Die fesche neue Zugnummer

- Ruhpolding -­ Magdalena Neuner hatte sich dem Ruhpoldinger Publikum einst mit einer unfreiwilligen Artistikeinlage vorgestellt. Bei ihrem ersten Weltcuprennen überhaupt drehte sie auf der Zielgeraden eine Pirouette, das Klassement führte die nervöse Debütantin schließlich auf Rang 41. Das werde sie in ihrem Leben nicht vergessen, sagte sie damals. Ein Jahr ist das nur her, und an den Ausrutscher denkt inzwischen niemand mehr. Denn Magdalena Neuner kam mit frischem Ruhm nach Ruhpolding.

Vor einer Woche hatte die 19-Jährige in Oberhof ihr erstes Weltcup-Rennen gewonnen, und das auf so beeindruckende Weise, dass nun bei ihrer Pressekonferenz der Raum bis auf den letzten Stehplatz gefüllt war. "Das ist alles ein bisserl schnell gegangen", sagte der Teenager mit dem schulterlangen Blondhaar: "An den Rummel muss ich mich erst noch gewöhnen."

Das Erstaunliche an dem hitzigen Interesse, das die junge Sportlerin derzeit auf sich zieht, ist auch, dass dadurch die interne Rangordnung sozusagen auf den Kopf gestellt wird. Denn im Weltcup liegen ja drei deutsche Biathletinnen vor ihr. Eine davon saß bei der Pressekonferenz ­ zunächst scheinbar unbemerkt ­ neben ihr. Der DSV-Pressesprecher Stefan Schwarzbach sah sich nach einiger Zeit gar zu dem Hinweis veranlasst: "Übrigens, die Kati ist auch noch da." Gemeint war Kati Wilhelm, und die ist immerhin der absolute Star der Szene. 2006 holte sie bei Olympia Gold und zweimal Silber, wurde Gesamt-Weltcupsiegerin und Deutschlands Sportlerin des Jahres. Sie hat in ihrer Karriere schon alles gewonnen, Magdalena Neuner erst ein Senioren-Rennen.

Kati Wilhelm nahm das anfangs einseitige Interesse aber gelassen hin: "Die Leute sind halt hungrig nach etwas Neuem", sagte die gebürtige Thüringerin lächelnd. Und dann sei es tatsächlich ganz enorm, dass eine 19-Jährige plötzlich derart fulminant in der Weltklasse mitmische: "Sie hat ja nicht gewonnen, weil die anderen vorbeigeschossen hätten." Der Grund für Magdalena Neuners jüngste Erfolge sei vielmehr: "Sie bestimmt das Laufniveau. Da ist der Hype verständlich." Auch Uschi Disl, die frühere Paradeläuferin des Biathlons und derzeit Gast in Ruhpolding, zeigte sich beeindruckt: "Dass die so extrem vorne wegrennt, hätte keiner gedacht." Ihre Prognose: "Die Magdalena hat eine lange, große Karriere vor sich."

Es sind aber wohl nicht nur die außergewöhnlichen Fähigkeiten, die die Begehrlichkeiten der Medien bei Neuners Heimspiel wecken. Die junge Wallgauerin ist ja ein Kind der Berge und erfüllt auch sonst nahezu perfekt ein beliebtes, facettenreiches Persönlichkeitsprofil. Sie ist bodenständig, pflegt als Hobby-Harfistin die in ihrer Familie bevorzugte Stubenmusi, hört aber auch Rockmusik, sie strickt gerne, fährt Motorrad, verfügt über die Gabe zur unbekümmerten freien Rede, bekennt sich zur Religiosität, und dann ist die Lena, wie sie von ihren Freunden genannt wird, auch noch eine auffallend fesche junge Frau. So etwas kommt nicht nur in Bayern an.

Inzwischen hat Magdalena Neuner mit Stephan Peplies, der auch Martina Glagow betreut, einen eigenen Manager. Zu dem Trubel um ihre Person sagt sie: "Das ist alles ganz neu, aufregend, schwierig." Kati Wilhelm meint: "Es prasselt einiges auf sie ein." Bisher aber hat sich Magdalena Neuner wacker gehalten ­ und damit auch Bundestrainer Uwe Müssiggang erfreut: "Man meint, sie macht das schon zehn Jahre", sagt er.

Dabei sieht sich die Jüngste im Team noch in ihrem Lehrjahr: "Ich wollte in dieser Saison nur Erfahrung sammeln." Mittlerweile hat Magdalena Neuner wohl sogar beste Chancen, für die WM in Antholz nominiert zu werden. Sie selbst gibt sich da noch zurückhaltend: "Es wäre toll, dabei zu sein." Kati Wilhelm weist indessen auf das von Müssiggang favorisierte Leistungsprinzip hin: "Wir wollen Medaillen holen ­ und jede, die dazu in der Lage ist, wird mitgenommen. Also sicher auch die Lena."

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