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Wie bei Pechstein: Mehr Blutanomalie-Fälle

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Claudia Pechstein Blutanomalie mehr Athleten
Claudia Pechstein wurde wegen Dopings zwei Jahre gesperrt. Ihr Argument der Blutanomalie betrifft mehrere Sportler. © dpa

Köln - Hämatologin Professor Elisabeth Kohne entdeckt neben Claudia Pechstein weitere Athleten mit anderen Blutanomalien. Einen Beweis dafür, dass nicht gedopt wurde, sei das aber nicht.

Im Zusammenhang mit dem Dopingfall Claudia Pechstein sind anscheinend bei zahlreichen deutschen Spitzensportlern Blutanomalien aufgetaucht. Nach Informationen des "Bayerischen Rundfunks" wurden am Universitätsklinikum Ulm neben Pechstein und zwei weiteren Eisschnellläuferinnen auch die Blutbilder von diversen Ausdauerathleten und Fußballern analysiert und ebenfalls seltene Blutanomalien diagnostiziert. Zu den Behandlungen kam es anscheinend erst, weil die betreffenden Sportler im Zuge des Pechsteins-Falles Angst vor Sperren bekommen hatten.

„Im Rahmen des Pechstein-Verfahrens habe ich von verschiedenen Ärzten eine Reihe von Aufträgen bekommen, weil sich Sportler an sie gewendet hatten, in der Sorge, dass sie das Problem auch bekämen“, sagte die zuständige Hämatologin Professor Elisabeth Kohne. Pechstein war allein wegen ihrer abnormalen Retikulozytenwerte ohne direkten Dopingnachweis für zwei Jahre gesperrt worden.

Ich habe zahlreiche Sportler untersucht und dabei unterschiedliche Defekte an den Blutkörperchen gefunden - auch andere als bei Claudia Pechstein. Das ist überhaupt nicht häufig, das ist auch in der Menschheit nicht häufig, aber das gibt es“, sagte Kohne.

Die lange Liste: Sportstars unter Dopingverdacht

Indirekt entlastete Kohne damit auch Pechstein, obwohl sie auch bei den ihr vorgelegten Fällen Doping nicht für unmöglich hält: „Ich kann das ja nicht ausschließen, wenn einer so einen Defekt hat und außerdem noch Doping nimmt. Aber das ist ja nicht die Fragestellung. Der entscheidende Punkt ist, ob man unter Sportlern Menschen findet, die Blutwerte haben, wo anderen Ortes Verdacht auf Doping geäußert wird - und das gibt es.“

Zudem berichtet der Münchner Hämatologe Professor Stefan Eber, nach Claudia Pechstein im Sommer 2010 auch noch das Blut von zwei weiteren deutschen Eisschnellläuferinnen untersucht zu haben. Dabei dürfte es sich um Heike Hartmann und Bente Kraus handeln, bei denen Beamte des Bundeskriminalamts im Zuge des Falles Pechstein auch Hausdurchsuchungen durchgeführt hatten. Nach Informationen des "Bayerischen Rundfunks" stellte Eber bei einer der beiden, wie auch bei Pechstein, ein Gutachten für eine Xerozytose-Anomalie aus. Nach Ebers Meinung konnte sie „aufgrund dieses Gutachtens völlig unbehelligt weiter Sport treiben“. Auch der Dopingverdacht sei offensichtlich nicht weiter verfolgt worden.

Die NADA, die seit 2007 Blutprofile von deutschen Sportlern erstellt, erteilt keine Ausnahmegenehmigungen für Anomalien. Fallen der Agentur abnormale Blutwerte auf, führt sie verstärkte Zielkontrollen durch.

sid

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