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Eishockey-Bundestrainer Söderholm: „WM-Mannschaft bildet das Gerüst für Peking“

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Von: Günter Klein

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Deutschlands Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm an der Bande
Bundestrainer Toni Söderholm baut bei den Olympischen Winterspielen in Peking auf vertraute Spieler. © Daniel Karmann/dpa

Im Interview mit unserer Zeitung spricht Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm über die Olympischen Winterspiele in Peking, den DEB-Kader und den EHC München.

München – Den Jahreswechsel hat Deutschlands Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm (43) in seiner Heimat Finnland verbracht. Und obwohl gerade „meine Mama zu Besuch ist“, fand er Zeit für das erste Interview des Jahres. Des Olympiajahres. Und es ging auch um das CHL-Spiel des EHC München am Mittwoch (4. Januar).

Herr Söderholm, nach der Absage der NHL für das Olympia-Turnier in Peking – wie ist Ihre Gemütslage?

Toni Söderholm: Es hat mich schon sehr enttäuscht, dass es so gekommen ist. Ich hätte es den Spielern, den Fans und uns als Trainern gegönnt, dass viele Augen weltweit zwei Wochen lang auf das Eis gerichtet gewesen wären. Doch es ist gut, dass die Entscheidung früher getroffen wurde als gedacht, sodass wir Klarheit haben.

Sie waren Anfang Dezember in Nordamerika, haben die deutschen Olympia-Aspiranten besucht.

Söderholm: Das war kurz vor der Welle. Nicht bei den Spielern, aber bei den Verantwortlichen, den General Managern und Trainern, hat man eine gewisse Unruhe gespürt, dass die Lage heikel werden könnte. Doch erst, als ich heimkam, sind die ersten Wellen durch die Mannschaften gelaufen.

Sie hatten für Olympia aber einen Plan B, basierend auf der Mannschaft, die bei der Weltmeisterschaft 2021 in Riga mit dem Erreichen des Halbfinales begeistert hat?

Söderholm: Die WM-Mannschaft bildet das Gerüst für Peking. Es besteht aus Spielern, die wir gut kennen. Das Gute ist: Wir haben jetzt auch Spieler in der Schweiz und in Schweden (Dominik Kahun, Tobias Fohrler, Tobias Rieder, Tom Kühnhackl, Stefan Loibl; Anm. d. Red.), das gibt uns mehr Vielfalt in dem, was wir können. Die Stimmung jetzt: Wir werden eine gute Mannschaft zusammenkriegen, haben die Möglichkeit, erfolgreich zu spielen. Es wird nicht so viele personelle Überraschungen geben, auch wenn die Omikron-Welle mich beunruhigt.

Eishockey-Bundestrainer Söderholm: „Würde mich überraschen, wenn die Spiele verlegt würden“

Können Sie sich vorstellen, dass angesichts des derzeit ungebremsten Infektionsgeschehens die Olympischen Spiele auf 2023 verlegt werden – so wie Tokio um ein Jahr?

Söderholm: Wir sind noch einen Monat entfernt, die Lage kann sich bis dahin auch wieder beruhigen. Es würde mich überraschen, wenn die Spiele verlegt würden.

Die Gruppengegner werden Kanada, USA und China sein. Die Chinesen versuchen offensichtlich noch, mit Einbürgerungen ihr Team zu verstärken; kürzlich mussten sie in Testspielen nachweisen, dass sie überhaupt die Reife für die Teilnahme am Olympia-Turnier haben. Wie ist Ihr Kenntnisstand über China?

Söderholm: Viel wissen wir nicht. Aber wenn über die Chinesen geschrieben wird, dass sie nicht fähig seien, finde ich das gefährlich. Ich will sie erst sehen, und auch wenn sie nicht gut sein sollten, müssen wir sie schlagen, und dafür muss man sich vorbereiten.

US-Amerikaner und Kanadier haben ohne NHL-Spieler ganz andere Kader als erwartet, gebildet nun aus in Europa tätigen Spielern . . .

Söderholm: Vielleicht ist auch der eine oder andere aus der American Hockey League (Farmteamliga der NHL; Anm. d. Red.) dabei, das würde mich nicht überraschen.

Könnten auch Sie deutsche AHL-Spieler nominieren?

Söderholm: Nur wenn sie keinen Vertrag mit einem NHL-Club haben. Aktuell trifft das nur auf Marc Michaelis zu.

Eishockey-Bundestrainer Söderholm: Teams wie EHC für finnische Mannschaften „ungewohnt“

Richten wir den Blick nach München, wo Sie Spieler und Co-Trainer waren. Der EHC trifft im Halbfinale der Champions Hockey League auf Tappara Tampere. Was kann der Finnland-Insider über diesen Münchner Gegner verraten?

Söderholm: Tappara ist eine der Mannschaften, die letztes Jahr in der Liga am stabilsten waren. Sowohl von der Entwicklung der Spieler als auch der wirtschaftlichen Seite ist Tappara zu einem Top-Club geworden. Die Mannschaft spielt ein sehr systematisches Eishockey, vor einigen Jahren nannte man es sogar maschinerieartig. Tappara hat in dieser Saison nicht gut angefangen, aber sich gesteigert.

Der EHC scheint mit finnischen Mannschaften aber gut zurechtzukommen, er hat im Viertelfinale Lukko Rauma ausgeschaltet. Kann man das sagen, dass einem Team eine bestimmte Eishockeykultur wie in diesem Fall die finnische liegt?

Söderholm: In Finnland sind die Mannschaften etwas jünger als in der DEL, und fast alle Teams spielen in etwa dasselbe – wenn dann ein Club wie München kommt, ist das für die Finnen, aber auch für Schweden und Schweizer, wie die CHL zeigt, ungewohnt – das Muster ändert sich.

Nun steckt München aber in einer Krise, hat kurioserweise drei Spiele nacheinander im Penaltyschießen verloren. Wie kommt man aus dem Tal? Mit dem guten alten kanadischen Grundsatz des „to regroup, to refocus“ und jedes Spiel als neuen Anfang zu verstehen?

Söderholm: Auch wenn das eine angespannte Zeit ist – für einen Coach ist es eine interessante, aus der man lernen kann. Oft ist es die Nebenarbeit, die in einer solchen Phase nicht funktioniert. Zum Beispiel: Wenn man schießt, ist niemand vor dem Tor. Oder im Aufbau sind nicht alle Passwege offen. Damit du Tore erzielen kannst, muss einiges passieren, und für einen guten Aufbau brauchst du Unterstützung, Tempo und Timing. In einer Reihe sind immer fünf Leute auf dem Eis, und wenn einer nicht liefert, ist die ganze Reihe in Unterzahl.

Was also konkret tun?

Söderholm: Eishockey ist Mannschaftssport, trotzdem muss in dieser Phase jeder auf sich selbst schauen und sich spiegeln, was er für die Mannschaft tut.

Und man denkt von Spiel zu Spiel?

Söderholm: Von Wechsel zu Wechsel.

 Interview: Günter Klein

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