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Robert Lehmann

EM-Debakel für deutsche Eisschnellläufer

Klobenstein - Die Querelen haben einen Höhepunkt erreicht, die Krise der Mehrkämpfer geht weiter. Die deutschen Eisschnellläufer haben das schlechteste Ergebnis seit 32 Jahren bei Europameisterschaften verbuchen müssen.

Robert Lehmann verpasste am Samstag auf der Freiluftbahn in Klobenstein den Einzug ins Finale der besten 12, sicherte dem deutschen Verband aber mit viel Glück auf Platz 14 das einzige Ticket zur Mehrkampf-WM in Calgary. 1979 war der Berliner Andreas Ehrig in Deventer ebenfalls als 15. eingekommen.

Zur “Krönung“ der Misere hatte Lehmann vor seinem 1500-Meter-Lauf vergessen, den Transponder für die Zeitnahme am Schuh zu befestigen, geriet in unnötige Aufregung und kam nur als 21. in 1:55,18 Minuten ins Ziel. “Seine Vorbereitung war damit sehr gestört. Aber so etwas kann in der Aufregung schon mal passieren“, sagte Cheftrainer Markus Eicher, der heilfroh über das WM-Ticket war. Allein der Rückstand von Lehmann auf die Spitze mit 67,06 Sekunden - berechnet auf die 10 000 m - spricht Bände.

Das Youngster-Trio der deutschen Damen konnte erwartungsgemäß nicht in den Kampf um Top-Plätze eingreifen. Für einen Hoffnungsschimmer sorgte die 19-jährige Jennifer Bay aus Dresden, die über 3000 Meter in 4:24,15 Minuten Neunte wurde. Im Gesamtklassement hofft sie als 15. ebenso wie die Berlinerin Isabell Ost als 16. am Sonntag noch auf die Qualifikation zur WM in Calgary, für die bei den Damen Rang 14 erforderlich ist. Klar in Front liegt Top-Favoritin Martina Sablikova aus Tschechien.

Am zweiten Tag hatte es im Männer-Team heftig Ärger gegeben, weil Chefrainer Eicher tags zuvor den harten Kurs des Verbandes wegen unzureichender Leistungen verkündet und erstmals auch verhängte Geldstrafen öffentlich gemacht hatte. Tobias Schneider, der mit Platz 21 sehr enttäuschte, räumte als Erster ein, mit einer Geldstrafe belegt worden zu sein. “Bereits im Juli haben wir Auflagen erhalten, unsere Trainingsstunden zu dokumentieren. Ich habe dies versäumt und mich dafür entschuldigt. Dennoch habe ich eine schmerzliche Geldstrafe zahlen müssen“.

“Ich habe die Strafe bezahlt, sonst wäre ich nicht hier. Der Athlet sitzt nicht am längeren Hebel“, beklagte Schneider. “Aber ich bin nicht der einzige, der zahlen musste“, sagte er frustriert. “An der Dokumentation liegt es bestimmt nicht, dass wir Null Leistung bringen“, meinte Robert Lehmann und brachte Beispiel für ständige Auseinandersetzungen zwischen Trainern und Aktiven.

Völlig unverständlich ist Schneider, warum Eicher die Bestrafungen öffentlich machte. “Uns wurde gesagt, wir sollen uns nicht an die Presse wenden. Und nun trägt der Cheftrainer das als erster nach außen. Das finde ich sehr komisch“, sagte der 29-Jährige. Noch schlimmer findet er, dass Eicher von der Rückkehr zu “einer gewissen Diktatur in den Trainingsabläufen“ gesprochen habe. “So ein Wort sollte man nie verwenden.“ In Führung liegt vor den abschließenden 10 000 Meter-Rennen der besten 12 am Sonntag der Russe Ivan Skobrew mit Vorsprung von 0,48 Sekunden auf den Niederländer Jan Blokhuijsen.

Von Frank Thomas, dpa

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