünf Partien gingen allesamt verloren. Richtig in die Spur fand die deutsche Auswahl nie. So schloss sie die WM mit vier Siegen und neun Niederlagen ab. „Platz zehn ist okay. Der Weg nach oben ist nicht weit, denn jeder kann jeden schlagen.“ Zudem ist der Traum von Olympia noch nicht ausgeträumt. Im Dezember bietet sich die nächste Chance. Dann kommen die Nationen bei einem Turnier – Ort noch unbekannt – zusammen, die bei der WM die Ränge 7 bis 14 belegt haben und spielen drei Tickets für Peking 2022 aus.

„Würde es in Garmisch-Partenkirchen eine Halle geben, würde ich auch wieder für den SCR auflaufen.“

Dominik Greindl

Greindl und seine Mitstreiter wollen sich definitiv qualifizieren. Um ihrer eigenen Willen und für das Curling in Deutschland. „Dadurch würden wir den Sport wieder mehr in den Fokus rücken.“ Das bedarf es auch, denn es fehlt dem Curling an Breite und Masse. Zum einen hängt das mit der Corona-Pandemie zusammen, zum anderen mit immer weniger Möglichkeiten, den Sport überhaupt ausüben zu können. „In Bayern geht das nur noch in Oberstdorf und Füssen.“ Einst war das auch in Garmisch-Partenkirchen möglich, ehe die Curling-Halle im Olympia-Eissportzentrum geschlossen wurde. Bis dato lief auch Greindl für den SCR auf. Er ist er zwar noch Mitglied im Verein, und seine Eltern leben in dem Markt, bei Turnieren startet er aber für den CC Füssen. „Würde es in Garmisch-Partenkirchen eine Halle geben, würde ich auch wieder für den SCR auflaufen.“

Doch will man sich mit der internationalen Spitze messen können, ist regelmäßiges Training auf Eis unabdingbar. Greindl etwa trainiert fünfmal die Woche. „Wenn du auf dem Level mithalten willst, ist das nicht anders möglich.“

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